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Gelesene Bücher 2008

Friedrich Dürrenmatt, Theaterprobleme;
Anmerkung zur Komödie;
Dramaturgische Überlegungen zu den "Wiedertäufern";
Dramaturgie des Publikums;
Zwei Dramaturgien?;
Friedrich Schiller;
Etwas über die Kunst, Theaterstücke zu schreiben
Wilhelm Schmid, Die griechische Literatur zur Zeit der attischen Hegemonie nach dem Eingreifen der Sophistik
Elisabeth Brock-Sulzer, Friedrich Dürrenmatt. Stationen seines Werkes
Manfred Durzak, Dürrenmatt, Frisch, Weiss. Deutsches Drama der Gegenwart
Horst Turk, Theater und Drama
Peter Zima, Der gleichgültige Held
Friedrich Dürrenmatt, Besuch der alten Dame
Friedrich Dürrenmatt, Ein Engel kommt nach Babylon
Wieprecht/Skuppin, Berliner populäre Irrtümer. Ein Lexikon
Aristoteles, Poetik [10]
Rolf Krauss, Jenseits von Licht und Schatten
Friedrich Dürrenmatt, Die Physiker
Friedrich Dürrenmatt, König Johann
William Shakespeare, Julius Caesar
Ingeborg Bachmann, Der Prinz von Homburg
Ingeborg Bachmann, Der junge Lord
Plutarch, Dion
ver.di, Schwarzbuch Lidl
Cornelius Nepos, Dion
Klaus Meister, Die sizilische Geschichte bei Diodor [20]
Platon, Der 7. Brief
Wolfgang Mühl-Benninghaus, Vom Augusterlebnis zur Ufa-Gründung
Aristophanes, Die Acharner
Helen Foley, Tragedy and Politics in Aristophanes Acharnians
Hans-Joachim Newiger, Aristophanes und die Alte Komödie
Victor Ehrenberg, Aristophanes und das Volk von Athen
Aristophanes, Die Ritter
Aristophanes, Die Wolken
Thomas Gelzer, Aristophanes. Komödie für den Demos
Hermann Lind, Der Gerber Kleon in den 'Rittern' des Aristophanes [30]
Walther Kraus, Aristophanes' politische Komödien
Peter v. Möllendorff, Aristophanes
Aristophanes, Die Wespen
Sergej Lukianenko, Wächter der Ewigkeit
Javier Marías, Mein Herz so weiß
Gershom Sholem, Walter Benjamin/Gershom Sholem: Briefwechsel 1933-1940
Robyn Young, Die Blutritter
Charlotte Kerr, Die Frau im roten Mantel
L. A. Seneca, De brevitate vitae
Sergej Lukianenko, Spektrum [40]
Sven Regener, Herr Lehmann
Lothar Gall, Bismarck und die Parteien
Dieter Langewiesche, Liberalismus in Deutschland
Heinz Wolter, Otto von Bismarck. Dokumente seines Lebens
Ekkehard Verchau, Otto von Bismarck
Oswald Spengler, Ich beneide jeden, der lebt. Die Aufzeichnungen 'Eis heauton' aus dem Nachlaß
Eva Douma, Stipendio. Der Stipendienführer
Wilbur Smith, Das Erbe des Magus
Christian Barsczewski/Hannelore Ragg, Traumberuf Buschpilot in Afrika
George Orwell, 1984 [50]
Edward Bernays, Propaganda. Die Kunst der PR
Eckhart Tolle, Eine neue Welt
Jochen Bleicken, Das Volkstribunat der klassischen Republik
Lukas Thommen, Das Volkstribunat in der späten römischen Republik
Cicero, De legibus/Über die Gesetze
Valerius Maximus, Sammlung merkwürdiger Reden und Taten
Plutarch, Tib. Gracchus, C. Gracchus, Cato minor
Velleius Paterculus, Historia Romana/Römische Geschichte
Sergej Lukianenko, Weltengänger
Jaap Mansfeld, Die Vorsokratiker I [60]
Karl Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der Geschichte
Sergej Lukianenko, Weltenträumer
Martin Walser, Ein fliehendes Pferd
Peter Handke, Die Lehre der Sainte-Victoire
Michael Schneider, Das Spiegelkabinett
Patrick Roth, Riverside. Christusnovelle
Jaap Mansfeld, Die Vorsokratiker II
Michael Kleeberg, Barfuß
Raoul Schrott, Die Wüste Lop Nor
Ralph Bollmann, Reform. Ein deutscher Mythos [70]
Platon, Parmenides
Sergej Lukianenko, Das Schlangenschwert
Hartmut Lange, Das Konzert
Dmitry Glukhovsky, Metro 2033
Kester Schlenz, Nachtblau
Christian Meier, Populares (RE)
Hartmut Sprute, Rechts- und Staatsphilosophie bei Cicero

07 Januar 2009 um 23:20 Uhr Kommentare (0)


War da was?

Da drehste dich einmal um, und schon ist es da, das sog. Neue Jahr (oder auch das neue Jahr, je nachdem, worauf Wert gelegt wird). Zeit für ein Resümee? Nö. Nur ein paar warme Worte zum Jahresbeginn.

Das letzte Jahr hat dieser Seite um die 4.700 Besucher gebracht, und ich frage mich: Leute, wo kommt ihr alle her und wer seid ihr und warum seid ihr hier? (Bevor einer denkt, ich habe mich vertan, es sind Besucher, nicht Seitenaufrufe - die liegen bei 18.000). Immerhin sind es im Schnitt 13 pro Tag; so oft rufe ich selber nun dieses/diesen Blog nicht auf ... Eingedenk der Tatsache, dass ich auch mal monatsweise hier einfach die Fresse halte und andernorts intensiver arbeite (Stichwort: Wikipedia), nimmt das alles wunder ...

Und sonst? Ich bin noch immer nicht Millionär, (ver-) suche es aber auch nicht allzu heftig. Neben all den lustigen Plattformen, auf denen ich mich - teils freiwillig, teils gezwungen - herumtreibe, hat man mich quasi zu einer weiteren getrieben (und ich habe mich treiben lassen), nämlich zu wer-kennt-wen. Was' das nu wieder? Im Grunde so was wie Xing, nur privater und natürlich nur auf Einladung, weil dann vermeintlich exklusiver. Da sage noch einer, Datenschutz sei Bürgerrecht ...

Vorsätze fürs neue Jahr? Also bitte, aus dem Alter sind wir doch raus. Halten wir es, wie immer & wie jedes Jahr, mit dem ollen Erich: Wird's besser? Wird's schlechter? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: das Leben ist immer lebensgefährlich. In diesem Sinne: allet Jute und bis die Tage. Wird schon.



04 Januar 2009 um 12:00 Uhr Kommentare (0)


Der Mob

Gestern zwischen 12:40 und 13:00 Uhr erlebte Berlin eine widerwärtige Demonstration davon, wie Menschen in der Gruppe - entindividualisiert, entmenschlicht, irrational - handeln können und handelt. Der Pöbel kommt ...

Ursprünglich war es eine Demo für (oder gegen, das hängt von der Sichtweise ab) Bildung, der sog. Bildungsstreik, die an der HU Berlin vorbeiführte. Als plötzlich erst einige, dann viele, dann um die 1.000 sog. Demonstranten das Hauptgebäude stürmten. Sie wüteten sinnlos gegen alles, was ihnen in die Hände kam: da wurden Fenster eingeschlagen, Möbel herausgeworfen, Bäume mit Toilettenpapier umwickelt, Wände beschmiert, Konferenzen gesprengt, Feuerchen entfacht, Bilder abgerissen, Feuerlöscher entleert und Menschen in Angst und Schrecken versetzt. So eindrucksvoll wie beängstigend sieht man es im Video von spiegel-online (warum die Reporterin dabei so viel Spaß hat, mag ihr Geheimnis bleiben).
Die Presse berichtet ausführlich, sei es im Tagesspiegel, in der MoPo, der Berliner Zeitung oder der taz. In einem Blog findet sich ein Augenzeugenbericht, über dessen Sichtweise man diskutieren kann, der jedoch die Gewaltätigkeit und blinde Zerstörungswut gut wiedergibt.

Als wäre das Widerwärtigkeit nicht genug, wurde eine Ausstellung im Foyer zur Enteignung jüdischer Unternehmen demoliert, ja grundsätzlich zerstört. Hätte vielleicht die Öffentlichkeit, im Angedenken an die wunderbaren 68er, die Besetzung und Zerstörung an sich noch akzeptiert, so ist der Angriff auf die Ausstellung ein no go. Entsprechend scharf fiel die heutige Pressemitteilung des Präsidenten der HU aus: Es gibt keinerlei Rechtfertigung für Gewalt, auch nicht für Gewalt gegen Sachen. Die Humboldt-Universität wird gemeinsam mit den Verantwortlichen im Land Berlin dafür sorgen, dass die Freiheit der öffentlichen Rede an einer Universität nicht von denen missbraucht wird, die diese Freiheit im Grunde abschaffen wollen.

So versuchen die Veranstalter zu retten, was nicht zu retten, nicht zu erklären, nicht zu entschuldigen ist. Was Micha Schmidt von der Landesschülervertretung im Interview mit Spiegel TV (s. Videolink) geritten haben mag, als er sagte: Das ist ein Ausdruck von Wut, das ist ein Ausdruck von Ohnmacht, [...], aber es setzt ein Zeichen ..., muss er mit sich ausmachen. Dass er aus dem Amt und am besten der Stadt gejagt hört, sei festgestellt. Zeichen wofür oder wogegen? Eine Uni, die ihre Türen niemandem verschließt, zu erstürmen, Menschen verängstigen, Sachen zu beschädigen und Randale zu machen, ist sicher ein Zeichen - ein Zeichen für die Dummheit, Ignoranz, Unberechenbarkeit und Zügellosigkeit des Pöbels. Denn nichts anderes haben wir gestern gesehen: den instinktgesteuerten, bescheuerten Pöbel, den Mob.

Weh denen, die dem Ewigblinden des Lichtes Himmelsfackel leih'n. Sie leucht' ihm nicht, sie kann nur zünden, und äschert Städt' und Länder ein.



13 November 2008 um 19:30 Uhr Kommentare (0)


Ruhe sanft

Ein gutes Gewissen sei in sanftes Ruhekissen, heißt es da gelegentlich. Wenn dem so ist, ruhen vier Menschen nun besonders sanft, wenigstens ein Mensch ruht besonders schlecht. Der geneigte Leser wird bereits wissen, wo die Reise hingeht: ins Y-Land, dorthin, wo keine Zitronen, aber Gewissen und Prinzessinnenmord blühen und gedeihen.

Eigentlich ist mit Heiko Sakurais Tageskarikatur alles gesagt: Willkommen im Katastrophengebiet. Dennoch wollen wir uns die Kommentare nicht entgehen lassen. Just for fun

Der Chefredakteur himself macht sich in der FR seine Gedanken und sieht nur eine Möglichkeit: Die Lage ist so verfahren, dass es nur einen Ausweg gibt: Neuwahl. Die Frau mit Y. ist nur noch die Verliererin.

In der FAZ hingegen hat Berthold Kohler die Situation ganz klar - glasklar! - auf das Wesentliche eingedampft: Den Betrug an den Wählern haben vier sozialdemokratische Abgeordnete verhindert, die den Wortbruch ihrer Parteivorsitzenden, dem sich ein großer Teil der hessischen SPD angeschlossen hatte, nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten. Um dann ebenfalls zu Neuwahlen zu orakeln: Die verfahrene Lage, in die Frau Ypsilantis Vabanquespiel Hessen brachte, verlangt nach einem Neuanfang: durch eine abermalige Wahl, auch wenn die SPD dabei die Wut einiger Bürger zu spüren bekommen könnte, deren Wünsche Frau Ypsilanti beim Anbändeln mit der Linkspartei doch nur vollstreckt haben will.

Die Welt gießt (zu meiner Überraschung) nicht die Kanne Häme aus (oder zumindest nicht nur), dafür leidet Margaret Heckel offensichtlich an einer richtig bösen Art von selektiver Wahrnehmung: Was für Ypsilanti eine Katastrophe ist, ist eine Sternstunde für die Demokratie. Denn jeder gewählte Abgeordnete ist vor allem sich und seinem Gewissen verpflichtet. Sich offen gegen ein von den Linken toleriertes Bündnis zu stellen, ist aller Ehre wert. Der Vorgang zeigt, wie fahrlässig Ypsilanti vorgegangen ist. Im weiteren ist von mörderischem Druck die Rede, von Abgeordneten, die sichtlich mit ihrem Gewissen gerungen haben, von beeindruckenden Worten und einem schrecklichen Fehler.

Den Fehler sieht die taz eher beim sogenannten Gewissen von Jürgen W.: Jürgen Walter hatte am Ende nichts mehr zu verlieren. Manche glauben, dass die Ressortaufteilung der Knackpunkt war. Der SPD bliebe, jetzt die Wahl zwischen Pest und Cholera, also Große Koalition oder Neuwahlen.

In der Berliner Zeitung geht Christian Bommarius in eine ähnliche Richtung: Tatsächlich ist zu fragen, warum lediglich Dagmar Metzgers Gewissen von Anfang an eine Tolerierung durch die Links-Partei nicht ertragen konnte, die Gewissen der drei Fraktionskollegen für ihren Reifeprozess hingegen ein Dreivierteljahr benötigten. Insbesondere das Gewissen Jürgen Walters, des stellvertretenden Landesvorsitzenden und Dauerrivalen Ypsilantis, steht im dringenden Verdacht, sich erst zu Wort gemeldet zu haben, nachdem sich die Karriere-Erwartungen seines Besitzers in einem möglichen rot-grünen Kabinett erledigt hatten. Und landet bei - Neuwahlen.

Auch dem Tagesspiegel scheint das spontan erwachte Gewissen suspekt: Wer Fairness für ein unabdingbares Element der Demokratie hält, wird sich allerdings auch an den Umständen dieses Sturzes stoßen. Das Heldentum in letzter Minute, das die vier Rebellen vorführten, schmeckt schal, sieht man einmal von Dagmar Metzger ab, die von vornherein mit offenem Visier kämpfte. Weiter im Sinne der Fairness meint Hermann Rudolph: Nachdem abermals die Keule des Parteischädigungsvorwurfs geschwungen wird, ist es Zeit, darüber nachzudenken, was parteischädigender ist: das Verhalten der hessischen Parteivorsitzenden oder das der Rebellen. Und keine Neuwahlen.

Neben "Bauer sucht Frau" bringt die Bild es auf den Punkt: Das eigentliche Drama von Ypsilantis Scheitern liegt darin, dass ausgerechnet sie, die Vorkämpferin für die Frauen, an drei Frauen scheiterte. Danke, Hugo Müller-Vogg, für diese wirklich neue, spannende und überraschende Sichtweise. Die vierte Frau im Bunde heißt dann Jürgen W.?



04 November 2008 um 18:25 Uhr Kommentare (0)


Bad times, good news

Ein wenig ist es ja wie in der Weihnachtsgeschichte von Dickens: es gibt noch Hoffnung in der kalten Welt des Geldes.
Während die Banken nun keine Krise haben und kein Geld vom Staat brauchen, während Josef A. wieder mal die Welt nicht versteht, da gibt es im Kleinen (was die Soziologen gerne Mikrokosmos nennen) wahre Lichtblicke.

So heute in der U8, kurz nach dem Hermannplatz. Als wäre die Fülle in der Bahn nicht schon Strafe genug, zeigen tapfere Kontrolettis nach 18 Uhr ihren heldenhaften Einsatz - und erwischen stante pede einen jungen Mann mit Fahrrad. Der leugnet nicht und weicht nicht und sagt ganz offen: Ick hab keen Jeld. Da det jeda sagn kann, wird gleich fleißig der Zettel für die Aufnahme des Vergehens gezückt. Und da passiert es:
Ein älterer Herr, der selber mehr im Unbehausten-Milieu zuhause zu sein scheint, sagt zum Kontroletti: Und wenn ick det zahle? Der Kontroletti ist verwirrt, fasst sich jedoch schnell: Det jeht nüsch, Meista, Fahrscheine nur am Automaten. Na, abba dem jedet doch schon schlecht, der hat doch nüschte, wat solln det?! entgegnet der Helfer. Imma uff de Ärmsten, dit könnta; pass uff, ick jeb dir det Jeld und denn isset jut.
Doch da hilft kein Bitten und kein Betteln, Recht muss sein, also steigt der junge Mann mit Fahrrad an der nächsten Station aus und der alte Mann mit Herz sagt: Wat is dit ne Scheißwelt!




30 Oktober 2008 um 19:35 Uhr Kommentare (0)


Busche spricht ...

... und zwar in der aktuellen Ausgabe der Siegessäule. Wer Busche nicht kennt, schaue hier und mache sich schlau.

Nach einem (unvermeidlichen) Artikel über den Reuterkiez - Zitat: Hier sei es spannender als an manchen Flecken in Kreuzberg (ach ne) - darf unser aller Lieblingsbürgermeister dem Chefredakteur der Säule folgendes ins Ohr flüstern:
S: Herr Buschkowsky, Neukölln kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen raus. Wie erklären Sie sich das?
B: Vielleicht, weil wir spannend sind? [ach ne, AdV] [...]
S: Junge Leute werden in den Kiez [Reuterkiez, AdV] gelockt, eine attraktive Ausgehkultur entsteht.
B: Das ist in Ordnung, aber wir sind schon immer ein Zuzugsgebiet für junge Leute gewesen. Sobald sie aber eine Familie gründen und die Kinder zur Schule kommen, ziehen sie weg. Das ist Problem. [...]
S: Ein Problem sind die Streetfighter, gewalttätige Kids, die z. B. Homosexuelle anpöbeln.
B: Wenn Sie als schwuler Mann mit ihrem Partner Hand in Hand über die Sonnenallee laufen [...], dann kann das durchaus gefährlich werden. [...].
S: Sollen wir uns verstecken?
B: Vorsicht ist weder Feigheit noch mangelnde Zivilcourage. [...]. Deshalb muss es dem Individuum erlaubt sein, einen taktischen Rückzug anzutreten. Den Sheriff zu geben und im Krankenhaus aufzuwachen, ist unkomfortabel. Wissen Sie, fünf Minuten doof hilft manchmal über den ganzen Tag.
[Hervorhebung dV]

Well roared lion. Solange die Leute daran denken, nach fünf Minuten mit dem Doofsein aufzuhören ...



10 Oktober 2008 um 19:30 Uhr Kommentare (0)


Lesen

Nachlese. Für mich und den begeisterten Leser, die engagierte Leserin, ein paar Rezensionen zum Leonard Cohen-Konzert, von dem wir bereits quasi live berichteten.

Den Tagesspiegel hat's selig gemacht, die Berliner Zeitung ward ergriffen, die Rheinische Pest Post sah die Schönheit der Weisheit (oder umgekehrt), sogar die Welt fühlte sich beglückt, während die Süddeutsche(n) lieber gleich das Konzert in München mit bayerischer Abgeklärtheit durchleuchten und die beiden Frankfurter nur über Allgemeinplätze tingeln (weswegen sie keine Links spendiert bekommen).

Levitenlese. Nun ist er dahin, der schöne Traum vom großen & schnellen Geld, die Seifenblase ist geplatzt, der Kater ist groß.

Natürlich rede ich von der - Obacht! - Bankenkrise aka Finanzkrise, doch sicher nicht der Wirtschaftskrise. Das kann man nicht un-ge-bloggt an sich vorbeigehen lassen. Da die Sache an sich jedem, der nicht blind und taub durch die letzte Woche gegangen ist, bekannt sein dürfte, beschränke ich mich auf einige Marginalien.
Die Welt, stets gut für beste Kurzinformation, spendiert den Finanzkrisenticker und sinnfällige Kommentare: Wer die Gier verurteilt, verurteilt den Kapitalismus. Das ist absurd. Crisis? What crisis? Alles nur menschlich. Das Schlimme darin ist: so unwahr ist es nicht. Denn nicht "die Banker" sind nur gierig, auch der poplige Klein"aktionär" war und ist es, alles muss möglichst schnell möglichst viel Kohle abwerfen. 6%?! Lächerlich! Es mussten 10%, 15% oder mehr sein, man "brokt" nicht an Börse, man zockt wie am Roulettetisch. Was ist noch reell daran, auf sinkende Kurse zu setzen?

Die FAZ denkt ein wie immer ein wenig weiter und deutet die Krise politisch aus: Die Krise beschert nicht nur der Linkspartei eine Hausse. Sie versetzt das gesamte Koordinatensystem der Republik nach links. Die Folgen daraus für die Wirtschafts- und Sozialpolitik werden die Banken zwar als erste, aber nicht als einzige zu spüren bekommen. Das Land wird, wenn der Sturm eines Tages vorüber ist, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch gezeichnet sein. Gar nicht mal so verkehrt, denn die Wissenschaft hat auch festgestellt, dass Wähler und Sympathisanten des Schmuddelkindes Linkspartei keineswegs nur dämliche Hartz 4-Prolls mit Protestattitude und hoffnungslose Ostalgiker sind. Oh nein, sogar die sog. obere Mittelschicht denkt links. Finis mundi!

Und jetzt mal ehrlich, wie ist das mit Krise oder Nicht-Krise? Allet nich so schlimm? Oder etwa doch? Locker bleiben, lieber Bundesbürger, dass Island pleite ist und Geld von Russland gepumpt bekommt, muss uns nicht interessieren, ist halt so in Kleinstaaten. Übrigens auch in kleinen Kommunen wie Hagen oder Remscheid, da haben sich die Stadtmütter und -väter dem Kapitalismus hingegeben wie die Hafennutte dem Matrosen. Doch während der sich nur eine fiese Geschlechtskrankheit zuzieht, haben die Damen und Herren aus den Stadträten nun richtig leere Taschen. Darauf gibt es nur eine Antwort: Verstaatlicht die Kommunen!

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Pereat mundus - durch "die Banken" oder "den Staat" oder alle beide



09 Oktober 2008 um 19:10 Uhr Kommentare (0)


A country for old men

Gestern Abend war es soweit: Leonard Cohens erstes und vorletztes Konzert seiner Welttournee in Deutschland. Was für ein Abend!

Als es fast pünktlich um kurz nach 8 los ging, konnte ich kaum glauben, ihn noch einmal live zu sehen, den großen alten Mann mit der sonoren Stimme, der eigentlich seit 15 Jahren nichts mehr mit dem Rummel zu tun haben will. Zuerst kommen die sechs Musiker - hervorragende Musiker, wie der Abend zeigen wird! -, dann die drei Backgroundsängerinnen und schließlich ein leicht gebeugter Mann mit Hut, der recht frisch auf die Bühne läuft und den Hut lüftet: Leonard Cohen.

Nein, er sieht nicht aus wie 74, er bewegt sich nicht wie 74jähriger. Die Stimme ist noch tiefer, dunkler und beschwörender geworden, doch der Mann ist kein Rentner, der sich ein paar Tantiemen hinzuverdient. Ohne große Worte geht es gleich mit Dance me to the end of love los, und sofort ist Ruhe im Saal, ja, es herrscht fast eine andächtige Atmosphäre. Einzelne, die immer wieder versuchen mitzuklatschen, scheitern an denen, die nur LC hören und genießen wollen.

Die Bühne ist schlicht, keine Show lenkt von dem Gesang und der Musik ab, die Musiker, Sängerinnen - unter ihnen Sharon Robinson - und der große alte Mann harmonieren. Er nimmt sich zurück, wenn ein Gitarren- oder Mundharmonika- oder Sax-Solo kommt, er stellt seine Gruppe vor, er ist bescheiden und präsent zugleich.
Das Repertoire reicht von neuem bis zum alten und wieder zurück, nach Ain't no cure und Secret Life ist der erste Teil der zweiten Hälfte den Klassikern gewidmet: Suzanne, Avalanche, Everybody knows. Und immer wieder fasziniert mich, wie sicher LC mit seinen Texten umgeht, er kann variieren, er kann ergänzen, weglassen und es auf aktuelle Situationen zuschneiden. Das ist für mich wahre Kunst, nicht das perfekt choreografierte Rumgehoppel sogenannter schöner Menschen.

Selten macht er viele Worte, er singt lieber, doch wenn er sie macht, sind sie nicht platte Geste, sondern selbstironisch oder kritisch, so zur Wirtschaftskrise: there's a mighty judgement coming, but I don't no when. Er wirkt dankbar und bescheiden, obwohl er Konzerte vor vielen Menschen (12.000 sollen es gewesen sein, berichtet die MoPo) verabscheut, wie es heißt. Davon merkt man nichts, man erliegt dem Charme, der Musik und den Texten.

Vor gut 10 Jahren oder mehr fragte jemand mich, was ich denn nun ausgerechnet an Leonard Cohen gut fände, der könne nicht mal singen und die Texte würde keiner verstehen. Gestern haben einige 1000 Menschen das anders gesehen und es genossen. Und wer es nicht erfühlen kann, der wird es nicht begreifen.

Übrigens war auch Holm Friebe da, mit Mutter, ein paar Plätze neben mir. Die Welt ist klein ...



05 Oktober 2008 um 11:00 Uhr Kommentare (0)


Der kleine Döner in unserer Straße

Neukölln kommt im Fernsehen - oder genauer: in einen Film. Die ganze Woche ist die halbe Straße gesperrt, eine Menge wichtiger Menschen und eine größere Menge Material steht orientierungslos in der Gegend herum.

Während wir uns noch fragten, was da wohl gedreht werden mag, wusste Philip schon wieder mal mehr: ein hochinteressantes, sozialkritisches Werk mit weltbekannten Darstellern. Und eben weil es so kritisch ist, wird Neukölln dargestellt, wie Neukölln eben ist: mit ausgebrannten Autos, ollen Mülltonnen und vielen alten Autoreifen. Das sieht dann so aus:

Ernüchternd ist, wie öde so ein Dreh sich gestaltet. Gestern z. B. liefen zwei Mitbürger mit Migrationshintergrund ca. 25mal um die Straßenecke und sahen aus wie Mitbürger mit Migrationshintergrund, die um eine Ecke laufen. Da das ganze im Sommer oder wenigstens bei mehr als 14 Grad zu spielen scheint, sehen wir Mädchen im Kleidchen und Jungs im T-Shirt. Na, herzlichen Glückwunsch.
Für dieses Filmevent wurde eigens ein quasi leer stehendes Filmlokal zu einer Dönerbude umgebaut, die - kein Scherz! - Döner Eck heißt. Welcher Laden würde sich bitteschön so nennen?

Das Schönste an der Chose ist, dass die Straße selten so ruhig war und selten so wenig Autos (nicht ausgebrannt) vor der Tür standen. Und dass es ab & zu nebelig wird, denn anscheinend geht Film nur mit Nebelmaschine.



30 September 2008 um 12:10 Uhr Kommentare (0)


The winner takes it all

Mönsch, schon wieder was zu bloggen! Erst Wochen nichts, dann gleich in einer Woche dreimal. Der Anlasse heute: Ich habe gewonnen! Unfassbar!

Da finde ich in meinem Spamorder (wieso dort?) meine Gewinnbenachrichtung mit dem Betreff: DRINGENDE AUFMERKSAMKEIT. Da schreibt mir Dr. Jaun Olea:
Wir sind zufrieden, Sie heute am 25Th SPT 2008 der Ergebnisse Euromillones Lotterien primitiv international zu informieren. Cool!

Doch es kommt noch besser: die Gewinnsumme - ich bin reich, mehr als reich:
Sie sind deshalb für eine Ausschattung der einmaligen Pauschale von 9,950,777.00 (NUEN HUNDERT UND FANFZIgTAUSEND, SIEBEN HUNDERT, SIEBEN UND SIEBZIG EURO) im Bargeld genehmigt worden..

Der einzige kleine Haken an der Sache:
Und auch informiert werden Sie dass 10 % Ihrer Lotterie wining gehort EUROSKY SEGUROS S.A, weil sie in Ihren Namen far diese Attraktion eingingen und sie Ihr Anspruch-Agent sind.
Na ja, da wollen wir nicht kleinlich sein, 900 Tausend weniger oder nicht, das macht den Braten nicht fett. Also, nachdem ich 9facher Millionär bin, muss ich die nächsten Tage echt überlegen, was ich mit der Kohle anfange. Und mich vor falschen Freunden hüten ...



25 September 2008 um 20:45 Uhr Kommentare (0)


Und wieder 12 mal irgendwas

365 Tage Berlin habe ich er- und überlebt, heute vor einem Jahr - es war ein lauschiger Sonntag - bin ich gegen 15 Uhr in Berlin angekommen (physisch zumindest). Also feiern wir heute - zusammen mit Ulli Wehler, der zwar weder Geburtstag hat noch in Berlin lebt, doch endlich mit seinem Lebenswerk fertig ist.

Bevor wir zu jenem älteren, verdienten Manne komme, noch zu diesem. Ich kann nur sagen: Das Jahr ist schnell vergangen, ich habe den Eindruck, dieserorts geht alles schneller. Die große böse Stadt macht einen härter oder bringt einen um, je nach Sichtweise, Konstitution und persönlichem Drama-Level. Um es kurz zu machen (solche Geschichten langweilen doch nur), ich habe eine Menge gelernt - über mich, über Berlin, über die Menschen in der Groß- und Kleinstadt, über Sokrates, die deutsche Sprachgeschichte, Friedrich Dürrenmatt und weiß ich nicht was noch. Und da es immer wieder gefragt wird, hier die nicht exklusive, doch einzig wahre Antwort:
Ich bin in Berlin, ich bleibe (erst mal) in Berlin und es war eine der besten Entscheidungen, hierhin zu ziehen.


Kommen wir zu unserem Begleiter HUW. Den muss man nicht kennen, sofern man nicht in Bielefeld lebt oder/und mal was mit Neuerer Geschichte zu tun hatte. Herr Wehler schreibt gern & viel und hat soeben quasi sein monumentales Werk Deutsche Gesellschaftsgeschichte mit Band 5 fertig gestellt. Nicht schlimm, wenn man es nicht kennt, mancher, der es lesen musste - ich kenne keinen, der das je freiwillig getan hätte -, hat sich gewünscht, es nicht zu kennen. Folgerichtig las man bereits Ende August in der FASHart ist die Arbeit aber auch für den Leser.
In der Tat. Wer Weber mag, wird Wehler lieben - und im Umkehrschluss: Wer bei Weber mit den Augen rollt, fällt bei Wehler ins Koma. Der Platzanweiser der Geschichte, Intimfeind von Götz Aly, ist sich selbst Mitte & Wahrheit, hat die echte Faktenlage durchschaut und den Primat darauf gepachtet. Besonders bitter für alle, die nicht zwischen 1929 und 1941 geboren sind: Wir haben nichts für die liberale, demokratische, geschichtsbewusste und kritische Bundesrepublik Deutschland getan. Schade. Da bleibt uns nur zweierlei: einen Regalmeter voll stellen mit Wehlers Lebenswerk oder - viel praktischer - das alles einfach vergessen und Erbaulicheres lesen. Ich entscheide mich entschieden für zweites.



23 September 2008 um 18:10 Uhr Kommentare (0)


Immer schön freundlich

Liebe Leserinnen, verehrte Leser, geschätzte Zielgruppe,
lange habe ich euch & Sie alleine gelassen, ohne Hilfe & Stütze in der und durch die große(n) böse(n) Welt (schlimmer Satz, ich weiß). Keinen Trost habe ich gespendet in diesen kühlen Frühherbsttagen. Keinen erheiternden Sonnenstrahl in die Schluchten der Großstadt geschickt. Doch ich hatte, das sei nach dem Motto: qui se defense, s'accuse - und habe allzu viel zu tun, allzu viele Baustellen und viel zu wenig Zeit, um meine verqueren Gedanken zu ordnen. So tue ich denn heute Buße und blogge mal wieder, nachdem ich schon (im September wird nicht geheizt!) dem Reiz des Ofens erlegen bin.

Vom Berliner sagt man, er sei schroff, aber irgendwie herzlich. Das wollte ich in einem Selbstversuch in dieser Woche verifizieren. Eigentlich war es keine Absicht, es war mehr Not als Tugend, doch das ist sekundär. Für einen Besuch in der Bibliothek brauchte ich einen ganzen Euro, um ein Schließfach nutzen zu können. Nun hatte ich jedoch nur zwei 50 Cent-Stücke, so musste ich wechseln. Kann ja nicht so schwer sein, dachte ich.
Versuch 1, Kiosk an der U-Bahn: Die Verkäuferin schaut schon skeptisch, als ich nichts in der Hand habe, was ich augenscheinlich kaufen will, und reagiert prompt: Kann ich nicht, mach ich nicht. Ok, also weiter ...
Versuch 2, ein weiterer Kiosk an einer anderen U-Bahn-Station: Freundlich fragt der Mann hinter der Theke, was ich möchte. Binnen Millisekunden weht ein kalter Hauch mich an, binnen Millisekunden erlischt das Lächeln: Bin ick ne Wechselstube, oda wat?! War er augenscheinlich nicht ...
Versuch 3, ein biologisch-ökologisch-fairer-undweißichnichtwas Laden an der Friedrichstraße: Mit überbordend falschem Lächeln begrüßen mich die beiden äußerst schicken und extrem unterforderten Bedienungen, ich fühle mich wie der sprichwörtliche König, nur leider bin ich kein Kunde: Wechseln? Ne. Also wirklich, könnwa nicht, haben kein Wechselgeld. Ach so, hätte ich wissen müssen bei einem Geschäft ...
Versuch 4, ein Stück weiter ein Berlin-Devotionalien-Laden: Fast schon angeekelt schaut der Fachverkäufer über seinem Boulevardblättchen auf, als hätte ich um einen Euro gebettelt, und entlässt mich einem so kurzen wie präzisen wie endgültigen: . Kein Gruß, kein Kuss, und tüss ...
Versuch 5, ein Bäckerei-Filialist an der Ecke: Ich komme mir schon vor wie ein Schnorrer und stehe unentschlossen an der Theke, frage mich, ob ich nicht doch alibihalber ne Schrippe kaufen soll, ringe mich dann jedoch zu einem letzten Versuch durch. Und, Wunder über Wunder, der recht griesgrämig schauende Alibi-Bäcker lächelt nett und wechselt: Keen Problem. Ich muss meine Abneigung gegen Filialisten überdenken ...

Was folgt daraus? Weiß ich doch nicht. Zumindest kann der gemeine Berliner Verkäufer so übellaunig wie sympathisch sein. Aber da die Studie keine repräsentative ist, kann ich nicht sagen, dass 80% der hiesigen Beschäftigten unfreundlich seien. Ne, also wirklich nicht ...

Und dann war da noch: Cindy aus Marzahn. Gestern Abend bin ich einmal mehr vor dem Fernseher eingeschlafen, die Dunkle Bedrohung der Sternenkrieger konnte mich nicht fesseln. Als ich im Halbschlaf dann durch die Gegend zappte, blieb ich bei eben jener Zündy hängen. Gehört hatte ich von ihr (Stichwort: Alzheimer Bulimie), jetzt wollte ich es wissen: wie unglaublich witzig is' die denn?!
Der Saal tobte, jeder Wortbrocken wurde belacht & beklatscht. Ich brauchte ein Hilfsmittel und griff zu einer Flasche Wein. Nach dem ersten Glas war das Cindy noch immer nicht komisch. Da viel viel hilft, tankte ich nach; wenn es schon nicht lustig wird, dachte ich, dann wenigstens erträglich. Ich irrte. Die halbe Flasche Wein war weg, die Cindy weiterhin unterirdisch. Am dollsten war eigentlich das Publikum, das kurz davor war, vor lauter Lachen unter's Sauerstoffzelt zu müssen. Bei solchen Perlen des Humors wie: Nur weil Gammelfleisch in ist, heißt das noch nicht, dass ich alles in den Mund nehme oder Jetzt hat sie ihren ersten Freund, Marcel Justin Jason ist das natürlich kein Wunder. Irgendwann war es dann vorbei, ich blau und hatte heute Morgen dann Kopfschmerzen. Die kamen ganz bestimmt nicht vom Wein! Deutsche Frauen, deutscher Humor - keine deutschen Tugenden (bitte nicht allzu bitter kommentieren).

So denn, lieber Leser, verehrte Leserin, verabschiede ich mich für heute und versuche weiterhin, dem Deutschen an sich und dem Berliner für sich auf den Grund zu gehen. Nächster Stop: Kurt Krömer. Vielleicht jeht det ja ... Tschüssi.



20 September 2008 um 20:45 Uhr Kommentare (0)


Der Herbst ist eröffnet

Die Sommerpause ist beendet, pünktlich zum Wetter (14,5 Grad, Regen) beginnt hier der Herbst - mit weiteren lustigen, herrlichen, dummen, sinnlosen, nachdenklichen, überheblichen, anmaßenden, herablassenden, kritischen ... Einträgen.

Was gibt es zu vermelden?
1. LC gibt nun doch ein Konzert in Berlin, und zwar am 04.10. in der O2-Arena in Friedrichshain. Und dieser Mann hat eine Karte!
2. Das beliebteste Feindbild des Berliners in Berlin ist die "junge Familie in Prenzlauer Berg", knapp gefolgt vom "Porno-Hippie-Schwaben". Der "Kreuzköllner" liegt recht abgeschlagen auf einem hinteren Platz. Merke: nicht nur ein Brennpunkt und gentri-fiziert, sondern auch noch nicht unbeliebt sind wir. *möff* (wer nun betreten in die Gegend schauen mag, weil ihm *möff* nicht bekannt ist: macht nix, ich kann es nicht beschreiben (und bin damit nicht alleine))
3. In Berlin ist wenig los, was sich zu vermelden lohnt. Das muss doch noch das Sommerloch sein. Die Stadt ist voll mit Touris, die, wir kennen es nicht anders, breiträumig Straßen sperren und ohne Stadtplan nicht mal das Klo finden. Also puhlt der Wowi-Klaus die ollen Kaugummi unter seinem Schreibtisch weg, klagt die BSR über eben diese und alle wollen es irgendwie besser machen.

Dem schließe ich mich an und ende besser für heute. Man liest sich - und seh'n wa uns nich' in diesa Welt, dann seh'n' wa uns in Bielefeld.



16 August 2008 um 00:55 Uhr Kommentare (1)


Wenn Gott Klaus hieße ...

... und Seidenschals trüge, wäre er mir begegnet. Klingt komisch, is' aber so.

Wir befinden uns in Münster, Herz Westfalens, Hort des Konservatismus, Refugium der katholischen Elite. In einer Nacht von Freitag auf Samstag. Vor dem Arbeits- und Sozialgericht im Herzen der Stadt. Zwei etwas angetrunkene Menschen warten auf ihr Taxi, reden assoziativ daher und hören Musik vom Handy.
Da beamt sich plötzlich von links, ohne dass er vorher zu sehen gewesen wäre, ein Mann ins Bild. Blickt auf einen Rollstuhl und sagt: "Sieht aber bequem aus." Das ist Klaus, wie wir später erfahren werden.

Klaus trägt Gesundheitslatschen ohne Strümpfe, eine weiße Leinenhose, ein weißes Leinenhemd, eine schwarze Weste, eine runde Brille - und einen Seidenschal. Er schwärmt von der Milch & Honig Bar ein paar Ecken weiter, schwärmt Musik und Jazz. Er redet von sich in der dritten Person, outet sich als Kenner und Kritiker - von Jazz, dem Leben und überhaupt. Dann verschwindet Klaus so, wie er kam, in der Nacht, ohne Spur.

Und zwei leicht betrunkene Menschen stehen und sehen ihm hinterher und werden nicht klug aus dem, was so eben geschah. Und weil das Gehirn eine merkwürdige Maschine ist, die Kausalzusammenhänge und Erklärungen benötigt wie der Junkie den Stoff, reimt es sich diese Geschichte zusammen. Stranger than fiction. Reality bites.



16 August 2008 um 00:35 Uhr Kommentare (0)


Love Parade vs. CSD

Nun sind die zwei Groß-Groß-Events des Jahres vorbei, Dortmund hat am Wochenende die Love Parade überlebt, so wie Berlin vor drei Wochen den CSD. Zeit für einen Vergleich.

Besucher: Hier konnte die Liebesparade punkten mit ungefähr dreimal so viel Besuchern wie der CSD (500.000 gegen 1.600.000) - 0:1

Organisation: Berlin ist nicht nur größer, Berlin kann auch besser Veranstaltungen dieser Größe verkraften. Während man in Dortmund zwar hin, doch kaum zurückkam, lief hier alles unproblematisch. Spiegel TV berichtete gestern Abend von chaotischen Zuständen am Dortmunder Hbf, der teils stundenlang gesperrt war. Die WAZ ist da anderer Meinung und lobt ein ausgeklügeltes Verkehrskonzept, unterdessen die Ruhrnachrichten meinen, bei der Bahn sei auch nicht alles rund gelaufen ... Aber wir wollen nicht schon wieder Bahn-Bashing betreiben, das werden schon die besorgen, die nicht mehr weg gekommen sind. 1:1

Konfliktpotential: Selbst die MoPo muss zugeben, dass der CSD friedlich ablief und es kaum Kollateralschäden gab. Erstaunlicherweise sehen das die Zeitungen des Potts für die Love Parade ähnlich: nur 1374 Patienten gab's zu versorgen. Ist halt alles eine Frage der Relation ... 2:1

Ergebnis: Berlin und der CSD gewinnen mit einem knappen 2:1 - wenn da mal nicht doch die Bahn ihre Finger im Spiel hat ...



21 Juli 2008 um 18:05 Uhr Kommentare (0)


Gelesene Bücher 2008

Friedrich Dürrenmatt, Theaterprobleme;
Anmerkung zur Komödie;
Dramaturgische Überlegungen zu den "Wiedertäufern";
Dramaturgie des Publikums;
Zwei Dramaturgien?;
Friedrich Schiller;
Etwas über die Kunst, Theaterstücke zu schreiben
Wilhelm Schmid, Die griechische Literatur zur Zeit der attischen Hegemonie nach dem Eingreifen der Sophistik
Elisabeth Brock-Sulzer, Friedrich Dürrenmatt. Stationen seines Werkes
Manfred Durzak, Dürrenmatt, Frisch, Weiss. Deutsches Drama der Gegenwart
Horst Turk, Theater und Drama
Peter Zima, Der gleichgültige Held
Friedrich Dürrenmatt, Besuch der alten Dame
Friedrich Dürrenmatt, Ein Engel kommt nach Babylon
Wieprecht/Skuppin, Berliner populäre Irrtümer. Ein Lexikon
Aristoteles, Poetik [10]
Rolf Krauss, Jenseits von Licht und Schatten
Friedrich Dürrenmatt, Die Physiker
Friedrich Dürrenmatt, König Johann
William Shakespeare, Julius Caesar
Ingeborg Bachmann, Der Prinz von Homburg
Ingeborg Bachmann, Der junge Lord
Plutarch, Dion
ver.di, Schwarzbuch Lidl
Cornelius Nepos, Dion
Klaus Meister, Die sizilische Geschichte bei Diodor [20]
Platon, Der 7. Brief
Wolfgang Mühl-Benninghaus, Vom Augusterlebnis zur Ufa-Gründung
Aristophanes, Die Acharner
Helen Foley, Tragedy and Politics in Aristophanes Acharnians
Hans-Joachim Newiger, Aristophanes und die Alte Komödie
Victor Ehrenberg, Aristophanes und das Volk von Athen
Aristophanes, Die Ritter
Aristophanes, Die Wolken
Thomas Gelzer, Aristophanes. Komödie für den Demos
Hermann Lind, Der Gerber Kleon in den 'Rittern' des Aristophanes [30]
Walther Kraus, Aristophanes' politische Komödien
Peter v. Möllendorff, Aristophanes
Aristophanes, Die Wespen
Sergej Lukianenko, Wächter der Ewigkeit
Javier Marías, Mein Herz so weiß
Gershom Sholem, Walter Benjamin/Gershom Sholem: Briefwechsel 1933-1940
Robyn Young, Die Blutritter
Charlotte Kerr, Die Frau im roten Mantel
L. A. Seneca, De brevitate vitae
Sergej Lukianenko, Spektrum [40]
Sven Regener, Herr Lehmann
Lothar Gall, Bismarck und die Parteien
Dieter Langewiesche, Liberalismus in Deutschland
Heinz Wolter, Otto von Bismarck. Dokumente seines Lebens
Ekkehard Verchau, Otto von Bismarck
Oswald Spengler, Ich beneide jeden, der lebt. Die Aufzeichnungen 'Eis heauton' aus dem Nachlaß
Eva Douma, Stipendio. Der Stipendienführer
Wilbur Smith, Das Erbe des Magus
Christian Barsczewski/Hannelore Ragg, Traumberuf Buschpilot in Afrika
George Orwell, 1984 [50]
Edward Bernays, Propaganda. Die Kunst der PR
Eckhart Tolle, Eine neue Welt
Jochen Bleicken, Das Volkstribunat der klassischen Republik
Lukas Thommen, Das Volkstribunat in der späten römischen Republik
Cicero, De legibus/Über die Gesetze
Valerius Maximus, Sammlung merkwürdiger Reden und Taten
Plutarch, Tib. Gracchus, C. Gracchus, Cato minor
Velleius Paterculus, Historia Romana/Römische Geschichte  



19 Juli 2008 um 15:00 Uhr Kommentare (0)


Gelesene Bücher 2007

Peter Berling, Die Krone der Welt
Duff Cooper, Talleyrand
Stefan Zweig, Verwirrung der Gefühle
Stefan Zweig, Rausch der Verwandlung
Stefan Zweig, Praterfrühling
Lawrence Watt-Evans, Der Sommer der Drachen
Lawrence Watt-Evans, Die Drachenbrüder
Lawrence Watt-Evans, Der Drachenorden
Lawrence Watt-Evans, Angriff der Drachen
Neumann-Cosel/Rupp, Handbuch Wirtschaftsausschuss [10]
Harald Braem, Der Herr des Feuers
Jessica Durlacher, Die Tochter
Thomas Thiemeyer, Reptilia
William Shakespeare, König Lear
Albert Camus, Licht und Schatten
Maike Hallmann, Shadowrun. Pesadillas
Wilbur Smith, Der Stolz des Nubiers
Knut Faldbakken, Der Schneeprinz
Colette, Chéri
Michael Siefener, Nathaniel [20]
Ken Saro-Wiwa, Flammen der Hölle
Anthony Bourdain, Kleine Schweinereien
James Morrow, Das Gottesmahl
Anthony Bourdain, Mord nach Rezept
Michael Kirchschlager, Mörder, Räuber, Menschenfresser

Charles Bukowski, Aufzeichnungen eines Außenseiters
Peter Berling, Der Schwarze Kelch
Philipp Vandenberg, Der Gladiator
Charles Bukowski, Der Mann mit der Ledertasche
Sergej Lukianenko, Wächter des Tages [30]
Paul Ackermann, Bürgerhandbuch
Klaus-Peter Hufer, Argumente am Stammtisch
Emily Bronte, Sturmhöhen
Michael Baigent, Das Geheimnis der Templer
Diana Gabaldon, Die Hand des Teufels
Mascha Kaleko, Die paar leuchtenden Jahre
Marion Zimmer Bradley, Die Nebel von Avalon
Helene Hanff, Die Herzogin der Bloomsbury Street
Anne West, Gute Mädchen tun's im Bett - böse überall
Boris Akunin, Fandorin [40]
Siegfried Lenz, Der Geist der Mirabelle
Jack Kerouac, Allein auf einem Berggipfel
Boris Akunin, Fandorin: Türkisches Gambit
Patrick Redmond, Der Schützling
Kurt Tucholsky, Augen der Großstadt. Gedichte & Prosa
Siri Hustvedt, Was ich liebte
Ellis Peters Das Licht auf der Straße nach Woodstock
Fruttero & Lucentini, Der rätselhafte Sinn des Lebens
Amanda Lees, Alphamännchen sucht B-Körbchen
Auster/Cortanze, Die Einsamkeit des Labyrinths [50]
Schachspielen. Ein Leitfaden ...
Dieter Hildebrandt, Loch in Erde, Bronze rin ...
Robyn Young, Die Blutschrift
Herbert A. Löhlein, Handbuch Astrologie
Fjodor Dostojewski, Weiße Nächte
J. M. Coetzee, Schande
Antje Strubel, Kältere Schichten der Luft
Das kleine Buch der Freundschaft
Friedrich Dürrenmatt, Romulus der Große
Platon, Politeia [60]
Friedrich Dürrenmatt, Stranitzky und der Nationalheld
Friedrich Dürrenmatt, Nächtliches Gespräch mit einem verachteten Menschen
Friedrich Dürrenmatt, Der Meteor
Friedrich Dürrenmatt, Minotaurus
Ingeborg Bachmann, Dunkles zu sagen
Ingeborg Bachmann, Lieder auf der Flucht
Friedrich Dürrenmatt, Frank der Fünfte
Manfred Schmeling, Der labyrhintische Diskurs
Sigrid Weigel, Ingeborg Bachmann. Hinterlassenschaften unter Wahrung des Briefgeheimnisses
Hanns Eppelsheimer, Petrarca [70]
Hugo Friedrich, Epochen der italienischen Lyrik. Francesco Petrarca
Ingeborg Bachmann, Die Zikaden
Colum McCann, Der Tänzer
Friedrich Dürrenmatt, Die Panne. Eine Komödie
Ingeborg Bachmann, Der gute Gott von Manhattan
Friedrich Dürrenmatt. Die Panne. Eine noch mögliche Geschichte
Friedrich Dürrenmatt, Monstervortrag über Gerechtigkeit und Recht.
Helene Hanff, Briefe aus New York
Sergej Lukianenko, Wächter des Zwielichts
Daniel Weidner, Gershom Sholem [80]

19 Juli 2008 um 14:00 Uhr Kommentare (0)


Gelesene Bücher 2006

Fritz Zorn, Mars
Scott McBain, Der Mastercode
Bernhard Wördehoff, Picknick mit Eckermann
Doris Lessing, Rückkehr nach Afrika
Theodor Fontane, Cécile
Gerald Durrell, Nichts als Tiere im Kopf
Werner Bergengruen, Die drei Falken
Thomas R. P. Mielke, Attila
Andreas Franz, Die Bankerin
Asfa-Wossen Asserate, Manieren Hörbuch [10]
Herbert Rosendorfer, Briefe in die chinesische Vergangenheit
Paulo Coelho, Handbuch des Kriegers des Lichts
Christine Westermann, Ich glaube, er hat Schluss gemacht
Lutz van Dijk, Verdammt starke Liebe
Andreas Franz, Teuflisches Versprechen
Knut Hamsun, Mysterien Hörbuch
Hanswilhelm Haefs, Das dritte Handbuch des nutzlosen Wissens (HdnW III)
Anne Rice, Gespräch mit einem Vampir
Jane Campion, Das Piano (Drehbuch)
Raymond Khoury, Scriptum [20]
Vauvenargues (ed. Wolfgang Kraus), Große Gedanken entspringen im Herzen
Dee Brown, Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses
Arno Schmidt, Die Gelehrtenrepublik. Kurzroman aus den Roßbreiten
Truman Capote, Kaltblütig
Carson McCullers, Das Herz ist ein einsamer Jäger
Harold Brodkey, Eine nahezu klassische Story
Alessandro Baricco, City
Anthony Bourdain, So koche ich (in Les Halles)
Hans-Peter Rodenberg, Ernest Hemingway
Blaise Pascal, Wissen des Herzens [30]
Martina Schneider, Aldi. Welche Marke steckt dahinter?
Paulo Coelho, Veronika beschließt zu sterben
Giovanni Arpino, Der Duft der Frauen
Michael Kittner, Arbeits- und Sozialordnung
Werner König, dtv-Atlas zur deutschen Sprache
Mascha Kaléko, Das lyrische Stenogrammheft
Tom DeMarco, Der Termin
Theodor Fontane,Irrungen, Wirrungen
Mario Puzo, Der Pate
William S. Burroughs, Naked Lunch [40]
Paulo Coelho, Am Ufer der Rio Piedra saß ich und weinte
Molwanien
Stefan Zweig, Meistererzählungen
T. C. Boyle, Wassermusik
Edward Albee, Wer hat Angst vor Virginia Woolf ...?
Jean-Dominique Bauby, Schmetterling und Taucherglocke
Robert von Ranke Graves, Ich, Claudius, Kaiser und Gott
Sergej Lukianenko, Wächter der Nacht
Scott Cunningham, Das große Buch vom Weihrauch
Andreas Franz, Der Jäger [50]
Rita Monaldi/Francecso Sorti, Imprimatur
Ingeborg Bachmann, Das dreissigste Jahr
Wim Wenders/Peter Handke, Der Himmel über Berlin (Filmbuch)
Paul Watzlawick, Wie wirklich ist die Wirklichkeit?
Paulo Coelho, Auf dem Jakobsweg
Francois de la Rochefoucauld, Sätze aus der höhern Welt- und Menschenkunde
Louis Begley, Wie Max es sah
Michael Cordy, Lucifer
Hakan Nesser, Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod
Bogie. Das Humphrey Bogart Kultbuch [60]
Patrick Dunne, Die Keltennadel

19 Juli 2008 um 12:00 Uhr Kommentare (0)


Gelesene Bücher 2005

Tad Williams, Der Blumenkrieg
Dietrich Bode, Deutsche Gedichte. Eine Anthologie
Honoré des Balzac, Pierrette
Colleen McCullough, Caesars Frauen
Moderne Ernährungsmärchen
Dan Simmons, Ilium
Kathy Reichs, Totenmontag
Horst Jüssen, Ein Teufelskreis (nach 2/3 abgebrochen)
Joseph O'Connor, Inishowen Blues
Sten Nadolny, Die Entdeckung der Langsamkeit [10]
Helga Bemmann, Erich Kästner. Leben und Werk
Katharina Rutschky, Der Stadthund
Erich Kästner, Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke
Tad Williams, Die Insel des Magiers
Wilbur Smith, Adler über den Wolken
Kenneth Patchen, Die Erinnerungen eines schüchternen Pornografen
Patrick Süskind, Der Kontrabaß
Scott Turow, So wahr mir Geld helfe
Daniel Quinn, Ismaels Geheimnis
Montmartre, 45 Lithographien[20]
Carlos Mariá Dominguéz, Das Papierhaus
Stefan Zweig, Ungeduld des Herzens
Daniil Granin, Unser werter Roman Awdejewitsch
Hilary Norman, Grausames Spiel
Schulz v. Thun, Miteinander reden. Störungen und Klärungen
Francoise Sagan, Bonjour Tristesse
Heidemarie Schwermer, Das Sterntalerexperiment. Mein Leben ohne Geld
Alessandro Baricco, Seide
Fruttero/Lucentini, Die Sonntagsfrau
Peter Ustinov, Achtung! Vorurteile[30]
Bernhard Schlink, Der Vorleser
Fjodor M. Dostojewski, Erniedrigte und Beleidigte
Lutz van Dijk, Die Geschichte Afrikas
Alessandro Baricco, Novecento/
Helene Hanff, 84 Charing Cross Road

Simon Singh, Fermats letzter Satz
Stephen L. Carter, Schachmatt
Fjodor M. Dostojewski, Der Großinquisitor
Margit Schneemann, Nicht nur die Hoffnung ist grün
Jeannie Brewer, Ein Riss im im Himmel[40]
Patrick Süskind, Die Geschichte von Herrn Sommer
Patrick Redmond, Das Wunschspiel
Leo Perutz, Der Meister des Jüngsten Tages
Yasmina Reza, Eine Verzweiflung
Mitch Albom, Dienstags bei Morrie
Colleen McCullough, Die Macht und die Liebe/
Alain de Botton, Trost bei Liebeskummer

Tad Williams, Otherland, Bd. 1: Stadt der goldenen Schatten
Mario Adorf, Der Grenzgänger/Der weiße Anzug
Benoite Groult, Salz auf unserer Haut[50]
Günter Pursch, Parlamentarisches Schimpfbuch
Marie Luise Kaschnitz, Eisbären
Alice Walker, Die Farbe Lila
Manuel Gasser, Köchel- Verzeichnis
Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein
Max Barry, Logoland
Leonard Daventry, Das 21-milliardste Paradoxon
Bram Stoker, Dracula
Tad Williams, Otherland, Bd. 2: Fluß aus blauem Feuer
Tad Williams, Otherland Bd. 3: Berg aus schwarzem Glas[60]
Tad Williams, Otherland Bd. 4: Meer des silbernen Lichts
Anna Gavalda, Zusammen ist man weniger allein
Fee Zschocke, Er oder Ich
Farland/Folkenberg, Wie sie in 5 Tagen das Rauchen aufgeben
Anna Gavalda, Ich habe sie geliebt
Anna Gavalda, Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet
Kuki Gallmann, Die Nacht der Löwen
Harry Rowohlt, Der Kampf geht weiter
Oscar Wilde, Teleny
Gabriella Wollenhaupt, Grappa fängt Feuer[70]
Patricia Highsmith, Drei Katzengeschichten
Arthur Schopenhauer [ed. Franco Volpi], Die Kunst zu beleidigen
Frank Schätzing, Der Schwarm
George Orwell, Meistererzählungen
Andreas Franz, Jung. Blond. Tot
Andreas Franz, Mord auf Raten
Dagmar Trodler, Die Waldgräfin
Linda Jaivin, Sex, Space & Rock'n'Roll
Martin Scott, Zaubergiff
Louis de Bernières, Corellis Mandoline (nach der Hälfe abgebrochen)[80]
Chief Seattle, Wir sind ein Teil der Erde
Claudius Seidl u.a., Hier Spricht Berlin. Geschichten aus einer barbarischen Stadt
Stefan Zweig, Erstes Erlebnis
Andreas Franz, Das achte Opfer
Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker
Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray
F. M. Dostojewski, Arme Leute
Ken Follett, Die Pfeiler der Macht
Tad Williams, Der brennende Mann
Richard L. Byers, Zersetzung[90]
Wilbur Smith, Der Sonnenvogel
Tad Williams, Traumjäger und Goldpfote


19 Juli 2008 um 11:00 Uhr Kommentare (0)


Auf dem Abstellgleis Part II

Knallhart an der Realität der Deutschen Bahn - es geht weiter.

Nach dem aussagelosen Textbaustein-Schreiben der MSZ war ich gespannt, wer mir wann von "zuständiger Stelle" antworten würde. Am Vormittag des 15.07. dann flatterte mir eine Mail der Kontaktstelle für kundenbezogene Behindertenangelegenheiten (P.TVV 25) ins Postfach. P.TTV 25 nennt sich Rainer H. und schreibt:
Gern gebe ich Ihnen einige Hintergrundinformationen. Dabei möchte ich unterstreichen, dass wir uns der von Ihnen zitierten Aussage nach wie vor verpflichtet fühlen und den längst eingeleiteten Veränderungsprozess zu einem barrierefreien Angebot intensiv weitertreiben werden. Dann man los, denn wir haben "zwei grundsätzliche Missverständnisse" aufzuklären.

Nicht alle unserer 5400 Bahnhöfe sind von ihrer Infrastruktur her vollständig barrierefrei zugänglich. Hier besteht nach wie vor ein Investitionsstau, obwohl die Deutsche Bahn AG mit Unterstützung der Öffentlichen Hand massiv in die Modernisierung von Bahnhöfen investiert. Es ist leider nicht wirtschaftlich darstellbar, an allen Bahnhöfen, an denen die Zugänglichkeit nur mit Hilfe von Personal gewährleistet werden kann, dieses Personal über die gesamte Betriebszeit vorzuhalten. Deshalb sind wir gezwungen, die knappen Ressourcen möglichst effektiv einzusetzen und verbessern vorrangig die örtlichen und zeitlichen Bedarsschwerpunkte. Dies hat u. a. die Folge, dass an Bahnhöfen der Kategorie 2, zu der auch der Bahnhof Münster (Westf.) gehört, das Servicepersonal bis 22:30 Uhr eingesetzt wird. Unsere Planungen zielen allerdings darauf hin, zukünftig auch die Hilfeleistungen bei Zugverbindungen in Tagesrandlagen sicherzustellen. Wir gehen davon aus, diese Verbesserung spätestens im nächsten Jahr realisieren zu können.

Endlich weiß ich, wie viele Bahnhöfe die Deutsche Bahn hat, leider weiß ich nicht, wie viele der Kategorie 1, wo es vielleicht/vermutlich/möglicherweise auch nach 22:30 Service gibt. Wo das Missverständnis liegt, darüber denke ich noch heute nach. Doch es kommt ja noch mehr.

Die Hilfeleistungen die die DB Station&Service AG organisiert, können definitiv nur durch hierfür zugelassenes Personal erfolgen. Die Bedienung von technischen Einstiegshilfen für RollstuhlfahrerInnen oder die Begleitung über einen schienengleichen Übergang im Bahnhof erfordert bestimmte Einweisungen und Betriebliche Kenntnisse. Auch, wenn nach 22:30 Uhr andere MitarbeiterInnen, z. B. im Vertrieb oder bei der Abfertigung von Zügen oder der Bahnhofsreinigung anwesend sind, ist der Schluss unrichtig, dass lediglich der Wille fehle, die Hilfe durchzuführen. Die genannten Voraussetzungen sind im Interesse unserer Kunden und aus aufsichtsrechtlichen Gründen zu beachten. Ihre weitergehende Einschätzung lasse ich hier unkommentiert.

Das erinnert mich ein bißchen an den schlechten Witz: Wie viele Ostfriesen braucht man, um einen Hubschrauber zu fliegen? Zwei - einer hub/pt, einer schraubt. Bei der Deutschen Bahn gibt es also Mitarbeiter, die machen, was immer Mitarbeiter der Bahn machen (nicht am Gleis sein? spontan verschwinden? den Bahnhof putzen? keine Auskünfte erteilen?), und es gibt die, die eingewiesen und zugelassen sind für Hilfe für Behinderte.

Natürlich bin ich nicht so nonchalent wie P.TTV 25 und konnte mir, besonders auf die  folgenden Sätze, einen Kommentar nicht ersparen.
Die Leitung der Mobilitätsservice-Zentrale hat ausgeschlossen, dass die Aussage: "das müsse 3 Tage vorher angekündigt werden" von einer Mitarbeiterin stammt, zumal sie - wie oben beschrieben - nicht den tatsächlichen Regelungen entspricht. Für die von Ihnen beschriebene unfreundliche Behandlung seitens eines Mitarbeiters in Münster kann ich nur um Entschuldigung bitten. Da mir konkrete Angaben fehlen, kann ich den Mitarbeiter leider nicht befragen lassen.

Ich frage mich, ob Rainer H. die Implikationen dieses Satz bewusst in Kauf genommen oder sich nur unglücklich ausgedrückt hat. Denn konsequenterweise bedeutet er, dass ich entweder die Unwahrheit geschrieben habe oder ein sehr, sehr großes kommunikatives Missverständnis stattgefunden haben muss. Ein Leben nach dem Satz "was nicht sein kann, das nicht sein darf" ist sicherlich eine gute Maxime, um Kunden ruhig zu stellen. Erstaunlicherweise steht z. B. in der Straßenverkehrsordnung, dass Hupen, außer in Gefahrenfällen, verboten ist; trotzdem wird auf deutschen Straßen gehupt. Nach Bahn-Logik kann dies nicht sein, da es "nicht den tatsächlichen Regelungen entspricht."
Leider kann ich keine "konkreten Angaben" zum Mitarbeiter des Hbf Münster machen, der sich systemisch an die Vorgaben Ihres Unternehmens hält, somit erwarte ich auch nicht, dass man eine Befragung durchführt. Vielleicht ergreift die Bahn jedoch die Gelegenheit beim Schopf und investiert in die Schulung ihrer Mitarbeiter vor Ort unter den Schlagworten "Freundlichkeit", "Kundenorientierung" und "Wording".

Schließlich blieb mir nur zu sagen: Natürlich werden wir weiterhin die Deutsche Bahn und - im Falle einer Behinderung - die MSZ nutzen; da es nur die Deutsche Bahn im schienengebundenen Fernverkehr als Monopolisten gibt, bleibt uns ja auch keine andere Möglichkeit.



19 Juli 2008 um 10:55 Uhr Kommentare (0)


Auf dem Abstellgleis

Die Deutsche Bahn ist immer wieder ein Thema, meist, weil die Züge zu spät kommen, gar nicht kommen oder der "Kundenservice" ein leeres Wort ist. Heute allerdings kann ich von einem Vorfall berichten, der nicht nur fast unglaublich ist, sondern an der Bahn überhaupt und den Mitarbeitern im besonderen zweifeln lässt.

Menschen mit Behinderungen stellen für die Deutsche Bahn AG eine bedeutende Kunden- und damit Zielgruppe dar, deren spezifische Bedürfnisse bei der strategischen Ausrichtung, der Produktentwicklung und Serviceimplementierung jetzt und in Zukunft grundsätzlich berücksichtigt werden, heißt es bei der Deutschen Bahn. Leider klafft zwischen dem hehren Anspruch und der Wirklichkeit eine immense Lücke, die kein Behinderter überschreiten kann. Was ist passiert?

Mein Freund H. wollte am Montag, 07.07.08, mit dem IC von Hamburg nach Münster fahren, Ankunft an Münster 22:59 Uhr. Er kann zwar mit Hilfe wenige Schritte gehen und stehen, ist darüber hinaus auf den Rollstuhl angewiesen.
Um in Münster aus dem Zug zu kommen, wandte er sich um kurz nach 08:00 Uhr am selben Tag an den Service für mobilitätseingeschränkte Reisende. Auf der Homepage heißt es: "Bitte geben Sie uns aber mindestens 24 Stunden Zeit" - es waren in diesem Falle 16 Stunden, doch die Auskunft der MSZ war, man könne ihm nicht helfen, das müsse drei Tage vorher angekündigt werden. Auf Nachfrage, wie dies zu machen sei, wenn man relativ kurzfristig reise, hieß es, ein Behinderter müsse halt länger vorher planen, und verwies auf den Bahnhof und "Selbstorganisation".

Ein Anruf unter der angegebenen Nummer am Hbf Münster war noch katastrophaler. Der Mitarbeiter der Deutschen Bahn konnte und wollte nicht helfen, da um 22:30 Uhr Bahnsteigschluss sei und dann niemand mehr da - 29 Minuten nach diesem unverständlichen Bahnsteigschluss gebe es keine Möglichkeit, einem behinderten Reisenden Hilfe zu leisten. Dieser solle das halt selbst organisieren, doch beachten, dass es nur Lastenaufzüge gebe, die nicht genutzt mehr genutzt werden könnten, weil eben keiner mehr da sei.

Verlassen alle (!) Mitarbeiter der Deutschen Bahn um 22:30 Uhr den Bahnhof und verschließen den Bahnsteig - wer fertigt dann die Züge ab? Soll der Rollstuhlfahrer mit dem IC weiterfahren, bis irgend ein Bahnsteig wieder "offen" hat für ihn? Und sollte er auf den Bahnsteig gelangen, soll er dann dort bis zum nächsten Morgen warten, bis jemand so gnädig ist, den Lastenaufzug zu bedienen?
Letzten Endes hat es H. selbst organisiert und mit Hilfe eines Freundes sowohl den IC als auch den Bahnsteig verlassen können. Was jedoch, wenn man in der Stadt, in die man reist, niemanden kennt oder einen Elektrorollstuhl hat, der ohne Rampe und Aufzug nicht bewegt werden kann?

Und wieso ist es Luftfahrtunternehmen wie z. B. Air Berlin möglich, an einem Flughafen innerhalb von 45 min. für Hilfe beim Ein- und Aussteigen zu sorgen, der Deutschen Bahn aber nicht einmal innerhalb von 24 Stunden?
Ich habe die furchtbare Vermutung, dass es sich dabei nicht um Unvermögen, sondern, allen schönen Pressemeldungen und Programmen zum Trotz, um Unwillen handelt. Gerne hätte ich die Bahn als Konzern dazu befragt, doch auf der Kontaktseite heißt es lapidar:
Bitte beachten Sie: Wir beantworten an dieser Stelle keine Anfragen zu Fahrpreisen, Tarifen, der BahnCard oder Fahrplänen. Das gilt gleichermaßen auch für Anregungen oder Beschwerden zum Personenverkehr.

Also schrieb ich an die MSZ, die Landesbehindertenbeauftragte, den Deutsche Behindertenrat und die Behindertenbeauftragte der Stadt Münster. Bereits nach wenigen Stunden hatte ich zwei Antworten, einmal von der Bahn, einmal von Frau Rüter aus Münster.
Die Bahn schreibt, was sie schreibt: Ihr Schreiben haben wir zur weiteren Bearbeitung an die zuständigen Stellen übergeben. Wir entschuldigen uns für die Ihnen entstandenen Unannehmlichkeiten und hoffen, dass Sie auch zukünftig unseren Service in Anspruch nehmen. Na sicher, gerne doch.
Frau Rüter hingegen ist aktiv geworden: ... ich habe zu Ihrem Anliegen gerade mit einem Mitarbeiter des Hauptbahnhofs Münster gesprochen und möchte morgen noch mit der Bahnhofsmission Münster sprechen. Ich schlage vor, dass wir danach telefonieren.

Dies haben wir heute getan. Die Problematik - ich würde eher sagen: der Skandal - ist ihr bekannt, sie hat schon öfter versucht, mit dem Bahnhof Münster eine Verbesserung zu erreichen, doch auch ihr sagte man im Telefonat: 22:30 Uhr ist Schluss, da können wir nix machen. Die Bahnhofsmission will eine mögliche Hilfestellung demnächst besprechen und wird die Behindertenbeauftragte auf dem Laufenden halten.
Da kommt mir der Kaffee hoch. Ehrenamtliche springen für das Unternehmen Bahn in die Bresche, weil es einer der größten deutschen Konzerne nicht schafft, kundenfreundlich und menschlich zu sein! Das ist widerlich. Den Mitarbeitern der Bahnhofsmission und Frau Rüter meinen herzlichen Dank für ihr Engagement, ihre schnelle Rückmeldung und ihre Willen zu helfen. Die Bahn unterdessen sitzt auf ihrem Ross und spuckt auf ihre Kunden, die Bahn diskriminiert Behinderte und suhlt sich in Nullphrasen und zeigt nicht einmal den Ansatz von Verständnis, geschweige denn von Hilfsbereitschaft.

Wir bleiben dran und werden weiter berichten.



10 Juli 2008 um 11:05 Uhr Kommentare (1)


Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss

Sonntag, kurz nach 22:30 Uhr, war der Spaß dann vorbei: „wir" haben gegen die Spanier verloren, „wir" sind nicht Europameister. Erstaunlicherweise dreht sich die Erde weiter, die Sonne ist heute Morgen aufgegangen und kein apokalyptischer Reiter ließ sich blicken.
Das überrascht, könnte man, anhand der Bilder nach dem Spiel, meinen, dass die Sieger die Welt gerettet und die zweiten Sieger alles - inklusive des Lebens - verloren hätten. Dass immer nur einer gewinnen kann (und mithin einer verlieren muss), scheint kurz- bis mittelfristig in Vergessenheit zu geraten.

Da Deutschland nur aus Bundestrainern besteht, die jahrelange Spielerfahrung und die Lizenz zum Besserwissen haben, ließen Kritiken an der Nationalmannschaft (erstaunlicherweise nicht mehr an „uns", denn „wir" gewinnen, aber „die" verlieren) nicht lange auf sich warten. Den Vogel schießt der Tagesspiegel ab, sowohl Beitrag als auch Kommentare sind in ihrer destruktiven Schlichtheit top of the list. Das kann nicht mal meine Lieblingszeitung Bild überbieten, da heißt es nur dramatisch: Aber Ballack lief auf, kämpfte, blutete - und verlor.
Auch nicht übel ist, was die FR zu bieten hat: bewerten Sie die Spieler mit Schulnoten. Unterdessen weiß die Welt bereits, woran es gelegen haben muss - an Ballacks Wade (hatten wir das nicht schon mal?).

Ich halte es da eher mit der alten Weisheit: der Ball ist rund, ein Spiel dauert neunzig Minuten und die einzigen, die wissen, wie man richtig spielt, sitzen leider auf der Pressetribüne. Fortsetzung folgt 2010 oder so.



01 Juli 2008 um 07:40 Uhr Kommentare (1)


Hass'te wat dagegen?

Don't judge a book by its cover.I'm not much of a man by the light of day. But by night I'm one hell of a lover .

Und ist die Nacht erst wieder vorbei, zeigt der nächste Morgen die Gemeinheiten des Lebens. Das gilt, in leicht modifizierter Form, auch für den CSD. Waren gestern die Straßen noch voll von demonstrierenden, schrillen, durchschnittlichen, extraordinären, voyeuristischen, exhibitionistischen Schwulen, Lesben und "Besuchern", so sind heute nur die BSR und Leergutsammler damit beschäftigt, die üppigen Reste zu beseitigen. Also: was war? Wie war es?

Das Motto des diesjährigen Zuges lautete: Hass du was dagegen?, was in meinem Augen so unkreativ wie sprachlich grenzwertig ist. Aber vielleicht haben die Veranstalter in dem Punkte recht, dass nach einer Zeit der Toleranz und des Lustigseins nun eine Zeit der zunehmenden Diskriminierung beginnt und somit gelten sollte: wehret den Anfängen. Nur schafft man das mit einem bunten Zug durch die halbe Mitte?

Was ich in letztem Jahr geschrieben haben, gilt um so mehr für dieses Jahr; und ich bin eitel genug, mich selbst zu zitieren:
Was ist nun der CSD? Kunst? Kultur? Kommerz? Karneval? Politisches Statement? Protest? Massenorgie? Fleischbeschau? Vielleicht ein bißchen von allem.
Betonen möchte ich den kommerziellen Aspekt, es gab viele, sehr viele Wagen, deren einziger Sinn eine große Werbefläche war - Berlin CityTours proudly presents ...

Zu ergänzen wäre mäklerisch, dass ich dieses Mal den verstärkten Eindruck hatte, für das Gros der heterosexuellen Besucher sei es ein Ersatz für den Besuch im Zoo - alles so schön bunt hier, lass uns gaffen ... Wie auch nicht?

Bunt war es, zu schauen gab es eine Menge:

oder

und schließlich als Resultat eines langen Tages:

Insgesamt war weniger los als im Vorjahr, was der neuen Route geschuldet sein mag. Die Potsdamer Str. runter und Bülowstr. rauf bietet nun mal weniger als vom Potsdamer Platz übers Brandenburger Tor; die EM-Fanmeile fordert von allen ihren Tribut.
Ein wenig gelangweilt, ein wenig genervt, ein wenig enttäuscht machte ich mich auf den Heimweg, nachdem die so called "Abschlusskundgebung" mit dem üblichen Schwachsinn begann und sich konsequent zu verbaler Inkontinenz entwickelte. Wir feiern uns selbst und klagen zugleich darüber, dass wir nicht ernst genommen werden. Sieht da wer einen Widerspruch?

Ultima ratio: es liegt nicht an den anderen, es liegt an einem selbst. Diese Quasi-Erkenntnis beschleicht mich immer wieder. Immer bleibt einem die Möglichkeit, dem Leben zu entsagen, aber nie hat man die Möglichkeit, dem Verstand zu entsagen. Man kann ihn in Alkohol ertränken, ihn mit Drogen betäuben, verrückt werden oder das Nirwana erlangen.
Anders gesagt: Der Alltag wird nur durch Wunder erträglich. Und sind wir ehrlich: dass ein paar Tausend Menschen sich an einem Tag völlig frei, unbehelligt und hemmungslos bewegen dürfen, grenzt an ein Wunder, das vor 30 Jahren kaum möglich schien. In diesem Sinne bis zum nächsten Jahr (auf dem CSD) und demnächst (an dieser Stelle).



29 Juni 2008 um 11:35 Uhr Kommentare (0)


Vorwarnung!

Achtung, verehrte Leserin, geschätzter Leser, es geht wieder los. Verlassen Sie nicht das Haus, wenn Sie für die offensichtliche Darstellung von Sexualität zu schwache Nerven haben. Genauer gesagt: für die offensichtliche Darstellung nicht-heterosexueller Sexualität. Denn es ist wieder CSD in Berlin. Natürlich kann man das auch politisch sehen, doch ich will heute mal nicht politisch sein. Also sagen wir einfach: Lesben & Schwule feiern nen bisken ab. So oder so und sowieso.

Der Tagesspiegel hat festgestellt, dass immer mehr Heten kommen, um entweder Schwule & Lesben zu gucken oder mitzumachen. Die erhellende Antwort auf die Frage nach dem "Warum?" finden Sie hier. Und bald an dieser Stelle einen journalistisch wertvollen Bericht zum Treiben, denn natürlich bin ich dabei.

Deshalb zum Auftakt etwas ärztlich Hilfreiches:
Lass die Leute reden und lächle einfach mild,
Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild.
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht,
aus: Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht!

(interessante Zusammenstellung des Clips übrigens).

Man sieht sich - nur nicht schüchtern sein.



27 Juni 2008 um 19:40 Uhr Kommentare (1)


Wer leckt was?

Sollte sich nun jemand auf einen pornografischen Eintrag freuen, muss ich ihn enttäuschen. Es geht - um Eis.

In der SZ fand ich einen wunderbaren Artikel von Kurt Kister, den ich dem gespannten Publikum nicht vorenthalten möchte. Unsere eifrigen Marktforschungs- und Umfrageinstitute haben herausgefunden, dass es einen Zusammenhang zwischen der bevorzugten Partei und dem vornehmlich ge(sch)leckten Eis gibt. Die Rechten und die Linken mögen Vanille, die Grünen und die Gelben Schoko. Das sind endlich mal Dinge, die der mündige Bürger wissen wollte.
Demgemäß schreibt Herr Kister:
Zur Linkspartei passt Vanille, weil jene Eiskonsumenten, die all den exotischen, ausländischen Sorten ("strawberry toeloop candybar") misstrauen, eben gern zu Vanille greifen, schon weil einem das als Erstes einfällt. Bei der Linkspartei gilt politisch wie speiseeismäßig: Was der Sozialist nicht kennt, das mag er nicht - Europa, Stracciatella, Nato, Caramel.
Wer mehr lesen will, wird hier fündig. Ich selber mag eigentlich kein Eis - was bedeutet das nun wieder? Antworten erhofft.



20 Juni 2008 um 19:55 Uhr Kommentare (1)


Monsterwelse im Grunewaldsee!

Sonntags ist meist Grunewald-Tag: mit den Hunden früh raus, spazieren gehen, Kaffee trinken, entspannen. Heute war's mit dem Entspannen schwer, denn das warme Wetter - wir ahnten und fürchteten es schon - treibt die Menschen zu seltsamen Taten.So ist eine Ecke des Sees, an der Hunde und Kinder im Wasser tollen, nun von Menschen entdeckt worden, denen es so heiß ist, dass sie gar nichts mehr tragen können, außer ihrer nackten, weißen Haut - und diese zum Markte.
Nun möge sich derjenige der Ganzkörperbräune erfreuen, der dies mag, aber bitte an einem FKK-Strand. Und vielleicht sollte man so viel Körpergefühl und Anstand besitzen, an einem belebten Platze darauf zu verzichten, wenn der Körperumfang sich zur Körpergröße exponentiell verhält. Will sagen: wer vor lauter Brust und Bauch kaum mehr ohne Hilfe stehen kann, muss in meinen Augen nicht genau das der breiten Öffentlichkeit präsentieren und sich wie ein gestrandeter Wal ins Wasser schleppen ... Vielleicht erklärt das die wundersame Entdeckung, von der die B.Z. zu berichten wusste?

Man mag mir entgegen halten, dass niemand genötigt ist hinzuschauen. Doch wie war das mit dem Autounfall? Man will nicht hinsehen, man muss. Der eine nennt es Freiheit, ich nenne es ästhetische Belästigung und Geschmacksver(w)irrung.

08 Juni 2008 um 15:00 Uhr Kommentare (0)


Kleckern statt klotzen!

Ich bin sicher wieder spät dran, doch man kann ja nicht alles mitbekommen. Ein Artikel im SZ-Magazin präsentierte als Zeichen der Zeit die Kotztierchen.
Ich finde, das ist ein Supergeschenk für Leute wie mich, die sich gerne mal bekleckern. Völlig überflüssig, sinnfrei, unbenutzbar, viel zu teuer ... Doch besser zumindest als ein Schal im Sommer (übrigens gibt's die Kotzetiere auch in blau).

06 Juni 2008 um 18:15 Uhr Kommentare (2)


Tod mit Trekkingsandale

Berlin ist die Stadt der Superlativen - in jeder Hinsicht. Ganz aktuell haben wir die gefährlichste U-Bahn im Angebot; der Titel kommt in diesem Jahr der U7 zu, die damit die altgediente Meisterin U8 ablöst.

Dem Kommentar stimme ich als alte Law-and-Order-Sau natürlich zu und schlage Herrn Maroldt als neuen (und ersten) Alleskontrolleur für die BVG vor - einer muss ja anfangen. Vielleicht könnte er bei der Gelegenheit auch alle Fahrgäste mit Trekkingsandalen aus'm Zug schmeißen, die haben inzwischen meine Flip-Flop-Aversion abgelöst und auf den zweiten Platz verwiesen. Man darf gespannt sein, was der Sommer noch so bringt ...



05 Juni 2008 um 09:20 Uhr Kommentare (0)


Wie sommerlich ist blau?

Aus unserer beliebten, noch nicht eröffenteten Kategorie: Overheard in the U-Bahn eine weitere Kuriosität.

Gestern in der U8 zwischen Alex und Kotti. Zwei sehr schicke, sehr körperbewusste und -betonte Herren haben einen Disput. Das fällt normalerweise nicht weiter auf. In diesem Fall schon, denn es ging um zwei Fragen:
1. Wie sommerlich kann blau sein?
2: Kann ein Schal in blau in Sommer getragen werden?
Man sieht, dass beide Fragen unbedingt zusammenhängen und recht existenzialistisch sind. Genau so gingen die beiden das auch an: der eine hängte dem anderen einen blauen Schal in verschiedenen Variationen um den Hals, um festzustellen, dass das doch total sommerlich sei, unterdessen der andere sich zierte und pikiert ablehnte, da sein T-Shirt (blau) nicht zum Schal (blau) passe ...

Leider fand sich bis zum Kotti keine einvernehmliche Lösung - ich fürchte, wir sehen bald Menschen, die bei 32 Grad einen Schal tragen. Im Übrigen war das blau hässlich und das T-Shirt noch viel mehr (wer trägt denn eines mit großem V-Ausschnitt?!); minus mal minus = ... ?



04 Juni 2008 um 09:30 Uhr Kommentare (0)


12 mal irgendwas

Macht dann in der Summe ein Jahr. Heute vor einem Jahr um kurz nach 19:00 Uhr (ich hab's nachgeschaut, so was weiß ich nun wirklich nicht) habe ich den ersten Eintrag gemacht und ein/en Blog gestartet, von dem ich nicht wusste, ob & wie ich es mache.
Knapp 100 Einträge weiter, nach 21.400 Seitenaufrufen und um die 8.000 Besuchern bin ich nicht so viel schlauer, zwischen alltäglichem Wahnsinn und hochpolitischem kommt alles vor. Mal schauen, wie es weitergeht.

Um an die good old days anzuknüpfen, heute einmal mehr: Bologna. Da fand ich doch gleich zwei interessante Artikel in den APuZ, und zwar in Heft 20 und 21.
In 20/2008 sagen in einem Gespräch zu 1968 in Prag Manfred Hettling und Klaus Tanner:
Die These dazu [zwischen Wissenschaft und politischen Versuchungen, AdV] lautet, dass wir auch in unserer Universitätsverwaltung im Spätsozialismus leben. Die ganzen Programme der Evaluierung leben von der Fiktion der Planbarkeit. Jeder Student muss elektronisch erfasst werden - Stud.IP heißt das bei uns [Uni Halle-Wittenberg, AdV] -, es muss die Anwesenheit kontrolliert werden, alle Daten werden zusammengeführt. Die Effektivität der Lehre wird auf viele Stellen hinter dem Komma berechnet. Das ist die Lehrleistung, heißt es dann. Darauf baut die moderne universitäre Planwirtschaft auf, dabei erfriert auch so manches.

In 21/2008 geht Hauke Brunkhorst die Sache noch direkter an im Rahmen einer Kritik an der Ent-Solidarisierung der neuen Klassen:
Nehmen wir ein harmloses Beispiel aus dem Hochschulalltag. MA, BA, Akkreditierungskommissionen, Evaluierungen, ECTS-Punkte, Vernichtung akademischer Arbeitszeit für Verwaltungstätigkeiten, für die Professoren, Assistenten usw. nicht qualifiziert sind, geschweige denn bezahlt würden, Hochschulräte, in denen die landesüblichen Unternehmer mit Sitz und Stimme vertreten sind, kurz: der Bologna-Prozess.
In dieser oberitalienischen Stadt haben sich Minister, Staatssekretäre [...], die Gesandtschaft des Bertelsmannkonzerns, eines schönen Tages ohne Organkompetenz, informell und völlig legal getroffen [...] und der Öffentlichkeit auf der anschließenden Pressekonferenz ein Ergebnisprotokoll präsentiert: ein Protokoll ohne Rechtsverbindlichkeit, keinen völkerrechtliche bindenden Vertrag, [...], kein europäisches Gesetz, keine Verordnung, nicht einmal eine unverbindliche Empfehlung [...], bestenfalls [ein] institutionell ortloses soft law. Aber das hat es in sich. [...]. Es wird in ganz Europa klag- und diskussionslos umgesetzt.



30 Mai 2008 um 08:10 Uhr Kommentare (0)


Mir schwant das was ...

Ja, ja, ja, ich gebe es zu: Das ist ein plattes Wortspiel. Aber wenn die Karikaturisten, die immerhin dafür bezahlt werden, inflationär Schwäne zeichnen, darf ich mich auch - wenigstens schriftlich - darin suhlen.

Wir haben da also einen Herrn Horst Köhler, seines Zeichens Bundespräsident, der nach langem, quälendem Nachdenken sich durchringen konnte, eine zweite Amtszeit zu ertragen; und wir haben eine Frau Gesine Schwan, ihres Zeichens Präsident der Viadrina FFO, die zum zweiten Male gegen besagten Herrn Köhler in der Wahl zum Amte antreten will. Das führt zu einem Rauschen im Blätterwald und zu vielen Shauris in sog. Diskussionsrunden.
Der Frühstücksdirektor ... äh ... Bundespräsi wird von der Bundesversammlung gewählt, darin sitzen, neben den Damen & Herren von SPD und CDU, auch Vertreter der Bündnisgrünen, [ed.]der F.D.P.[/ed.], der Linken und der Rechten. Das ist an sich schon böse, denn Demokratie scheint nicht zu heißen, dass es demokratisch zugeht, sondern dass nur Parteien gewählt werden, die den anderen Parteien genehm sind.
Noch böser ist, dass Frau Schwan sich auch von den Linken wählen lassen würde (was keiner prüfen kann, da die Herrschaften geheim wählen).

Wir lesen:
SPD-Satire oder gar Kooperation mit der SED-Nachfolgepartei.
Lautes Nachdenken über weitere Optionen.
Zeichen der Zeit.

Gleichzeitig wollen "die Deutschen" Horst Köhler als Präsi. Sagen die Meinungsforscher-macher-auswerter.

Im Grunde ist es völlig egal, wen "die Deutschen" in diesem wunderbar repräsentativen Amte haben wollen, denn zu wählen haben sie gar nix. Und da ist es wieder, das komische Wort vom wählen. Ich frage mich, wieso es Bundespräsidentenwahl heißt, wenn es - nach Ansicht mancher - nicht mehr als einen Kandidaten geben darf? Wäre dann nicht Ernennung das treffendere Wort für dieses Verfahren?

Mir schwant damit Folgendes: In der Bundesversammlung sitzen 1.205 Wahlmänner und -frauen. Vor der Wahl geht die SPD rum und schmeichelt um Stimmen für Frau Schwan, während die CDU umherschleicht und das rote Schreckgespenst auf jeden Wahlzettel malt. Daraufhin kommt es zu drei Wahlgängen und Ende ist einer/eine Bundespräsi. Wie immer. Und die Republik ist nicht untergegangen. Das ist auch gut so, denn es heißt da wörtlich:
Die Wahl des Bundespräsidenten findet geheim und ohne vorherige Aussprache statt. Wer hätte das gedacht?!



29 Mai 2008 um 09:50 Uhr Kommentare (2)


Summer in the city

Nein, keine Sorge, ich werde heute und an dieser Stelle nicht schon wieder über die Touristen im Berliner Sommer lamentieren. Ich werde viel allgemeiner über Menschen lamentieren. Und das ist was völlig anderes ...

Sobald die 10-Grad-Marke erreicht wird und die ersten Sonnenstrahlen den Tag erhellen, kennt der Berliner keine Gnade und eröffnet die Freiluftsaison. Wo ich noch mit der Jacke auf der Bank sitze, haben andere bereits den Rasen mit Decke und ohne Pullover erobert.
Fällt erst die 15-Grad-Marke, ist es definitiv Sommer, also Zeit für luftige Kleidung. Das heißt wenigstens ein kurzärmeliges Hemd bzw. eine Bluse, bei ganz tapferen schon eine halbkurze Hose - und die Sonnenbrille im Gesicht fest geschweißt.
Ab 20 Grad beginnt die Hochsommer-mir-ist-total-warm-Saison. Daraus folgt, dass manN und frau sich am liebsten jedes Kleidungsstücks entledigen würden, mindestens aber ganz ärmel- und kniefrei tragen und - mein ganz persönlicher kleiner Tod - Flipflops an den Füßen.

Ich hasse sie! Die Dinger sind hässlich und machen ein Mordsspektakel, darüber hinaus bereichern sie vermutlich die versammelte Zunft der Orthopäden. Doch nicht nur dass, was in den Teilen steckt, ist oft noch schlimmer als das außen herum. An weiße Ärmchen, fellartige Zonen unter den Armen oder auf der Heldenbrust, an hässliche Knie und dicke Unterschenkel, an all das habe ich mich gewöhnt, aber wenn ich sehe, was sich barfuß in die Welt wagt und dieser zumutet, wird mir teils übel.
Ich bemühe mich schon, jedes schlappende, schlürfende Geräusch zu ignorieren, um nicht in die Falle zu laufen und Füße zu sehen. Dem geneigten Leser und der verehrten Leserin erspare ich hier Details, es ist nicht tout à gout, es ist in zahlreichen Fällen degoutant.
Der Fairness halber sei erwähnt, dass es auch schöne und gepflegte Füße gibt - von 100 Schlabbersandalen vielleicht bei 5 oder 6 Trägerinnen und Trägern. Oder ich habe einfach Pech und erblicke stets nur das Anstoß erregende.

So warte ich denn auf die heiße Phase II, wenn aus Kniehosen Kürzest-Hosen werden und ohne oben ohne nix mehr geht. Heiß!



23 Mai 2008 um 08:00 Uhr Kommentare (2)


Burn Berlin?

Die Kreativität des Regierenden und des Senats hat sich mit der be.berlin - Kampagne weitestgehend erschöpft. Während auf allen offiziellen Schreiben Berlin nun auf dem Umschlag und im Briefkopf eben jenes be Berlin prangt, sind die U-Bahn-Stationen und Litfaßsäulen zugekleistert mit sei.berlin-Plakaten.

Mir scheint der Slogan burn.berlin zur Zeit besser zu passen. Letzte Woche brannte ein Altpapierlager ein paar Straßen weiter aus, am Montag hat es Philharmonie erwischt, heute Nacht ein Reifenlager. Von den vielen kleinen und gezählten Haus-, Dachstuhl- oder Garagenbränden nicht zu reden. Was ist nur los in dieser Stadt? Waldbrände könnte ich ja noch verstehen, doch das?

Und gerade lese ich im Newsticker, dass auch das KaDeWe heute Nacht sein Aussehen verändert hat - nun ist es grün. Das ist doch die Hoffnung ...



22 Mai 2008 um 08:50 Uhr Kommentare (0)


Erwachen am Dienstag

Als ich heute Morgen an Bismarck und den Parteien arbeitete, klopfte es zaghaft an der Tür. Davor standen zwei junge Damen, die sagten, sie wollten mal mit den Bewohnern des Hauses über die Umweltverschmutzung, den Klimawandel und Müllvermeidung reden. Ah ha, dachte ich, die sind vom BSR oder BUND oder Greenpeace.

Nein, weit gefehlt, wie sich nach mehrmaligem Nachfragen herausstellte, waren sie von den Zeugen Jehovas. Die haben wohl neue Anlaber-Seminare im Angebot und testen, wie man am besten harmlose Menschen von den "letzten Tagen der Welt" überzeugt (und natürlich von den Zeugen selber).
Da ich weder an Jehova noch am Ende der Welt Interesse hatte, habe ich ihnen vorgeschlagen, uns über Bismarck zu unterhalten, dies sei mein Thema zur Zeit und total spannend. Erstaunlicherweise konnten sie wenig dazu beitragen und gingen dann auch mal, nicht ohne mir zwei hübsche Ausgaben von Erwachet! und Der Wachturm dazulassen.

Ich mag die Dinger ja, sie haben so putzig gemalte und gestellte Bilder, eine Mischung aus naiver Kunst und schlechter Fotoreportage. Die Hauptstories sind - Überraschung! - das Ende der Welt (kommt bald, kommt eigentlich schon seit Jahren "bald" und wir müssen uns vorbereiten, um zu den Guten zu gehören) und Kinder erziehen in einer allzu liberalen Gesellschaft. Besonders der Artikel hat es mir angetan, kann man darin Perlen der Aufgeklärtheit lesen wie:
Gute Eltern sind ebenfalls darauf bedacht, ihre Kinder vor den Gefahren der heutigen verkommenen [sic!] Welt zu schützen. [...]. Kluge Eltern nehmen folgenden Grundsatz ernst: "Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Angewohnheiten" (1. Korinther 15:33). Kinder vor dem Umgang mit Personen zu schützen, die keine Achtung vor biblischen Moralbegriffen haben, kann ihnen vieles ersparen, was sie teuer zu stehen oder gar das Leben kosten kann [sic!].

Merke: Meine Eltern haben anscheinend voll versagt und ich esse zum Frühstück kleine Kinder. Wie Bismarck. Ein bißchen.



13 Mai 2008 um 13:50 Uhr Kommentare (0)


Ist es schon wieder soweit?

Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle fast zum ersten Mal gebloggt - zum Karneval der Kulturen. So muss ich feststellen, dass die Zeiten der Jungfräulichkeit vorbei sind und das Einjährige sich mit schnellem Schritte nähert.

Denn an diesem Wochenende, zusammen mit Pfingsten und dem Tag der offenen Autobahn ist erneut der KdK. Ich werde mich gleich mal zum Hermannplatz aufmachen und mit den Zug anschauen. Mehr davon an geeigneter Stelle.



09 Mai 2008 um 07:55 Uhr Kommentare (0)


Die Wissenschaft hat festgestellt

Die Zahl der Drogentoten steigt erstmals seit Jahren wieder. Noch ein Trend beunruhigt: Statt zu Cannabis greifen die Menschen lieber zu legalen Drogen wie Alkopops oder Bier. So und ähnlich las man am Dienstag in Deutschlands Zeitungen, u. a. in der Berliner.

Was für eine Überraschung! Jahrelang wird das Rauchen herauf und herab als das Übel schlechthin dargestellt, jahrelang ist ein "Bierchen zum Feierabend" völlig normal, keinesfalls bedenklich und gesellschaftlich akzeptiert - teils sogar erwünscht. Und nun stellt die Drogenbeauftragte fest, dass 9,5 Millionen Deutsche in riskanter Weise Alkohol konsumieren, darunter auch Jugendliche von 12 bis 17.

Die "Lösung" ist ebenso dumm wie das Lamento: Sie vertraue auf eine bessere Selbstkontrolle der Alkoholwerbung. Na Gottseidank, wenigstens kann man sich auf die Alk-Lobby verlassen. Warnhinweise auf Flaschen sind da völlig überflüssig, denn es geht ja um präventive Maßnahmen. Also doch kein Sponsoring von Fußballmannschaften mehr? Keine Ballprofis, die sich ne Kanne Bier in den Hals schütten vor 20 Uhr? Oder wie darf man sich das vorstellen?
Andererseits gilt es einzuräumen, dass die Zeiten der Prohibition nichts gebracht haben, es wurde fast mehr gesoffen als zuvor. Was tun? Zum mindesten kann man feststellen, dass alle staatliche Regulierung (oder der Wunsch danach) wenig bis nichts bringt; wenn die Menschen trinken wollen, trinken sie, wenn sie rauchen wollen, rauchen sie, wenn sie kiffen wollen, kiffen sie. Letztens Ende scheint es nur über den Geldbeutel zu gehen, kostet die Flasche Bier 2 EUR, die Flasche Schnaps 10 EUR und die Buddel Wein 12 EUR, dann könnte es sein, dass weniger verkauft und mithin weniger getrunken wird. Bei Zigaretten soll es ja funktioniert haben ...

Die gute Nachricht zum Schluss (die vielleicht auch eine schlechte ist): In Absinth knallt nicht das Thujon, sondern auch nur der Alk.



09 Mai 2008 um 07:50 Uhr Kommentare (3)


Nimm 2

Meine Meinung zum heutigen Studium und Studierenden ist bekannt, auch wenn ich weiß, dass das sehr allgemein, pauschal und teils unfair gegenüber denen ist, die es nicht anders kennen (und können).

Doch ich erlebe noch Überraschungen, die mich trösten. Gestern fragte mich ein Student nach einem Zweitstudium, er studiere bereits und wolle noch was anderes machen. Was anderes? Ja, sprach er, er habe den Eindruck, bei Medizin würde man so langsam verblöden, da müsse was Geisteswissenschaftliches her, vielleicht Sozialwissenschaften oder so. Zusätzlich, liebe Leserin, erstaunter Leser, zusätzlich, nicht stattdessen!
Chapeau! Parbleu! Ich war, nein ich bin überrascht. Nichtsdestotrotz, das muss die Uni entscheiden. Als ich mich heute Morgen interessehalber selber schlau machte, begegnete ich just dem Studenten, der die Sache in Angriff nehmen wollte - persönlich! Um 9 Uhr morgens!

Und da ich ihm sowohl versprochen wie auch gedroht hatte, das als Perle des Blogs und Trost meiner alten Tage niederzuschreiben, habe ich hiermit das Versprechen eingelöst und die Drohung umgesetzt. Far thee well.



06 Mai 2008 um 20:20 Uhr Kommentare (0)


Sogar gleich mehfach

Ein neuer Beitrag in der Kategorie: In der Bahn gehört.

Und da waren sie wieder mal, die Probleme des durchschnittlichen Berlin-Touristen: Stadtplan doof gefaltet, Sehenswürdigkeiten gemeinerweise versteckt, alles viel zu groß - und der ÖPNV. Gut, wenn man fragen kann, wie an der Weinmeisterstr.

Tourist (wendet sich vertrauensvoll an jemanden, der so aussieht, als würde er sich auskennen): Wie komm' ich denn zum Bahnhof?
Rumstehendes Opfer (augenscheinlich Berliner): Welchem Bahnhof?
T: Na, dem Bahnhof halt ... den man sich anguckt.
RO: Alex? Friedrichstr.? Zoo? Hauptbahnhof? .... welchen denn nun?
T: Wie? Hat Berlin mehr als einen Bahnhof?!
RO: J-A
T: (blättert wild in seinem Profi-Stadtführer): Hier steht "Der Hamburger Bahnhof ..."!
RO: Das ist kein Bahnhof, das ist ein Museum.
T: Ja, sag ich doch: angucken!
RO: (gequält) Hinter'm Hauptbahnhof.
T: (fröhlich) Welcher Zug hält denn da?
RO: (fies) ALLE!
... und stieg in die U-Bahn.

Es steht in den Sternen, ob unser Tourist zum Hamburger Bahnhof gefunden hat. Zumindest ist die Gefahr groß, dass einem so etwas ab den ersten schönen Frühlingstagen (und bis spät in den Sommer) passiert und man zum "RO" wird. Kann man doch gerade vor den Wochenende nicht am Hackeschen vorbei Richtung HU gehen, ohne vor Wände aus Touristen zu laufen, die möglichst breit den Gehweg blockieren und mit dem Stadtplan oder -führer verwachsen scheinen. Berlin im Sommer ist toll - wäre es nur leerer. Aber auch darüber haben wir schon oft genug gejammert.



03 Mai 2008 um 15:45 Uhr Kommentare (2)


Wir demonstrieren - ganz entschieden

Ich schätze vieles in Berlin. So auch die Möglichkeit, etwas zu erleben, ohne das Haus zu verlassen. Heute bot sich diese Möglichkeit: Eine der Demonstrationen zum 1. Mai zog durch die Straße am Haus vorbei, und ich konnte sie bequem vom Balkon aus verfolgen.

Da sie ja "politisch" sind, laufen sie nicht nur einfach durch die Gegend, nein, sie haben eine Botschaft oder derer gleich viele. Die Vorbeiziehenden skandierten zwar Unverständliches, doch eine junge Dame hat ein Megafon. Mit dessen Hilfe lies sie die Perlen ihres Anliegens erschallen:

Nie wieder Nazismus! (oder meinte sie Narzißmus?)
Nie wieder Deutschland!
(for whatever that means)
Nie wieder Krieg!
(d'accord)
Auch Invasion ist Krieg!
(ach?!)

Usw. usf. Damit man sich ein Bild machen kann, bette ich eines ein (auch wenn es so scheint, es waren nicht mehr Polizisten als Demonstranten - es hielt sich ungefähr die Waage).

 

 



01 Mai 2008 um 16:45 Uhr Kommentare (0)


Equal goes it loose

Wer meint, der Titel deute auf das Thema hin, irrt sich; nicht der Bundes-Heini soll betrachtet werden, sondern die auflagenstärkste deutsche "Zeitung", namentlich Springers Klatsch- und Boulevard-Blatt Bild.

Da las ich gestern im Vorübergehen: Inzest-Monster gesteht. Das verspricht einiges, also habe ich mir den "Artikel" mal gegönnt: Horror-Vater, unvorstellbares Verbrechen, Martyrium, Horror-Vater II, Kerker des Grauens - alles in einem kurzen Beitrag. Wen dies nicht schon vom seriösen Qualitätsjournalismus der "Zeitung" überzeugen kann, der schaue sich Wagners "Kommentar" an; ich bekäme lieber Post vom Gerichtsvollzieher oder Staatsanwalt, denn von Wagner.

Heute dann präsentiert Bild das unfassbar Unfassbarste: Das perverse Inzest-Monster am Strand - es? er? macht Urlaub in Thailand. Mit Video. Es zeigt - exklusiv - eben jenes Monster [...] amüsiert sich wie ein ganz normaler Tourist (O-Ton). Ich finde, erst danach erschließen sich die schrecklichen Dimensionen des Falles: Inzest und Urlaub!

Wann tut Bild endlich das einzig richtige und fordert, den Horror-Vater lebenslang nach Thailand zu schicken, ohne Eisbein, Kraut und Bier?! Oder sehen wir Morgen vielleicht etwas ganz Neues à la: Das Inzest-Monster beim Einkaufen. Bleiben Sie dran, denn lesen bildet ...



30 April 2008 um 08:15 Uhr Kommentare (2)


Keine Rettung naht

Nun ist es (vorläufig) amtlich: THF wird mit dem Segen der Berliner geschlossen. 36% beteiligten sich am Volksentscheid, 60% stimmten mit "Ja" für die Offenhaltung, was eine Ja-Quote von 21.7% macht - es fehlen 3,3%. So it goes.

Ob nun "Volkes Stimme" dem Regierenden gefolgt ist, ob beide Seiten irgendwie Sieger sein mögen oder ob das Wetter schuld gewesen sein mag - man weiß es nicht. Sicher scheint zumindest eines: THF ist im Sinkflug und wird irgendwann abgewickelt sein. So it goes.



28 April 2008 um 07:50 Uhr Kommentare (2)


Sauve qui peut

Ich wollte wirklich nicht dazu bloggen, nein, ich schwöre, ich hatte es mir fest vorgenommen, es nicht zu tun. Doch schwach ist der Geist, wenn er so umsponnen ...

Das, was zur Zeit in Berlin abgeht, ist in Bochum, Bocholt oder Baden-Baden vermutlich völlig unverständlich (und, sei getröstet lieber Leser, mir es das im Grunde auch), so betrüge ich mich selbst und nenne diesen Eintrag einen Beitrag zur Verständigung.
Es gibt da diesen Flughafen namens Tempelhof (für die Eingeweihten THF), den der Regierende mit Senat und Abgeordnetenhaus schließen will. Und dann gibt es da diejenigen, die ihn "retten" wollen, namentlich ICAT (Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof). Am kommenden Sonntag ist, nachdem ICAT genug Stimmen dafür gesammelt hat, ein Volksentscheid dazu. Genauer: zu der Frage, ob THF offen bleiben soll.

Konsequenterweise ist Berlin nun mit Flugblättern, Broschüren und Plakaten von beiden Gruppen zugepappt, die Einwohnerschaft selbst gespalten in drei Gruppen (dafür, dagegen und is' mir doch ejal). Die einen sagen:
1. THF gehört zu Berlin
2. THF muss auf bleiben
Die anderen sagen:
1. THF gehört zu Berlin
2. THF gehört geschlossen.
Und nun wähle ... Ich habe es mir nicht leicht gemacht, ich habe mir die amtliche Broschüre zur Abstimmung mit den Argumenten beider Parteien angesehen (mehrfach sogar), ich habe alles studiert, was mir in die Hände gekommen ist (und es war viel), ich habe darüber gesprochen und nachgedacht. Schließlich will ich ja die Möglichkeit zur (basis-) demokratische Partizipation nutzen, ist mir die Sache an sich auch "ejal".

--- Arabeske am Rande: Das dümmste Argument gegen THF ist das der betroffenen Anwohner, die den Lärm beklagen - als wäre das neu und als hätte es keiner gewusst, der dort gebaut hat oder hingezogen ist. Folgte man dem "Argument", müssten stante pede alle Anwohner der A100 oder A115 für die sofortige Schließung sein, denn plötzlich, keiner konnte es wissen, war da die Autobahn ... ejal. ---

Also, ich habe es im Herzen bewogen, geprüft und gewählt. Ja oder nein? Das weiß allein das Bezirkswahlamt. So wie ich nicht schreibe, dass ich grün und gelb und kunterbunt wähle, so schreibe ich nicht, dass bei mir die Botschaft "Auf, Regierender und Senatoren all, und bringt uns Nachricht schnell von Tempelhofs Fall" nicht verfangen hat.



23 April 2008 um 23:05 Uhr Kommentare (0)


Wieso?

Gleich Fragen habe ich heute in meinem Rucksack.

Gestern Abend habe ich mir auf dem Heimweg mein Abendessen beim Türken erbeutet: Lahmacun. Als ich den Laden umme Ecke betrete, guckt der Mann hinter der Theke mich an und sagt: Döner! Seitdem frage ich mich, was er meinte - ob ich einen Döner möchte? Ob ich aussehe wie ein Döner? Ob er Döner geil findet und das Wort möglichst oft sagen muss? Oder steckt womöglich eine Verschwörung der Döner-Mafia dahinter? Immerhin durfte ich Lahmacun käuflich erwerben und mitnehmen ...

Das schlimmere "Wieso" ist die Frage, warum das von mir freudig letzte Woche angekündigte LC-Konzert abgesagt wurde? Auch gestern kam eine Mail von eventim.de, der Veranstalter habe ohne Angabe von Gründen das Konzert abgesagt, die Karten könnten storniert und erstattet werden. Sonst nüscht. Auf der radioeins-Seite heißt es lakonisch: Neue Termine in Kürze. Doof, doof, doof.



11 April 2008 um 11:00 Uhr Kommentare (1)


Es ist die Perspektive

Heute habe ich Herrn Ackermann gesehen. Ja, genau, denAckermann. Genauer gesagt: ich wäre fast in ihn gelaufen. Als er aus dem Haus des Bundesverbandes der Banken in seinen Wagen eilte.

Ich muss feststellen:
1. er wirkt kleiner als im TV
2. er hat eine komische Frisur, die an ein Toupet erinnert (doch das mag an der steifen Brise über die Spree gelegen haben)
3. er fährt ein sehr großes Auto und ihm folgt ein etwas kleineres mit Bodyguards
4. entgegen allen Gerüchten macht er nicht immer das V-Zeichen



07 April 2008 um 20:30 Uhr Kommentare (3)


Schwer in Schwerin

Nun ist es vorbei, das jährliche "Herrenwochenende" irgendwo in Deutschland mit einem Teil meiner Familie männlichen Geschlechts. Wir waren - man rät es kaum - in Schwerin, Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern.

Schon auf der Reise dorthin im RE habe ich mit latent depressiven Schüben zu kämpfen: graues Land, Bindfadenregen, verlassene Dörfer und Städtchen. Sogar die Bäume in der Mark sehen so aus, als wollten sie weglaufen, wenn sie es könnten.
Dann Schwerin, Freitag kurz vor 16 Uhr. Am Hauptbahnhof sind ca. 10 Menschen zu sehen, ansonsten ist es wie leergefegt. Der Eindruck und das damit verbundene Gefühl, in der Einsamkeit gestrandet zu sein, bleibt über das Wochenende erhalten. Nach 19 Uhr sind wir teilweise alleine unterwegs - nicht am Rande, nicht in Suburbia, nein, mitten im Zentrum, am Pfaffenteich, in der Altstadt.

Schwerin ist eine schöne, pittoreske Stadt, die sich (von Berlin aus gesehen) für einen Tagesausflug lohnt, wenn man über 70 ist, funktioniert auch ein Wochenende. Doch ich habe mich gefragt und frage mich: Was macht man, wenn dort lebt?! So wie ich letztens noch auf die große böse Stadt geschimpft und mich in die Einöde gewünscht habe, so froh war, am Lehrter Bahnhof und in der vollen U-Bahn zu sein. Merke: Es ist immer da besser, wo wir gerade nicht sind. Und im Sommer komme ich wieder nach Schwerin, dann muss es dort wirklich schön sein. Wer 2009 noch nichts vor hat, sollte das Städtchen auch nicht aus den Augen verlieren, dann startet die Buga. Bunte Blumen in der Landeshauptstadt mit Mittelstadtcharme - besuchen



07 April 2008 um 12:00 Uhr Kommentare (0)


Auf die alten Tage

Nur einem wirklich glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass ich auf der Seite des Tagesspiegels diesen Artikel sah: Leonard Cohen auf Tournee und in Berlin.
Damit hätte ich nun gar nicht gerechnet, ist der gute Mann inzwischen 74 und wollte nie wieder Konzerte geben. Mir zur Freude hat er sich anders überlegt und so werde ich am 30.08. auf der Waldbühne einem älteren Herrn verzückt zuhören.

Für die geschätzten Leser, denen LC kein Begriff ist, ein Video von einem Auftritt in Elstner-Wetten-daß-Tagen - ziemlich mau, aber immerhin ...

 



02 April 2008 um 08:00 Uhr Kommentare (2)


Hypersensibel

Als Appetizer der neuen Kategorie: In der Bahn gehört heute schon mal etwas aus der U8:

Frau: Nun passen'se doch mal auf, Sie ha'm mir de Brille fast ins Auge gedrückt
Mann: Sie sind ja übersensibel!
F: Dann stellen Se sich mal hier hin und ich drück Ihnen de Brille ins Auge, und dann sach ich Ihnen mal, dass Se übersensibel sind! ... Die jungen Leute sin' ja so rücksichtslos ...



29 März 2008 um 14:30 Uhr Kommentare (0)


Stairway to Heaven

Letztens, es muss letzte Woche gewesen sein (die Zeit vergeht so schnell!), schleppte mein alter Freund H. aus MS mich nach ein paar Bier im Metro in einen Club. Wie das bei älteren Menschen auffallend oft ist, sind sie störrisch, und so wollte ich im Grunde meines schwarzen Herzens nicht, doch, nun ja, die Astra vorher waren gut, ich ließ mich belatschern und folgte, frei nach dem Motto: mal schauen, was in der Provinz so als Club durchgeht (nicht dass ich davon aus B Ahnung hätte, doch man kann den erfahrenen Großstädter mal raushängen lassen).

Heaven hieß und heißt das gute Stück im Hafengebiet, gibt sich mondän (mit Türstehern) und ist gut besucht. Neben interessanten sozialen Studien und Überlegungen, habe ich mich gut amüsiert, entgegen meiner Natur bis in den frühen Morgen (betrüblich aber: sie haben dort nur Kinderbier à la Warsteiner und BitSun ... nenene).

Die Essenz des Abends hat vor Jahren schon mal jemand in ein Lied verpackt:
Well youve been to the clubs and the discotheques
Where they deal one another from the bottom of a deck of promises
Where the cautious loners and emotional wrecks
Do an acting stretch as a way to hide the obvious
And the lights go down and they dance real close
And for one brief instant they pretend theyre safe and warm

Then the beat gets louder and the mood is gone
The darkness scatters as the lights flash on
They hold one another just a little too long
And they move apart and then move on

On to the street, on to the next
Safe in the knowledge that they tried
Faking the smile, hiding the pain
Never satisfied
The fire inside
Fire inside

(Kannst Du es jetzt lesen?!)



22 März 2008 um 20:35 Uhr Kommentare (3)


Komplizierte Welt

In der FR las ich folgenden Satz, der mich seitdem nicht mehr los lässt:
Weil diverse Studien belegen, dass viele Zuschauer die "Tagesschau" nicht verstehen.

Nun muss ich zugeben, dass ich selbst - mangels Ausstattung - die Tagesschau nicht konsumiere, die Tageszeitung reicht mir. Doch durch einen kurzen Blick ab & an andernorts konnte ich keine inhaltliche Erschwerung der Nachrichten an und für sich feststellen. So frage ich mich, was nicht zu verstehen ist?
Es gibt sicherlich einen Unterschied zwischen Infotainment-Boulevard-Nachrichten und Nachrichten pur. Allein was das Verständnis angeht ... Nehmen wir zwei Nachrichten von heute:
1. Gewinnwarnung bei der Telekom
2. Vorratsdatenspeicherung wird eingeschränkt
Ist das verständlich? Wenn nicht, warum nicht? Um Aufklärung, liebe Leserin, werter Leser, wird gebeten. Bitte. Sonst verstehe ich nämlich nichts mehr ...



19 März 2008 um 20:45 Uhr Kommentare (0)


Your tube

Wiedereröffnung mit einem Link: Overheard in New York. Was Menschen in der U-Bahn so sprechen; nicht immer witzig, bisweilen fad, doch ein interessanter Ansatz für eine Sammlung. Wann kommt ein Berliner Pendant (wo doch die BVG zur Zeit netterweise ihre Busse, Bahnen und Trams bewegt)?

19 März 2008 um 09:15 Uhr Kommentare (2)


Heute geschlossen bis morgen

... las ich an einem Imbiss auf der Karl-Marx-Str. Das ist präzise und passt immer. Auch in diesem Blog. Wir schließen für heute bis Morgen und lesen uns dann nach dem Tag, der heute Morgen ist. Oder so.

10 März 2008 um 11:00 Uhr Kommentare (0)


Unzensierte Schweinereien

Man möchte es kaum glauben, welche Dinge in unserem, zumindest de iure laizistischen Land vor sich gehen. Da schreibt einer, nennen wir ihn Schmidt, ein Kinderbuch, das alle drei großen Religionen nicht ernst nimmt und als "gottlos" vorführt, denn auch nicht-konfessionelle Eltern sollen die Möglichkeit haben, ihren Kindern ihren Nicht-Glauben zu vermitteln. Oder?

Das sah das Familienministerium mit der gut christlichen Ursula v. d. L. anders und beantragte, das Buch auf den Index zu setzen - als jugendgefährdend, weil es eben die drei Religionen verächtlich mache und zudem noch antisemitisch sei. Man liest und staunt ... Soll hier der Jugendschutz über das Grundgesetz gestellt werden? Denn es gibt da zwei komische Sätze, die eigentümliche Versprechungen machen: Glaubensfreiheit der eine, Pressefreiheit der andere:
Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt
.
Ja, aber, zetert der Jurist, an diesen Stellen steht auch: Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre. Und?

Interessant daran ist, dass der Zentralrat der Juden den Vorwurf des Antisemitismus nicht teilen wollte. Was bleibt, ist die "militanter Atheismus". Gestern hat die Prüfstelle entschieden, dass die kleine Ferkelei nicht indiziert wird, die Vorwürfe scheinen nicht substantiell.

Wirklich bemerkenswert und ein gewisser Grund zur Besorgnis ist nicht, wie die WELT meint, dass monotheistische Religionen angegangen und karikiert werden, sondern vielmehr die Einschränkung der Religionsfreiheit auf das religiöse Elend. Nicht-religiöse Inhalte zu vermitteln, was im Sinne des Gesetzes ebenso legitim ist - sein muss! - wie religiöse Werte zu vermitteln, scheint sukzessive zu einem Affront zu werden. Die "dumpfe Intoleranz" lässt sich vielleicht auf Seiten des Herrn Schmidt verorten, doch genauso gut auf Seiten derer, die ihn auf dem Index sehen wollen.



07 März 2008 um 10:10 Uhr Kommentare (0)


Finis mundi

oder: Der Tag, an dem die Welt fror

Kann es noch schlimmer kommen? In Berlin ist es nicht nur mit -2 Grad verdammt kalt und windig, nein, es schneit auch noch und zu allem Überdruss und Verdruss streiken die Mitarbeiter der BVG planmäßig und organisiert. Zugleich droht die GDL mit Streiks ab Montag, weil Papa Mehdorn den Tarifvertrag nicht unterzeichnet. Dann stehen wirklich alle Räder still.

Also: Kann es noch schlimmer kommen? Es kann. Zumindest für die Konservativen in diesem Land, denn in Hessen könnte die MPin mit den Stimmen der Linken gewählt werden, sich wählen lassen. Da wird geschäumt und getobt: Wortbruch ... Abgrund ... Skandal ... das Land vor die Wand fahren ...
Auf der anderen Seite sieht man es zwar skeptisch bis waghalsig, begrüßt aber auch, dass endlich eine Entscheidung gefallen ist, ob mutig oder nicht.

Dies ater? Hängt vom Blickwinkel ab. Links gewaschen hält manchmal länger (frisch). Besonders bei den Temperaturen.



05 März 2008 um 10:35 Uhr Kommentare (0)


Be Berlin

In der letzten Woche verkündeten Senat und der RB "unseren" neuen Slogan (über dessen Un/Sinn man lange diskutieren kann).
Nach dieser Woche bzw. diesem Wochenende werden die Schweinchen durchs Dorf getrieben, denn "being Berlin" scheint nicht nur Party, Spaß und gute Laune zu bedeuten, sondern Mord, Totschlag und Prügelei.

Da hätten wir (in Auswahl) ein Messerchen am Alex, einen Mordversuch auf Gleisen, einen Helden in der U-Bahn, ein paar Messerchen in der U-Bahn-Station und schließlich die trübe Zusammenfassung der Eskalation der Gewalt.

Da können einfache Lösungen für große Probleme nicht lange auf sich warten lassen, und ja, hier finden wir bereits einen Ansatz: Arbeitslose an die Arbeitsfront. Herrlich! Diese Kreativität! Darin unterscheiden Medien und Unternehmen sich nicht mehr: kopfloser Boulevardjournalismus hier, hektischer Aktionismus dort.
All' das hatten wir im Januar schon einmal, ich erinnere an die U-Bahn-Aktion von Frau Zypries und meine Hochrechnung. Übrigens war ich noch immer nicht im Krankenhaus, obwohl ich weiterhin täglich Bahn fahre. Glück gehabt?

Vielleicht. So ungern ich es zugebe, so zeigen die Schlagzeilen und Artikel (die wenig Substanz haben, doch immerhin fein alarmistisch sind) doch auch bei mir latent eine Wirkung. Fahre ich abends vom Zoo nach Hause, so nehme ich lieber die S-Bahn über'n Alex und dann die U-Bahn, als am Kotti umzusteigen. Der entwickelt sich zum widerwärtigsten Bahnhof Berlins, Hermannplatz oder Zoo sind dagegen idyllisch. Zeitweilig dachte ich, es läge an mir oder sei Einbildung, in Gesprächen darüber stellt sich immer wieder heraus, dass es anderen, Männern wie Frauen, auch so geht.
Sobald man von der Hochbahn auf die Zwischenebene kommt, gilt: Augen zu und durch. Durch Bierflaschen und -lachen, Fäkalien und Urin, Gruppen von Dealern oder Unbehausten, immer in der Hoffnung, keine Spritze oder Bierflasche in den Rücken, keine Drogen verkauft zu bekommen und keinen Euro lassen zu müssen.

Das klingt krass - es ist oftmals auch so, tagsüber wie abends und besonders nachts. Während z. B. am Wittenbergplatz immer zwei bis drei BVG-Mitarbeiter sind, um Touristen Auskünfte zu geben, meiden sie den Kotti augenscheinlich. Also schrieb ich zweimal an die BVG - zweimal war die Antwort ebenso allgemein wie hilflos.
In der ersten Mail hieß es, man habe nur soundsoviel Personal und könne nicht überall sein, doch der Wachdienst wäre regelmäßig und verstärkt dort. Da ich regelmäßig eben da umsteige, kann ich sagen, dass der Wachdienst, wenn er denn einmal vor Ort ist, zusammensteht und offensichtlich hofft, bald wieder wegzukommen (wobei ich die Mitarbeiter verstehe, wer will sich schon für das Geld mit dem Mob anlegen?!).
In der zweiten Mail wies man lakonisch auf die Notrufsäulen hin, die man nutzen könne, wenn man sich bedroht fühle, im Weiteren wurde der Schwerpunkt verlagert auf "ein gesellschaftliches Problem", das nun die BVG nicht lösen könne.

Tja, da weißte Bescheid ... Zumindest glaube ich der BVG nicht, wenn sie tolle Vorschläge zeitungswirksam lancieren, denn ein gesellschaftliches Problem können sie ja nicht lösen (wollen sie vielleicht auch nicht?) und es gibt Wichtigeres, wie eben Touristen Auskünfte erteilen oder sich auf den Streik vorbereiten.
Eine Lösung habe ich nicht, ich kann nur nörgeln und kritisieren. Aber ich bin ja auch nicht "die Gesellschaft", ich habe nur "ein Problem". Ich glaube, daraus lässt sich was machen - ich werde Vorstand eines Verkehrsunternehmens!



03 März 2008 um 12:10 Uhr Kommentare (0)


Wie man einen Roman macht

Wenn etwas rauscht, so ist es nicht immer das Meer oder der Wind in Bäumen, oft genug rauscht es auch im Blätterwald. So in den vergangenen zwei Wochen, da summte und brummte es, weil gleich zwei Romane von links nach rechts, von oben nach unten, von schräg nach quer zu besprechen sind - es gilt das Motto: je mehr, desto besser.

Da wäre einmal das neue Buch im Totschlagformat von Herrn Littell (Rezensionsstufe 1+) und zum anderen das von Frau Roche (Rezensionswut 2-). Das schöne an beiden ist, dass man sie nicht gelesen haben muss (wie man im Übrigen so gar nicht gelesen haben m u s s), man ist aus allen Feuilletons informiert.

Da wäre z. B. die FAZ, die Herrn Littell einen prominenten Platz in ihrem Reading Room eingerichtet hat, wo sich bekannte und unbekannte Kritiker und Möchtegern-Kritiker austoben dürfen. Die taz widmet dem Buch gleich einen langen Meta-Rezensionsartikel, dessen Tenor besagt: wer ihn nicht mag, versteht ihn nicht - eine völlig neue Sicht- und Argumentationsweise. Die FR steht nicht nach und beglückt den Leser nach einer - natürlich langen - Rezension, mit weiteren Kritik-Schnippseln.

Bei allen genannten Blättern rauscht auch Frau Roche durch, etwas weniger lang und sinntriefend betrachtet, dafür gerne mehrfach interviewt, wie in den beiden Frankfurter Zeitungen (hier und hier).

Was ist daran bemerkenswert und was hat es mit dem Titel dieses Eintrags zu tun?
Früher hat man Romane geschrieben, aus welchen Gründen auch immer, und sie wurden gelesen oder nicht gelesen, verkauft oder nicht verkauft. Heute werden sie gemacht von Schriftstellern und den Feuilletons, der Inhalt ist fast sekundär, solange er skandalträchtig genug ist bzw. wirkt. Damit wären wir bei den Gemeinsamkeiten der beiden Werke:
Littell wählt ein Thema, das man rezensieren muss, das deutsche NS-Trauma, die Vergangenheitsbewältigung etc. müssen unter die Lupe - immer und immer wieder. Dass es dafür geeignetere Fachliteratur gibt, tut nichts zu Sache, es muss, muss, muss ... Der sog. Romanautor nimmt also einen schwulen SS-Mann, gibt eine paar Kraft- und Fäkalausdrücke bei (man stelle sich vor, der Protagonist lässt sich in den Arsch ficken, quel scandale!), packt die Ermordung von nicht-wertem Leben (um im Jargon zu bleiben) hinzu, voilà, fertig ist das, was man Roman nennen soll. Dieser wird jedoch erst in dem Moment, wo die Feuilletonredakteure ihn reproduzieren und sich gegenseitig mit wüsten Metaphern zu übertreffen suchen.
Frau Roche hingegen verzichtet auf irgend einen Anspruch, sie will gleich die Frauen befreien von sich selbst - und das ist ebenso gut für endlose, gequälte, aufgestylte und nachgerade dumme Artikel und Interviews. Die Essenz des Buches und der vermeintlichen Autorin ist in diesem Satz enthalten, der in jedem "Gespräch" zu finden ist:
Es geht um die 18-jährige Helen, die im Krankenhaus liegt, weil sie unter Hämorrhoiden leidet und sich beim Rasieren eine Analfissur zugezogen hat.
Das ist literarisch so anspruchsvoll wie die Beschreibung einer geschälten Kartoffel und so interessant wie das Leben der gemeinen Großstadttaube (und genauso unerforscht).

Bevor Sie mich, verehrte Leserin, geschätzter Leser, der Ignoranz, des Revanchismus, der Relativierung des Schreckens oder gar der Frauenfeindlichkeit zeihen, lassen Sie mich wiederholen, dass ich weder das eine noch das andere Buch gelesen habe und somit Geld und Platz gespart, ein paar Bäume gerettet und weniger Abfall produziert habe. Das spricht schon mal für mich, bitte ich zu bedenken.

Und ich gebe noch Tipps für künftige Stars am Bücherhimmel auf den Weg:
1. Suche dir ein Thema, von dem du weißt, dass es rezensiert werden muss, denn das Feuilleton ist wie der Pawlowsche Hund
2. Schreibe, was du willst, so sinnlos du willst, so zusammenhanglos du willst, solange du Regel 1 befolgst
3. Nutze extensiv Kraftausdrücke und mögliche "Ih"-Themen, am besten kommen mehrfach Sperma, Blut, Urin und Fäkalien vor, gerne auch drastischer formuliert (das steht für Aufgeschlossenheit und täuscht eine message vor)
4. Lass dir von einem erfahrenen PR-Menschen eine Überbau fabrizieren, den du in Interviews andeutungsweise (das macht es schwerer) und zusammenhanglos von dir gibst - sollen sie doch nachdenken, was du sagen willst, das ist nicht deine Aufgabe
5. Beharre darauf, dass du ein ganz neues, heißes Thema anfasst und es Zeit dafür wurde.

Viel Erfolg, frohes Lesen und alles Gute für diesen Tag, den es eigentlich gar nicht gibt.



29 Februar 2008 um 15:10 Uhr Kommentare (1)


Fluch der Großstadt

Es gibt Tage, da möchte ich irgendwo JWD wohnen (nein, Ahrensfelde ist noch zu zentral), wo wenige Menschen sind, wo man nicht belästigt wird, ja, wo man Ruhe hat. Ruhe ...

Sei es vor dem bekloppten Typen mit der Mundharmonika in der U1, der es schafft, zweimal den gleichen Wagen mit seinem schlechten, unmelodischen Getröte zu quälen; sei es vor den ganzen MP3-Handies, die gequetsche "Musik" von sich geben; sei es vor den Mädels hinter dir in der Bibliothek, die das Schild "Ruhe bitte" für einen netten Vorschlag halten, doch sicher nicht für verbindlich; sei es vor dem Touristen, der dir mit Stadt- oder BVG-Plan auflauert, um dich etwas zu fragen, was er hätte wissen können (à la "Ist das die Bahn nach Mariendorf", bei der Bahn, die unter der Anzeige "Alt-Mariendorf" einläuft und "Alt-Mariendorf" vornweg stehen hat). Es gibt solche Tage ...

Aber ich will nicht zu ungnädig sein, die Megalopolis hat auch ihre amüsanten Seiten, gleichwohl der Humor eine Art Selbstschutz wird - in manchen Fällen. Letztens in der Bahn z. B. quäkte so ein Billighandy ein Lied, na ja, sagen wir, es war Rap, glaube ich. Den Anfang bekam ich, hinter meine Zeitung verschanzt, nur halb mit, doch ich hörte Worte wie "Beine", "Fotze", die kommen sogar durch den stärksten PAL-Schirm. Ich musste mir keine Mühe machen, genauer hinzuhören, denn es wurde zurückgespult und ein vierköpfigen Chorus sang mit:
Spreiz Deine Beine, zeig die Fotze, lass dich geh'n.
Warum das nun gebloggt? Bemerkenswert ist nicht, dass es solche Dinge überhaupt gibt, der Text kann nicht mehr schockieren, das Vorspielen in der Öffentlichkeit ist fast salonfähig; nein, bemerkenswert ist, dass der Chor, der da aus voller Kehle mitheulte, aus pubertierenden Mädchen bestand. An dieser Stelle darf man anfangen, sich Sorgen zu machen ...

Ich sorge mich nicht mehr, ich bewaffne mich mit Samstagszeitung (für die Bahnfahrt), Ohrstöpseln (für die Schwätzer in der Bibliothek) und einer Menge Ignoranz (sowieso). Schönen Samstag noch (Morgen ist ein neuer Tag!).



23 Februar 2008 um 09:50 Uhr Kommentare (4)


Auf der Suche nach der vorliegenden Liebe

Als die Tage wieder einmal nach 21 Uhr am Hackschen Markt Richtung U-Bahn vorbeikam, konnte ich zwei Feststellungen machen. Zum einen sind die Bordsteinschwalben inzwischen bis zur Ampel Rosenthaler Straße vorgedrungen, zum anderen scheint es auch freie Mitarbeiterinnen zu geben, die keine weißen Stiefel tragen. Denn, während ich versonnen (und leicht frierend) an besagter Ampel stand, kuschelte sich von links etwas in schwarz an mich. Leider hatte "der Süße" wie immer weder Zeit noch Lust, doch ausnahmsweise war die junge Dame nicht allzu penetrant und zog mit einem freundlichen Abendwunsch ihrer Wege.

Da bekomme ich Angst vor mir selber, besonders unter würdigender Berücksichtigung des zweiten incident am heutigen Morgen. Da hatte ich eine so wunderbare Junkmail im Postfach, dass ich sie der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten will. In der Regel lese ich das Zeugs nicht, doch hier haben die ersten Zeilen mich gefesselt. Meine Galina schreibt mir ganz persönlich:

"Ich rege auf mich wenn ich diesen Brief fur dich schreibe. Ich will dass mir auf meinen Brief antwortete. Ich will dass du mir glaubst. Ich suche die vorliegende Liebe. Ich will dass du mir geantwortet hast."

Ich sehe das arme lettische Fräuleinwunder (Ich die ubliche russische Frau. Mir 31 Jahre. Meinen Geburtstag 10.01.1977. Ich lebe in Lettland. Meine Stadt Riga.) mit roten Wangen und voller Aufregung diesen elektronischen Brief in der Bibliothek schreiben (Ich gehe im Internet - Cafe selten. Meistens verwende ich Das Internet in der offentlichen Bibliothek. Ich habe dir den Brief von anderem e-mail geschrieben.). Anrührend. Darüber, wie ich vor der Lektüre hätte antworten können/sollen, werde ich weiterhin nachdenken müssen.

Und dann diese dramatischen sozialen Zustände:
"Ich arbeite in der Handelsfirma. Der Verkauf der Buchproduktion. Ich arbeite vom Buchhalter. Ich bin ein Helfer des Hauptbuchhalters. O, mein Vorgesetzte die sehr strenge Frau. Wahrscheinlich gefaellt mir meine Arbeit. Mir ist es einfach interessant. Ich habe das grosse Gehalt nicht. Das weibliche Werk in Lettland nicht Vom hohen Gehalt. Auch ist viel es Arbeitlosen. Immer kann man den neuen Arbeiter auf einen beliebigen Arbeitsplatz finden. und deshalb zahlt unsere Leitung das grosse Geld nicht. Aber das Geld ist wichtig fur mich nicht."

Mit einem hochemotionalen Appell kommt sie zur Sache:
"Ich habe das Geheimnis vor dir nicht. Ich will dass du ehrlich mit mir bist. Ich will nur die ernsten Beziehungen haben. Ich bitte dich, mit mir die Spiele nicht zu spielen. Ich suche die Liebe fur immer. Viele Leute suchen seine Liebe im Internet. Viele finden die Liebe. Viele haben die Fehler und die Enttaeuschungen. Ich las in der Zeitung dass im Internet der Betrug existiert. Traurig. Etwas schlechte Leute geben vielen guten Leuten nicht, seine Liebe und das Gluck zu finden. Aber ich bin dass du uberzeugt und ich werden wir die Probleme nicht haben."

Damit das alles logisch und noch herzzerreißender wird, kommt die Freundin in Deutschland hinzu:
"Warum suche ich den Mann in Deutschland? Du willst daruber fragen? Ich glaube dass fur die Liebe und das Gluck existiert der Hindernisse und der Entfernungen nicht. Meine Freundin beratete mir, nach dem Mann in Deutschland zu suchen. Sie hat seinen geliebten Mann gefunden. Sie haben im Internet kennengelernt. Sie ist in Deutschland zu seinem dem Mann abgereist. Sie haben liebgewonnen. Meine Freundin hat ein Problem wenn sie in Lettland lebte. Sie und die Eltern gerieten in die Autokatastrophe. Es war schrecklich. Meine Freundin und ihre Mutti haben ubergelebt. und ihr Vater ist umgekommen. Meine Freundin hat die Verletzung bekommen. Sie hort nicht und sagt in diesen Moment nicht. Sie konnte nicht lange zum guten Leben zuruckkehren. Aber rechtzeitig hat sie die Kraefte, um gefunden, zu beginnen, sich zu leben und zu freuen. Sie hat seine Liebe gefunden. Ihr Mann hort nicht und sagt auch nicht. Sie sind Mann und die Frau jetzt."

Das muss eine traumhafte Ehe sein: Beide hören und reden nicht - echt ein Knaller. Da sitzt sie auf gepackten Koffern und wartet und wartet wartet ...

"Eine Freundin wird meine Reise in Deutschland bezahlen. Sie wird mir das Geld geben damit ich in Deutschland ankommen konnte. Auch versprach meine Freundin, mir die gute Arbeit zu geben. Das grosse Gehalt. Ich werde die Probleme fur das Leben in Deutschland nicht haben. Ich denke du Du verstehst mich. Ich glaube dass du uber mich mehr erfuhrst. Ich werde uber mich mehr in jedem Brief schreiben. Ich hoffe mich dass du auf meinen Brief antworten wirst. Mir sehr interessant wird uber dich mehr erfahren. Ich will dich mehr erfahren. Mir ist es sehr sehr interessant. Ich werde deinen Brief warten. Dein Brief wird mich glucklich machen. Versprich, zu antworten!!! Ich bin obligatorisch ich werde antworten.

Ich glaube, ich werde das mal als Vorlage für eine Schmonzette nutzen ... Im Übrigen hat Galina die interessante Email-Adresse svmdn@bmcl.com.au - wer also antworten und sein Gluck finden will, soll zuschlagen.

16 Februar 2008 um 12:40 Uhr Kommentare (2)


Ne, zum Lutschen

Heute in einem großen Media Markt in Berlin:

A: Wo finde ich DVD-Rohlinge?
B. Äh ... ... ... zum Brennen?
A. ... ja?
B: Unten. ... ... ... Bei den Kassen.

Und wenn ich die anderen suche?



09 Februar 2008 um 20:45 Uhr Kommentare (1)


Politische Poeten

Zum Abschluss der Woche ein paar Zeilen von HDH. Schönes Wochenende.

Freiheit, Gleichheit Brüderlichkeit
Das sind drei schöne Worte
Freiheit, Gleichheit Brüderlichkeit
Von der abstrakten Sorte
Vor Gott sind alle Menschen gleich,
Das spricht sich langsam rum
Doch hinter ihm, da geht das nicht
Man dreht die Worte um
für Freiheit, Gleichheit Brüderlichkeit
Das steht auf vielen Fahnen
Doch klappt das meistens nie so ganz
Für alle Untertanen



08 Februar 2008 um 14:30 Uhr Kommentare (0)


Letzte Wahrheiten

... aka Weisheiten, heute von Heinz Erhardt

Die schlechtesten Bücher sind es nicht,
An denen Würmer nagen,
Die schlechtesten Nasen sind es nicht,
Die eine Brille tragen.
Die schlechtesten Menschen sind es nicht,
Die dir die Wahrheit sagen



07 Februar 2008 um 16:50 Uhr Kommentare (1)


Poeta laureatus

Heute möchte ich an die leider selten bekannte Mascha Kaleko erinnern und dem geneigten Leser, der verehrten Leserin ein Gedicht von ihr schenken.

In Somma lebste.
In Winta strebste.
In Friehling werbste.
Un denn, in eenen Herbste - sterbste.

(Berlinische Lebensbetrachtung)



06 Februar 2008 um 19:00 Uhr Kommentare (1)


Nur für's Publikum

Anscheinend werde ich mit der Zeit des Bloggens uninteressanter oder vielleicht auch nachlässiger? Auf jeden Fall ist es bemerkenswert, dass nach einem starken Dezember 07 der Januar 08 besuchermäßig mau war. Oder liegt's am Wetter? Da ich mich dem Publikum als Exhibitionist verpflichtet fühle, eröffne ich hiermit den Monat der leichten Lyrik mit einem Morgensternschen Gedicht (passend zum Winterwetter, auch wenn's heute schön ist):

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf daß er sich ein Opfer fasse

Und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: "Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.

Vorschläge für weitere Gedichte sind herzlich willkommen!



04 Februar 2008 um 13:50 Uhr Kommentare (0)


Ausgekocht à la mode

Ich nenne mich zukünftig den Glaskugeligen, habe ich doch recht gedeutet: Chrisi in Niedersachsen mit nem gelben Schal, Roland in Hessen auf dem absteigenden Ast mit dem Wort von der "Großen Koalition" im Munde. Nur Sieger!

Da spricht ein Herr Pofalla: Roland Koch hat einen klaren Regierungsauftrag. Denn CDU und FDP liegen deutlich vor Rot-grün. Und damit hat er Recht, genau zwei (2!) Sitze hat der Ex-künftige-MP mehr, doch ihm fehlen noch immer drei zum Glück der knappen Mehrheit. Doof? Nein, durch permanente Wiederholung wird ein Wunder geschehen: Roland Koch bleibt Ministerpräsident. Für einen Auftrag an Frau Ypsilanti gibt es überhaupt keine Grundlage.

Die sieht das nun wieder anders und verortet den Wählerwillen hier: dass die SPD hier mit der Regierungsbildung beauftragt ist.

Unterdessen die F.D.P sich damit quält, wollend nicht wollend sein: Die FDP ist nicht das Stützrad von Rot-Grün: Da müssen wir uns zu sehr verbiegen. Aber, Herr Hahn, immer an Herrn Mende denken, dem seit 1961 der Spruch nachlief: Sage mir Herr Erich Mende, wo er stünde, wenn er stände. Umfallen ist kein Tabu, es ist eine Zier.

Die Grünen, die im Wahl"kampf" zwischen Fischer und Cohn-Bendit irrlichterten, haben entdeckt, dass Mitspielen Spaß machen kann und entblöden sich nicht von Rot-Grün 2.0 zu sprechen. Abgesehen davon ist es keine besondere Geistesleistung, Herrn Koch eine Niederlage zu attestieren.

Bleibt noch die Linke. Die ist recht undogmatisch und bereit, Andrea Ypsilanti zur MP zu wählen. Nicht mehr, nicht weniger.

Ich erkläre mich hiermit offiziell und öffentlich zum Sieger, dem die Regierungsbildung auferlegt ist, und rufe alle Parteien auf, mir ein schickes Koalitionsangebot zu machen. Dann komm ich auch nach Hessen.



28 Januar 2008 um 12:20 Uhr Kommentare (0)


Wo Rauch ist, ist auch Feuer

Letztens beschwerte sich H. bei mir, ich hätte in dieser Woche zu wenig gebloggt. Nun gut, ich hab's mir zu Herzen genommen und reiche nach.

Weil es gerade so schön ist und überall zu lesen, eine kleine Presseschau zum Raucher des Jahres 2008 (eigentlich ja Raucherpaar): Helmut Schmidt. Hier ist die Pressewelt von links bis rechts einig.
Der taz ist es eine Art Kommentar wert (Beide rauchen schon sehr lange, sehr gerne und sehr viel. Und sie tun es unbeeindruckt von turnbeutelhafteliger Fingerzeigerei, das Rauchen schade ihnen doch. Als ob sie das nicht wüssten.), die FR berichtet die ausgebaute dpa-Meldung, dto. der Tagesspiegel, die FAZ kommentiert (Schmidts Tabaksucht hat sogar den Journalismus belebt) und sogar die Welt, unverdächtig, Schmidt besonders freundschaftlich gegenüber zu stehen, ist auf Seiten des Sünders (Kaum verwunderlich, dass der vielfach geehrte Staatsmann in einer Umfrage von "Premiere" kürzlich zum "Coolsten Kerl" der Republik gekürt wurde. Standfest, wie ein sturmgepeitschter Lotse, ist er.)

Und der Blogger (Raucher, Ex-Raucher, Nicht-Mehr-Raucher, Raucher, Gelegenheitsraucher)? Der meint, es ginge weder um Recht noch Unrecht, weder um Vorbildcharakter noch Verwerflichkeit, weder um Altersstarrsinn noch um Blockwartmentalität - es ginge nur um eines, nämlich darum, dass es Loki und Smoky völlig schnurzpiepegal ist, was man über sie und ihre Kippen denkt. Gut so! Weiter so!



26 Januar 2008 um 14:40 Uhr Kommentare (1)


Die Glaskugel

Morgen, Kinder, wird's was geben ... Denn Morgen wird in Hessen (das ist da, wo der blaue Bock lebt) und Niedersachsen (das ist da, wo VW herkommt) gewählt.
Deshalb habe ich einmal mehr einen Blick in Glaskugel gewagt - forsa und wie sie alle heißen, machen das ja auch - und präsentiere mein Wahlergebnis.

In Niedersachsen wird der treue Golden Retriever namens Wulff die Mehrheit einfahren und in dem bekannten, langweiligen Faire rien weitermachen. Die Wähler sind so eingeschläfert, dass sie in Trance automatisch nur noch an den Christian denken können.

In Hessen kann es spannender werden. Nachdem Herr Koch a.k.a "alles ausweisen, auch wenn es nicht ausweisbar ist" mit seiner harten rechten Hand nicht wie gewünscht beim Wahlvolk durchgreifen konnte, nachdem Frau Ypsilanti a.k.a. "Ein Programm habe ich nicht wirklich, doch ich bin gegen Kochs Ideen" mit nichts außer Antihaltung punkten konnte, nachdem die Linke wie ein Geisterschiff durch den Wahlkampf gesteuert ist, nachdem die Grünen auch wenig zu sagen haben und im Grunde wie SPD allein gegen Koch sind und nachdem die F.D.P so blass ist wie ein Quartalssäufer nach durchzechter Nacht mit dickem Schädel, steht es eigentlich zu erwarten, dass keiner irgend etwas gewinnt.
Doch, liebe Leserin, werter Leser, da Sie ihre staatsfrauliche bzw. -männische Pflicht erfüllen, werden sie ihr Kreuzchen machen oder auch drücken. Die Kugel spricht:
Große Koalition ohne nennenswerte Opposition, vermutlich ohne Roland K. und Andrea Y., die weggelobt werden.

Glauben Sie nicht? Warten Sie's ab ... Und wenn es nicht stimmt, kommt es anders. War immer so. Ist so. Wird so bleiben. Denn im Ende ist es eh egal, wie wir aus langjähriger Erfahrung auch ohne Glaskugel wissen: Wen interessiert das Geschwätz von gestern?!



26 Januar 2008 um 14:10 Uhr Kommentare (0)


Danger-Maus

Dank Philip und seinem Kreuzkölln-Blog bin ich auf diese mutige Aktion aufmerksam geworden:
Frau Zypries und Herr Wagner fahren U-Bahn! Und dann noch die U8! Alle Achtung! Das trauen sich wenige, besonders nicht vom Hermannplatz (das s schenken wir uns mal) zum Moritzplatz. Ich schaffe gerade mal Schönleinstr. bis Kottbusser Tor - verängstigt, schweißgebadet und mit einem Bein im Rettungswagen. Also: Chapeau! Der Preis für die wohl dämlichste Aktion des Januar 2008 geht an besagte Herrschaften. Einfach unterirdisch.


22 Januar 2008 um 10:35 Uhr Kommentare (0)


Ich und mein Nokia

Also, ich und mein Nokia, wir haben eigentlich eine ganz tolle und enge Beziehung. Es tut immer, was ich will, widerspricht nie, ist kaum kaputt zu kloppen, passt prima in die Hosentasche und vibriert so schön.

Aber seit letzter Woche ist unsere Beziehung gespannt. Alles fing mit Herrn Wend an, der in einem Interview mit der FR am 16.01. sagte: "Aber Nokia muss klargemacht werden, dass es hierzulande einen inneren Zusammenhang gibt zwischen der Kultur der sozialen Marktwirtschaft und der Absetzbarkeit von Produkten." Jetzt will er ein anderes Handy.
Das konnte kein Einzeltäter bleiben, da zogen andere nach, sei es mit der Drohung, komplette Ministerien umzurüsten, sei es mit dem Ruf nach einem Gesetz gegen - nein, nicht Nokia - Firmenverlagerungen, sei es mit dem tief empfundenen Wunsch nach Prüfung der Subventionspolitik.

Was tun? Leider bin ich ja nicht Deutschland und auch nicht NRW, ich kann also keine Millionen zurückfordern, die ich einst lächelnd gab, nicht einmal den Kaufpreis bekomme ich zurück mit der Begründung, die fiesen Finnen gefährdeten die soziale Lage in Deutschland.
Dabei würde ich den Jürgen, der alles, wirklich a l l e s für die Beschäftigten des Bochumer Werkes tut, unterstützten - er hat ja auch vorher alles, wirklich a l l e s getan, um großen Firmen an NRW zu binden, z. B. mit Millionen. Nen Siemens gibbet nicht mehr, die sind mit BenQ nach Millionen Fördergeldern in den weiten Osten zurückgekehrt; Motorola, nun ja, auch die haben die Produktion unseren fleißigen deutschen Arbeiterhänden entrissen; Samsung hat nie im Lande D produziert. Mist! Und nun?

Weiterlesen! Da lese ich doch, die Diskussion um Subventionen sei verlogen und überhaupt seien sie kein probates Mittel.
Unsere aufrechten Politiker, die Handys (Handies ist falsch, werter Leser) wegschmeißen oder austauschen (wer bezahlt das eigentlich?), werden gar als "einfältig" und "Volksverdummer" gescholten.
Noch böser wird es, wenn der Konsument (ich?) als mögliche Quelle des Übels gesehen wird oder möglicherweise Teilschuld haben könnte: "Die meisten Verbraucher kümmern sich beim Kauf eines Handy einen feuchten Kehricht um die sozialen Bedingungen in einem Unternehmen, die Bezahlung der Mitarbeiter oder gar den Wirtschaftsstandort, der diese Firmen ansiedeln lässt. Wichtig für den Konsumenten ist bislang noch allein der Preis: möglichst viel Produkt für möglichst wenig Geld. Das gilt selbstverständlich für alle Branchen."

Was tun? Keine Lösungen, nur Kritik. Oh weh. Hilft das: Wenn sich am Kaufverhalten der Konsumenten nichts ändert, werden die Produzenten weiter von Billiglohnland zu Billiglohnland ziehen. Boykott ist da keine Lösung. Nicht allein den Preis entscheiden zu lassen, schon.? Oder "eine bessere Industriepolitik"? Ich weiset nich, ich glaub, ich geh ers' ma' telefonieren ...

PS: Ich kenne das Nokia-Werk in Bochum, ich kenne Menschen, die dort arbeiten. Ich kenne aber auch perfiden Populismus und dumme Demagogie.



21 Januar 2008 um 12:20 Uhr Kommentare (0)


Supertopkillervirus

Nachdem mich seit Jahren, ach, was rede ich: seit Jahrzehnten das erste mal wieder ein Virenstamm aus der vulgären Familie der Erkältung erwischt hat (ich versuche noch, denjenigen oder diejenige zu erwischen, der/die als Überträger gedient hat), hatte ich viel Zeit zuhause. Lesen, egal ob Zeitung oder Buch, war zu anstrengend, Hörbücher sind nicht mein Ding, also bin ich durch's Netz gesurft und fündig geworden.

Besser als Literatur oder Hörbücher sind die Medienclips der Tage der deutschen Literatur in Klagenfurt, bekannter als Bachmannpreis. Zu jedem Schriftsteller gibt es ein Portrait, die Lesung und die Kritikerdiskussion. Die finde ich am spannendsten, so viel über den Literaturbetrieb lernt man in keinem Seminar.
Somit gilt: An jedem Schlechten ist auch was Gutes - und wer am Wochenende nix zu tun hat, schaut sich wenigstens diese Diskussion (es öffnet sich ein Downloadfenster für den Standardplayer des PC) an, besonders die letzten Minuten.



17 Januar 2008 um 14:05 Uhr Kommentare (0)


Sauerei II - mit ?

Heute am Plus des Vertrauens schon wieder der Spruch, der einen seit Wochen verfolgt, egal, wo man ist: Warum muss der Sohn betteln? Wer's nicht kennt und sich vorstellen will, schaue hier.

Eine Antwort hatte bisher keiner, obwohl anscheinend jeder das kennt. Eine Aktion Mensch? Ein aufrüttelnder Spruch gegen Kinderarmut? Oder sogar etwas von der Kirche? Nicht dass wir glaubten, irgend eine ehrwürdige humanitär-christliche Gemeinschaft würde sich in Graffiti ergehen, doch man weiß ja nie, auf welche kruden Ideen die Marketing-Agenturen dieser Tage kommen.

Nun weiß ich es wenigstens (besser): Entweder ein leicht Gestörter oder ein Trittbrettfahrer desselben bringt seine Nicht-Botschaft unter die Leute und auf die Straße. Wie schon 2001.
Stellt sich die Frage: Warum muss der Sohn schreiben?



11 Januar 2008 um 19:05 Uhr Kommentare (1)


Sauerei

Heute nur mal auf die Schnelle eine ganz kleine Pressesau ... schau.

Ich glaube der taz ja nicht alles, besonders wenn es in der Wahrheit verkündet wird (frei nach dem Motto: si non e vero e ben' trovato), doch diese "Schlagzeile" ist so herrlich, dass sie es, ungeachtet ihres Wahrheitswertes, verdient gebloggt zu werden:
Leuchte, du Sau!

Immerhin findet sich das fluoreszierende Ferkel auch in anderen Blogs wie hier oder hier.

Damit ab in ein strahlendes Wochenende.



11 Januar 2008 um 11:25 Uhr Kommentare (0)


190mal Krankenhaus

(oder: Ab ins Camp)

Nachdem in Deutschland, so will es scheinen, jede Bahnfahrt - bevorzugt im ÖPNV, zum Fernverkehr s. das Blog vom 30.12.07 - unweigerlich im Krankenhaus enden muss, weil "wieder Gewalt" herrscht oder es "neue Gewalt-Attacken" durch "Tram-Prügler" gibt, und nicht einmal die FAZ sich zu schade ist, ein "Beweisvideo "dazu zu veröffentlichen, habe ich mal auf der U-Bahn-Fahrt nach Hause berechnet, wie oft ich schon verprügelt, misshandelt, blau und grün getreten oder Opfer eine Gewalttat hätte werden können.

Ich fahre wenigstens zweimal täglich mit drei verschiedenen Linien seit ca. 100 Tagen, die ich in Berlin weile, das schafft bereits 600 Möglichkeiten, vorausgesetzt, in jeder Linie kann zu jeder Zeit ein Prügelknabe lauern (oder eher ein Verprüglerknabe). Zählen wir nur die Fahrten an sich, sind es 200 Optionen für blaue Flecke und mehr.
Nicht zu vergessen, dass ich im Schnitt dreimal in der Woche noch zusätzlich zweimal auf zwei verschiedenen Bahnen fahre, das macht in 14 Wochen 168 Angriffe bzw. bei der "einfachen Fahrt" 84.
In der Summe boten sich mir zwischen 284 und 768 Chancen, in eine Keilerei zu geraten, oder mittels simpler Gewalteinwirkung ins Krankenhaus zu kommen.

Wie oft war ich dorten? Einmal. Und das nicht nach einer Bahnfahrt, sondern nach einem Haushaltsunfall mit einer Teekanne.

Was folgt daraus? Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einen bahnfahrtlichen (gibt's das Wort? Wenn nicht, gibt es das jetzt!) Gewalttat zu werden, liegt bei 0,0000001% hat die taz errechnet.
Sehen wir's mal anders und beziehen das auf das große B an der Spree, so finden wir um 190 derer Taten im Jahr bei 3,4 Millionen Einwohner, ergo um die 0,000055%. Im Jahre 2006 sind 16.757 Menschen im Berliner Straßenverkehr verunglückt, weiß destatis zu berichten (Vorsicht, hinter dem Link ist eine größere pdf-Datei), nach meiner schlechten Rechenkunst sind das 0,0049%. Sonst noch Fragen?

Vielleicht sollte man mit der Kuschelpädagogik bei den Herren Koch und Bosbach auch aufhören und sie stante pede ins Heim einweisen. Für Schwerbelehrbare und Wahlkampf-Möchtegern-Demagogen. Das könnte tatsächlich helfen ...



04 Januar 2008 um 18:00 Uhr Kommentare (0)


Feiern in Neukölln: Böller statt Brot

Endlich haben wir es geschafft, das neue Jahr (gerne auch als "das Neue Jahr" grammatikalisch verwurstelt) ist da, das alte weg und die Nachwehen überstanden.

Dieses Jahr haben haben wir Silvester in unserer kleinen Straße gefeiert, was an sich so unspektakulär wie uninteressant ist. Doch frei nach Jan Feddersen Kolumne kann ich berichten, dass pünktlich um Mitternacht die Gegend vernebelt war (nein, der Blick war es noch nicht): So ist das eben bei den niederen Ständen ... Noch heute liegen Müll und Scherben en masse herum, die schnieken Jungs von der BSR kommen wohl nicht nach mit der Dreckschüppe.

Wobei ich sagen muss, dass ich mir mehr in Parallelgesellschaft vorkam, schon Tage vor dem Event. Ich kaufe keine Böller, Knaller, Raketen oder Wunderkerzen und staune bass, dass jedes Jahr (nach dem vorweihnachtlichen Exzess) um die 400 Millionen für 60 Sekunden Knallbummleucht ausgegeben werden. Wären da ein sechszigsekündiger Koitus mit Fussrasseln und lauter Musik nicht günstiger und besser?

Die schlechten Nachrichten zum Schluss:
1. Es ist wieder saukalt dieserorts
2. Die Spätfolgen ders Silvesternacht können dann auch ein Schalltrauma mit Tinnitus und nachfolgend eine Woche im Spital sein - gute Besserung, HOS!



03 Januar 2008 um 18:15 Uhr Kommentare (0)


Bahn fah'n

Deutschland im Dezember 2007: Das ganze Land verreist, mit dem Auto, mit der Bahn. Auch ich fahre am einem Tag "zwischen den Tagen" von der heimischen Provinz in die große Stadt, um die letzten Tage des Jahres zuhause zu verbringen. Wie schon öfter an dieser Stelle gilt: Wenn einer eine Reise tut ...

Es gibt viel zu sehen, spüren und erleben in einem Großraumabteil eines ICE auf der Strecke von Hagen nach Berlin Ostbahnhof. Meine schönsten Erlebnisse habe ich immer dann, wenn es voll ist. Also wie immer vor und nach Feiertagen. Irgendwie wollen alle dorthin, wo auch ich hin will. So schließt man schnell Freundschaft.
Mit Trekkingrucksäcken, die anscheinend nie abgesetzt werden, bevor man sich setzt, damit möglichst viele das Teil im Gesicht haben.
Mit Überseetrollies, die so groß sind, dass sie im Gang stehen müssen, damit andere - besonders die mit Trekkingrucksäcken - nur schwer vorbeikommen.
Mit Menschen, denen der Begriff und der Sinn eines Wagenstandanzeigers ein lebenslanges Mysterium bleiben muss, damit sie durch viele Wagen laufen, Gänge versperren und Gepäckstücke verteilen.
Mit lieben Mitreisender, die nicht in der Lage sind, die komischen Reservierungsanzeigen über den Sitzen zu lesen (was heißt wohl: Hamm - Berlin?), damit sie mehrfach fragen können: Ist hier noch frei?
Mit Familien mit Kindern, die fast vier Stunden am Stück reden und schreien, so dass sich niemand auf irgend etwas konzentrieren kann.
Mit jungen, hoffnungsfrohen Musikliebhabern, die ihre Lieder so laut hören müssen, dass jeder etwas davon hat.
Mit frustrierten Zugbegleitern, die jeden Satz mit: Ist halt voll ... beginnen.
Mit Spontanreisenden, die sich zwischen den Wagen mit Trekkingrucksäcken (s. o.), Getränken und Essen breit machen und sich nicht entblöden zu fragen, ob man "durch" will, wenn man vor ihnen steht (Nein, ich stehe hier nur in der Tür, damit sie nicht zu geht).
Mit älteren Damen, die bereits 20 min. vor dem Ziel den nächstbesten anquatschen und fragen, ob er (es sind natürlich immer Männer) nicht den Koffer, der mindestens 30 kg wiegt, "mal eben" herunterholen und in den Gang stellen kann.

Dafür bezahlt man gerne, so viel wird einem selten geboten, eine so große Übung in Demut ist halt nicht kostenlos. Ich zahle demnächst, sollte ich wieder vor, nach oder zwischen Feiertagen verreisen, sogar gerne mehr - für die erste Klasse. Denn ich bin nicht nur ein Nörgler, sondern auch noch versnobt.

Einen ruhigen Jahresübergang und die besten Plätze für 2008 wünscht
der heimgekehrte Blogger.

Wir lesen uns.



30 Dezember 2007 um 20:20 Uhr Kommentare (3)


Weihnachten zum letzten: Driving home for christmas

Und heute ist es dann auch schon so weit: Ich verlasse die große, böse Stadt, um die Weihnachtstage hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, mit meiner Familie zu verbringen. Zeit für die letzten Weihnachtswünsche (gibt ja sonz nix).

Wer eine Geschichte für die langen Abende braucht, wird hier fündig. Diese ist ebenso wenig neu wie die altehrwürdige Weihnachtsgeschichte, doch inhaltlich ein bißchen spannend, wenn man die letzten zwei Jahrzehnte sich gar nicht damit befasst hat: Homer war vielleicht Kilikier! Damit herzliche Grüße an Herrn Schrott.

Ganz wichtig ist mir auch Herr Thumann mit seiner Camarilla, der - wie immer - ganz bescheidene Wünsche hat. Man will nicht mehr, man will wenigstens das gleiche und für die anderen weniger. Das ist doch was in dieser kapitalistischen, egomanischen Zeit: jönne könne.

Letztens wurde ich wieder mal gefragt, a) was ich hier mache und, viel wichtiger, b) warum ich das hier mache. Zu a) sage ich: Hier. Lesen. Zu b) sage ich: hier lesen. Das trifft es irgendwie schon.

Schluss für heute. Schöne Weihnachtstage für alle Verirrten, Verwirrten und Verwunschenen, die diese Seite besuchen. Wir lesen uns noch vor'm neuen Jahr.

 



22 Dezember 2007 um 14:50 Uhr Kommentare (2)


Sie haben Post!

Lieber F.,

wie war ich überrascht, als ich gestern die Nachricht von Dir im Posteingang fand. Auf welch' verschlungenen Wegen auch immer, Du hast mich erwischt, sowohl beim Kritikastern als auch in personam. Darüber musste ich erst mal nachdenken.

Es tut mir leid, dass Du Dich diesem "läppischen Initiationsritus" namens Anmeldung über Dich ergehen lassen musstest, hätte ich gewusst, dass in Dir das Bedürfnis lebt, mir eine Postille zukommen zu lassen - ich hätte es Dir erleichtert. Ehrlich. Ich bin doch begeistert kommunikativ und "open minded".

Ach, Musik und Literatur ... das sind schwierige Themen, dass weiß ich inzwischen noch besser als ehedem, und das eine oder andere würde ich heute anders formulieren, anders denken. Aber gesetzt ist gesetzt. Und ich will Dir nicht das Gefühl geben, ich wolle Dir schmeicheln; im besten Falle tue ich dies mir selber, indem ich mir einbildete, lern- wie kritikfähig zu sein. So würde ich heute zwischen Handwerk und Rezeption unterscheiden, was immer dabei herumkäme. Lassen wir es Fiktion sein.

Zum guten Schluss verzeih mir, dass ich unser Nicht-Verhältnis falsch interpretiert habe. Ich fühlte mich von Dir nicht ausgesprochen gemocht und, nun ja, meine Sympathie für Dich kannte Grenzen. Ich glaube, uns verbindet im Ende eine herzliche Gleichgültigkeit füreinander. D'accord?

Ich wollte Dir noch ein O schenken, doch das hast Du Dir schon selbst geschenkt. Also nehme ich zwei: so long.

In freundlicher Ignoranz,
JOL



19 Dezember 2007 um 19:40 Uhr Kommentare (0)


Im Bann der Worte

"Schönheit ist Wahrheit, Wahrheit ist Schönheit" - das ist alles was ihr wisst auf Erden und was ihr wissen müsst. Dichtete einst Keats auf eine griechische (vermutlich war's eine attische) Urne. Verpflichten wir uns dazu, zu Schönheit und Wahrheit, und schauen uns diesen Satz des ausgehenden Jahres 2007 an:

... und immer ist das Movens des Agierens das Interagieren, das ist das Credo in drei Worten, Agieren ist Interagieren, und immer ist Kunst hier das Soziale, die Arbeit an der Gesellschaft, letztlich natürlich an der Veränderung der Gesellschaft.

Was ist daran schön, was wahr und was will dieser Satz überhaupt sagen? Machen wir's wie die Sprachwissenschaftler und gehen Stück für Stück heran, als Filetierübung für den Weihnachtsbraten gleichsam.
Movens: Ist ein terminus technicus für den Beweggrund (vgl. mobil), also das, was bewegt
Agieren/Interagieren: Das erste meint das Handeln, das zweite das gegenseitige bzw. abwechselnde Handeln (im Sinne von Aktion - Reaktion; einer macht, der andere macht daraufhin etwas, was zum ersten führt usf.)
Credo: Ich glaube, das kennt man, es meint im engeren wie weiteren Sinne ein Glaubensbekenntnis

Somit heißt der erste Teil des Satzes:
... und immer ist der Beweggrund für das Handeln die Lust an der Reaktion, das ist das Glaubensbekenntnis in drei Worten, Handeln ist Reagieren ...

Der Rest dieses Bekenntnisses ist recht eingängig, wenn auch nicht einfach. Kommen wir zur Ausgangsfrage: Was will dieser Satz uns sagen?
Der Künstler macht nicht einfach Kunst, sondern er will etwas bewirken, er will eine Reaktion, und im besten Falle bewirkt er damit etwas "in der Gesellschaft", er verändert sie. Alles klar?! Ich würde es als Sprachunfall bezeichnen. Oder Sprachpanscherei.

Doch seien wir ehrlich, schlimmer als Geiz ist geil, Ich bin doch nicht blöd oder Billig will ich ist das nicht - es ist nur ein anderes Nie-wo. Apropos ... In der Samstagsausgabe der FR war zu lesen:
"Ich bin doch nicht blöd", denken die alle und sind dabei unmöglich. Dittrichs freundliche Misanthropie läuft in diesem Deutschlandpanorama zu höchster Form auf. Er dreht die Mechanik des Horrorgenres um: In jedem Grauen steckt auch etwas Liebenswertes. Außerdem lebt Dittrichs Porträtpanorama von einer nicht ganz neuen aber immer noch wichtigen Erkenntnis: Willst du Deutschland kennenlernen, so geh in den nächsten Elektromarkt. [...].
Was Dittrich macht, geht aber noch weiter: Es hat die Eigenschaft aller großen Kunst seit dem letzten Jahrhundert. Dittrichs Spotserie reflektiert ihr Genre. Seine Figuren sind genau die, für die die "Geiz ist geil"-Kampagne geschaffen war. Er führt sie vor, er verspottet sie sogar, aber ohne ihnen dabei weh zu tun. Er muss sie nicht verraten. Dabei übernimmt Dittrich auch noch sozialhygienische Funktion: Witzischkeitswahn und Schnäppchengeilheit lösen sich auf in feinem Humor.

Da staunt der Laie, der Fachmann mag sich nicht mal mehr wundern: Aus einer Werbekampagne wird im Handstreich nicht nur Kunst, nein sie wird zu einer Persiflage auf sich selbst! Chapeau, darauf muss man erst einmal kommen. Die Agentur wird's freuen, den Kunden noch mehr. Für alle, die nicht genug bekommen von dieser neuen großartigen Spielart des Kabaretts, hier der Link zum Glück für alle acht Clips.



16 Dezember 2007 um 19:20 Uhr Kommentare (0)


Weihnachten zum dritten: Stille Nacht

Auf ganz speziellen Wunsch, aus gegebenem Anlass und aus tiefer Überzeugung verweise ich heute auf eine Homepage und damit auf eine Aktion.
Im Supermarkt, im Einkaufszentrum, in jedem Restaurant und Hotel, in Verkehrsmitteln, am Telefon, in Arztpraxen, auf Ämtern und Behörden und sogar im eigenen Wohnumfeld - überall werden Ohren und Nerven der Menschen durch aufdringliche Unnütz-Musik strapaziert.

Das kann ich, gerade in der Vorweihnachtszeit, nur unterschreiben. Als würde die Endlosschleife im Kaufhaus (für jedes "Last Christmas - ein Lied, das ich so und so fies finde - einen Euro und ich bräuchte bis Mitte des nächsten Jahres nicht mehr arbeiten) nicht schon reichen, nein, es gibt auch noch Weihnachts"märkte", wo im besten Falle eine Bedudelung läuft, im schlechtesten jeder Stand seine Audiogarnitur zum besten gibt.
Und dann - das ist wirklich die Krönung an Ignoranz, Egoismus und Unverschämtheit - diese Kids, Jugendlichen und Berufsjugendlichen, die die Musik auf ihrem Handy über Lautsprecher laufen lassen; egal ob nachts auf der Straße, tags in der Bahn oder abends der Haltestelle.
Jeder darf so viel Musik hören, wie er will,
nur nicht andere Menschen zwingen,
gegen ihren Willen mithören zu müssen!

Nur ein bißchen Rücksicht, das wäre doch mal was. Hoffen wir auf eine besinnliche, stille Weihnacht.



13 Dezember 2007 um 14:20 Uhr Kommentare (1)


Auferstehung vor dem Tode

Heute im Karstadt: es gibt nicht nur den konsumptiven, stimmungs- und seelenlosen "Weihnachtsmarkt", sondern auch das: Karnickel zum 2. Advent

Was mag es Ostern geben? Tauben?



08 Dezember 2007 um 20:00 Uhr Kommentare (0)


Nur noch gute Nachrichten die Zwote

oder auch: Krise und Untergang des Abendlandes

Widmung dem geneigten Leser: Tritt ein, denn hier sind keine Götter, nicht einmal die halben dieser Art. Hier erwartet dich eine satirische Philippika, bei der Andeutungen auf, Übereinstimmungen mit oder Bezüge auf lebende, nicht mehr lebende oder zukünftig lebende Erdbewohner nicht ganz zufällig und unbeabsichtigt sind.

Skandal! Das ist ein Skandal! Wir sind entsetzt und schockiert! Wir fürchten für und um dieses Land! Das ist nicht der Untergang, das ist jedoch ein Schritt Richtung Abgrund, in den wir alle - alle! - stürzen werden. Wir, das sind die Manager aller möglichen Unternehmen und Konzerne, die wahren und einzigen Wirtschaftsweisen, die Konglomerate führen wie Schiffe und dafür gebührend und berechtigt im Millionenbereich entlohnt werden. Sie kennen aus ja sicher aus Funk, Fernsehen und Presse, wo wir omnipotent lächelnd omnipräsent sind. Denn wir sind die neue Art von Medienstars, die mit gebetsmühlenartiger Anstrengung den Untergang des Wirtschaftslandes orakeln. Mene mene tekel ...

Jahrelang haben wir unbescholten, unbestritten, unangefochten, ungezügelt Gewinne eingefahren (und dabei auch der guten Presse wegen ordentlich gestöhnt), Stellen abgebaut (für alle sehr schmerzhaft), Gewerkschaften bestritten (die eh nur zänkisch sind, siehe GDL), Löhne und Gehälter gesenkt (zum Wohle des Landes), Arbeit effizienter gestaltet (mit neuesten Methoden), Arbeitsplätze ins Ausland verlagert (dem Steuerzahler zuliebe) - nicht für uns, nein, sondern für den "Standort Deutschland"!
Unsere Lobbyarbeit war so vorzüglich wie erfolgreich, die Medien druckten und sendeten jeden propagandistischen Unsinn, den unsere Presseabteilungen sich ausdachten; das Parlament ("Dem deutschen Volke" - pah, "Der deutschen Wirtschaft" müsste es heißen) war uns wohl gesonnen (über den Ausrutscher des Herrn M. mit den Heuschrecken haben wir großzügig hinweg gesehen); die Menschenrechte und - wenn es denn ausnahmsweise einmal sein musste, auch die Grundrechte - wurden dem Wirtschaftsrecht hintangestellt. Selige Zeiten - für den "Standort Deutschland".

Und jetzt: brüchige Welt. Da beschließt der Bundestag unter einer christdemokratischen Kanzlerin (Skandal!) in einer großen Kohabitation den Mindestlohn für Briefträger. Unbeschreibbarer, unfassbarer Skandal! Mindestlöhne! Das ist Sozialismus, das ist Kommunismus, das ist Planwirtschaft, das ist das unverzeihliche Ende der Wirtschaftsfreiheit.

Doch wir sind ja nicht dumm, wir kennen die Gesetze der Marktwirtschaft, wir haben shareholder value, stakeholder value und public private partnership erfunden (nun gut, es waren die Ergebnisse mehrere Runden bullshit bingo, klingt aber verdammt gut), wir haben das Spiel mit Halbwahrheiten, Andeutungen und Drohungen perfektioniert.
Rausschmeißen! Alle rausschmeißen! 1.000, 5.000, 10.000, 50.000, ach was, 100.000 Arbeitsplätze sind gefährdet (haben wir überhaupt so viele Mitarbeiter? Egal, die Hauptsache ist, es wirkt dramatisch), Tausende von Arbeitslosen werden wir hervorbringen - alles wegen eines sozialistischen Instrumentes namens Mindestlohn. Wer dann die Briefe austrägt? Das ist doch sekundär, es geht um den "Standort Deutschland"!

Wenn's denn gar nicht anders geht, importieren wir Briefträger aus Billiglohnländern zu Dumpinglöhnen, um sie bald darauf als Wirtschaftsflüchtlinge abschieben zu lassen. Gibt ja genug davon, nachwachsende Rohstoffe sozusagen. Das ist nicht zynisch, das ist realpolitisch, das ist Pragmatismus - für Deutschland, für die Wirtschaft, für uns.
Unsere Gehälter sind - gottlob! - nicht gefährdet, ein kleiner Zuschlag von 200% geht schon noch (früher war's mehr, wir haben Bescheidenheit gelernt - und das bei der Verantwortung für den "Standort Deutschland"!) als angemessene Belohnung nach der Steigerung des Effizienz durch Arbeitsplatzabbau und niedrigere Löhne als diesen Mindestlohn.

Denn überlegen Sie doch mal: Ob jemand arbeitet und davon leben kann, oder ob jemand arbeitet und staatliche Zuschüsse bekommt, ist für uns nicht relevant, die gesamtgesellschaftliche Verpflichtung ist eine romantische Chimäre aus alten Zeiten (Eigentum verpflichtet - hahaha, träumen Sie weiter), allein der "Standort Deutschland" ist wichtig. Wir sind wichtig. Aktionäre und Group Executive Commitees sind wichtig.
Der Arbeitnehmer hingegen ist Humankapital, das wir wertschöpfend verplanen und veräußern, das Individuum kann sich nach Feierabend entfalten, am besten, indem es konsumiert.

Helfen Sie uns, verhindern Sie die Katastrophe, verkaufen Sie sich uns als Billigarbeitskraft - für Deutschland, für den Standort. Auskünfte erteilt Ihnen gerne jede Arbeitsagentur und Personalabteilung.



05 Dezember 2007 um 19:50 Uhr Kommentare (0)


Ganz große Politik

Nachdem oft genug die großen Haie im BRD-Becken zu Worte, zu Bilde oder zu einem Kommentar kommen, heute zum Kopfschütteln die kleinen der Sorte, die gerne größer wären und sich so strecken und recken, dass sie nichts anderes mehr tun können.

Wie an jeder deutschen Uni (leider!), gibt es auch an der TU sog. studentische Interessenvertretungen (aka "Parteien"). Deren vornehmste und ausfüllende Aufgabe ist es, sich gegenseitig zu beschimpfen, zu diffamieren und denen, die das alles ziemlich postpubertär und kontraproduktiv finden, vorzuwerfen, jeweils der anderen Parteiung auf den Leim gegangen zu sein.

Da wäre einmal der Nicht-AStA (aktuell gibt es keinen, da durch Verzögerungen, Anfechtungen usf. eine Konstituierung bis dato unmöglich war - weswegen der Link zu nichts führt), der detaillierte Überblick wird hier schwierig. Dann gibt es das BreiLiBue, das Breite Linke Bündnis, liebevoll "der Brei" genannt, das in seinen Informationen primär den RCDS aller möglichen Dinge bezichtigt. Demgegenüber bezichtigt der RCDS das BreiLiBue eben dieser Dinge in umgekehrter Richtung.
Daneben tummelt sich watchyourasta.de als "Wächter" oder meinethalben auch "Infoseite" mit recht eindeutiger Ausrichtung für den RCDS (mit ein wenig Kosmetik, natürlich) und Publikumsbeschimpfung. Nicht zu vergessen die Fachschaftsinitiative EB104, die ich in das Sympathiespektrum für das BreiLiBue zählen würde.
Wem das nicht reicht, der hat noch die WiWis und deren Forum , das anscheinend (!) um Neutralität bemüht ist, auch wenn ab und mal ein Funken Zuneigung zum RCDS rüberkommt.

Was fangen wir damit an? Nach einem fruchtlosen wie frustrierenden Versuch, die Sachlichkeit im Getümmel zu finden, resigniere ich und finde alle gleich idiotisch. Meine einzige Hoffnung ist, dass all die kleinen Schwätzer nie über das Stadium des universitären Engagements hinaus kommen, auf dass uns so etwas in Landes- oder gar Bundespolitik erspart bleibe ...



05 Dezember 2007 um 00:05 Uhr Kommentare (0)


Weihnachten die Zwote

Nachdem wir letztens überlegt haben, wie wir unsere Lieben und Nicht-so-Lieben hübsch bescheren können und so den Konsum und mithin die deutsche Wirtschaft ankurbeln, nun ein wenig charity für die, die lieber was "Gemeinnütziges" geben, als das Geld für Präsente auszugeben.

Nein, ich denke nicht an den WWF, die Kindernothilfe, die DAH, Tiere in Not oder sonst etwas. Die haben es in meinen Augen recht leicht, weil sie groß und bekannt und damit medienwirksam präsent sind (auch wenn das Unicef Deutschland im Moment gar nicht bekommt). Ich denke an die kleinen Vereine, die viel tun, doch wenig bekommen. Meine Auswahl:

1. Der BODO e. V. in Dortmund, der Obdachlosen in DO und BO wieder auf die Füße hilft (analog wäre es in Berlin motz, wenn auch größer)
2. Die Nonnen, die Safer-Sex-Prävention, Aufklärung und Beratung leisten - mit ganz kleinem Budget
3. Nicht wirklich klein, doch recht unbekannt, die Steiger Stiftung, die in der Notfallhilfe, u. a. der Handyortung, aktiv ist.

Von der "Förderwürdigkeit" der ersten beiden bin ich überzeugt und auch dabei. Ein Wort zur Steiger Stiftung und Ortung: Wie man hier lesen kann, bin ich Verfechter des Datenschutzes und gegen jedwede Art von Datensammlung (und mithin im Gegensatz zur aktuellen Politik), allerdings halte ich die Möglichkeit zur Ortung gerade für ältere Menschen für sinnvoll. Das ist der Grenzbereich zwischen Überzeugung & Nutzen, in dem ich für mich die Entscheidung zugunsten des Nutzens treffe.

Na denn, let it snow ...



29 November 2007 um 20:35 Uhr Kommentare (0)


Ganz schlechter Stil

Im Leben ist vieles eine Frage der Form. Form kann man als Stil bezeichnen. So manchem fehlt es leider an beidem. Oder wie einst der große Talleyrand sagte: Ein großer Mann, aber leider so schlecht erzogen.

Da wäre ein das Beispiel des Herrn C. von EnBW, dem ein kleiner Fehler unterlaufen ist, für den er, wie gestern in Leipzig festgestellt wurde, nun wirklich nichts kann. Das ist die rechtliche Seite. Schauen wir uns den Stil bzw. die Stillosigkeit an, wird es diffiziler. Die Geschichte geht so:
Herr C. ist ein Businessman, ein vielbeschäftigter Manager, der kurz vor Weihnachten Zahnschmerzen bekommt. Deswegen geht er, wie Hans Meier auch, zum Zahnarzt. Doch während Meier sich ächzend, stöhnend und schwitzend allein auf sein Leid konzentrieren kann, muss Herr C. leiden und gleichzeitig noch arbeiten. Denn ihm folgt, wie dem Consul die Liktoren folgen, seine Bürobesetzung, um schwerwiegende Fragen zu klären, wie: Wer bekommt welches Präsent vom Konzern? Und während also Herr C. leidet, brummt, nuschelt und nickt er zu Vorschlägen. Natürlich passiert das Unglück: Die dicke Mappe fällt herunter, die Zettel vertauschen sich, die Post-Its fallen heraus - groß das Malheur. Doch dank der Büroleiterin mit Superhirn kommt alles wieder in Ordnung, bis auf eine Kleinigkeit. Die lernt die Öffentlichkeit als Ticketaffäre kennen.
Was wie eine Weihnachtsgeschichte klingt, ist auch eine, zumindest gibt es für den verfolgten Herrn C. einen Freispruch der allerersten Klasse.

Ein weiteres Beispiel von schlechtem Stil darf ich wöchentlich an der TU erleben. Dort gibt es eine Professorin, deren größtes Vergnügen es ist, Referenten vor dem ganzen Seminar durch den Kakao ziehen zu lassen. Zu lassen deshalb, weil sie eine kleine Gruppe von Claqueuren und Speichelleckern hat, die auf ein Stichwort hin pseudointelligente "Fragen" stellen, die dann von Frau Professorin kommentiert werden.
Und das geht so: Man pickt sich eine These heraus, stellt diese zur Disposition, fragt den Referenten, ob er sich da wirklich sicher sei, fragt erneut, stellt fest, dass er hätte mehr lesen sollen und das ein Artikel nicht reicht, gibt den Ball weiter an die erste Reihe, die das hämisch weiterführt und ergänzt. Am Ende lachen noch drei oder vier weitere mit - und der Referent ist bedient.
Angemerkt sei, dass ich nicht der Referent bin, sondern dieses schlechte Schauspiel, das von Stillosigkeit, Arroganz und Geringschätzung kündet, erleben musste - kurzweilig wollte ich packen und gehen. Kritik ist gut und nützlich, um sich zu entwickeln und zu lernen. Das ist unter aller Sau und hilft keinem. Schade.Im Leben ist vieles eine Frage der Form. Form kann man als Stil bezeichnen. So manchem fehlt es leider an beidem. Oder wie einst der große Talleyrand sagte: Ein großer Mann, aber leider so schlecht erzogen.

Da wäre ein das Beispiel des Herrn C. von EnBW, dem ein kleiner Fehler unterlaufen ist, für den er, wie gestern in Leipzig festgestellt wurde, nun wirklich nichts kann. Das ist die rechtliche Seite. Schauen wir uns den Stil bzw. die Stillosigkeit an, wird es diffiziler. Die Geschichte geht so:
Herr C. ist ein Businessman, ein vielbeschäftigter Manager, der kurz vor Weihnachten Zahnschmerzen bekommt. Deswegen geht er, wie Hans Meier auch, zum Zahnarzt. Doch während Meier sich ächzend, stöhnend und schwitzend allein auf sein Leid konzentrieren kann, muss Herr C. leiden und gleichzeitig noch arbeiten. Denn ihm folgt, wie dem Consul die Liktoren folgen, seine Bürobesetzung, um schwerwiegende Fragen zu klären, wie: Wer bekommt welches Präsent vom Konzern? Und während also Herr C. leidet, brummt, nuschelt und nickt er zu Vorschlägen. Natürlich passiert das Unglück: Die dicke Mappe fällt herunter, die Zettel vertauschen sich, die Post-Its fallen heraus - groß das Malheur. Doch dank der Büroleiterin mit Superhirn kommt alles wieder in Ordnung, bis auf eine Kleinigkeit. Die lernt die Öffentlichkeit als Ticketaffäre kennen.
Was wie eine Weihnachtsgeschichte klingt, ist auch eine, zumindest gibt es für den verfolgten Herrn C. einen Freispruch der allerersten Klasse.

Ein weiteres Beispiel von schlechtem Stil darf ich wöchentlich an der TU erleben. Dort gibt es eine Professorin, deren größtes Vergnügen es ist, Referenten vor dem ganzen Seminar durch den Kakao ziehen zu lassen. Zu lassen deshalb, weil sie eine kleine Gruppe von Claqueuren und Speichelleckern hat, die auf ein Stichwort hin pseudointelligente "Fragen" stellen, die dann von Frau Professorin kommentiert werden.
Und das geht so: Man pickt sich eine These heraus, stellt diese zur Disposition, fragt den Referenten, ob er sich da wirklich sicher sei, fragt erneut, stellt fest, dass er hätte mehr lesen sollen und das ein Artikel nicht reicht, gibt den Ball weiter an die erste Reihe, die das hämisch weiterführt und ergänzt. Am Ende lachen noch drei oder vier weitere mit - und der Referent ist bedient.
Angemerkt sei, dass ich nicht der Referent bin, sondern dieses schlechte Schauspiel, das von Stillosigkeit, Arroganz und Geringschätzung kündet, erleben musste - kurzweilig wollte ich packen und gehen. Kritik ist gut und nützlich, um sich zu entwickeln und zu lernen. Das ist unter aller Sau und hilft keinem. Schade.



29 November 2007 um 14:20 Uhr Kommentare (0)


Plötzlich isset wieder da: Weihnachten

Ja, liebe Leute, es weihnachtet sehr. Nicht nur die unübersehbaren, unausweichlichen, unaussprechlichen Weihnachts-Märkte an jeder Ecke sprechen dafür. Auch schräg gegenüber wurde heute schon aufgerüstet: Vier Adventskandelaber, vier Leuchtsterne (blinkend natürlich), zwei Blinkeketten.

So uncharmant an die kommenden Feiertage erinnert, heute ein kostenloser Service von mir. Bevor die Hektik, die Panik ausbricht ein paar Geschenkeoptionen.

1. Für die Leser hätten wir die lang erwartete Neuausgabe von Karl Gutzkow (wem das nichts sagt, der kann sich hier einlesen).
Oder darf's was von Spengler sein? Auch bei diesem wurde Neues entdeckt.
Wer sich mit Esoterik und Mystik befassen will, kann die Neuversion zur Artussage lesen.

2. Für die Musikfreunde vielleicht das Audiobook mit den Aufzeichnungen Schönbergs.
Auch ein paar Chansons von Becaud unterm Weihnachtsbaum können für Stimmung Sorgen.
Eine ganz andere Richtung bedient die DVD vom Liveauftritt Wainwrights in London. Einen Vorgeschmack kann man bei youtube sehen.

3. Wollen wir die Cineasten nicht vergessen. Wie wäre es mit der Boxausgabe vom Kill Bill?
Um bei den Boxen zu bleiben, ist die Collectorsversion von Der Pate auch keine schlechte Idee.
Ganz günstig und ganz gut ist Alles auf Zucker, ein Film von X Filme, die ziemlich sehenswertes deutsche Kino machen.

Nix dabei? Na gut, dann noch was, das Ü50 (vielleicht erst Ü60) immer geht. Gleichwohl ich frei gestehe, dass ich diesen Song selbst immer wieder höre. Hörproben auf Anfrage ...

Demnächst mehr an dieser Stelle. Stay tuned oder wie das heißt.



26 November 2007 um 23:50 Uhr Kommentare (1)


Nur noch gute Nachrichten!

Die Hölle, das sind die anderen, sagte einst ein gewisser Herr Sartre. Ganz in diesem Sinne klagten wir am 10.11. bereits über diese Hölle.

Da nun schlechte Nachrichten keine guten sind und die guten viel lieber vernommen werden als die schlechten (wobei "gut" auch einfach "platt" sein kann, wie eine Berliner Zeitung aus dem Hause A.S. immer wieder gerne belegt), gibt es ab sofort an dieser Stelle nur noch good news. Das glaubt keiner?! Von wegen, fangen wir an ...

1. gute Nachricht: Andrej Holm ist seit über zwei Wochen den Fängen der Stasi 2.0 entronnen, Fazit: eine grandiose Verschwendung von Zeit
2. gute Nachricht: Gegen die Schnüffelei von Seiten gewisser Herren und Behörden gibt es Widerstand und Entsatz
3. gute Nachricht: Sogar innerhalb der regierenden Parteien kommen Zweifel an den Ausfällen und Vorstößen der Herrn im BIM. Aber lesen Sie selbst, verehrte Leserin, verehrter Leser.

Habe ich zu viel versprochen? Zur Belohnung gibt's nen bißchen Kino. Schönen Sonntach noch.



25 November 2007 um 12:40 Uhr Kommentare (0)


Arm werden in Berlin

Ich bin von Natur aus, qua Erziehung ein freigebiger Mensch. Ich spende für den Obdachlosenverein und für die HIV-Aufklärung, ich habe mal 20 oder 50 Cent in der Tasche. Aber zwischenzeitlich weiß ich nicht, wo anfangen, wo aufhören. Es gibt so viele Menschen, die eine milde Gabe von mir wünschen, dass ich kurz vor der Privatinsolvenz stünde, gäbe ich jedem jedes Mal etwas.

Es fängt an im U-Bahn-Zugang, dort sitzt die "Biiiiittebiiiitte"-Frau mit regelmäßigem Arbeitszeiten zwischen 09:15 und 18:00 Uhr, so dass wir uns meist zweimal am Tag sehen. Dann habe ich in einer der drei oder vier Bahnen, die ich nutze, einen Musiker. Oder jemand, der sich dafür hält. Besonders montags und dienstags sind Bahnfahrer augenscheinlich überproportional musikalisch. Bis jetzt musste ich erleiden:
einen Johnny Cash-Imitator (1x), den Mann mit dem Akkordeon (4x), die Frau mit der Gitarre und spanischem Volksgut (4x), einen Irish Folk-Sänger (2x), den Stehgeiger, nicht klassisch (2x), den Stehgeiger, klassisch (1x) sowie nicht weiter zuordenbare Geräusche (3x).
Danach (zur selben Stunde) möchte mir jemand eine der diversen Obdachlosenzeitschriften verkaufen oder "ein Bonbon, eine Banane, nen Wasser - alles hilft." Nach dem Ausstieg aus der Bahn kommen die "Geschenke" in Form einer lokalen Tageszeitung, im Gegenzug darf ich ihnen dann eine Abon abnehmen; knapp gefolgt vom ADAC, Lichtblick-Strom und Finanzdienstleistern, die mir morgens um 09:50 Uhr ganz tolle Sachen "schenken".

Auf dem Heimweg kommen je nach Uhrzeit erneut die Musiker, weniger die Verkäufer, die kommen erst wieder am späteren Abend. Und zuhause angekommen, erwartet mich die "Biiiiittebiiiiitte"-Frau, die jetzt durch die zwei Jungs, die Fahrscheine wollen, Verstärkung hat; der eine stellt es fest (Fahrscheine. Fahrscheine.), der andere fragt es eher (Fahrscheine? Fahrscheine?). Zusammen gibt das einen Großstadtrap:
Biiiittte - Fahrscheine. Biiiiiitte - Fahrscheine? - Biiiitte - Fahrscheine- Fahrscheine?

Gäbe ich jedem jeden Tag nur 50 Cent (die Abo-Mädels wollen ja Geschenke machen), so wären das am Tag 2 Euro in der Woche 10 Euro, im Monat 40 Euro. Ok, noch kein Grund für eine Privatinsolvenz, doch ein kompletter Wocheneinkauf. Also: Wo anfangen, wo sparen?



21 November 2007 um 09:50 Uhr Kommentare (3)


Hartmut der Harte

Nach dem Lexikon der Vornamen bedeutet Hartmut "hart von Gemüt". Wie gut Namen manchmal zu ihren Trägern passen ... Zwar gibt es Menschen, die bezeichnen diesen Hartmut als den Haltlosen (oder gar schlimmeres), doch bleiben wir bei hart.

Hart ist es, was die Pressestelle des Herrn gestern in fast allen überregionalen Tageszeitungen veröffentlichte (mir bekannte Ausnahme ist die taz): Stoppen Sie diesen Wahnsinn, der Herr Schell! so der Titel. Die "Anzeige" in etwas schlechter Qualität hier. Tenor der Aktion: Alle finden den Hartmut und seinen Laden gut, die kleine Gewerkschaft mit Partiklularinteressen doof (Das sehen die großen politischen Parteien so, das sehen Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften so und fordern uns auf, nicht zuzulassen, dass die bewährte Tarifeinheit in Deutschland zerstört wird.)
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Nicht nur die Parteien, nein auch die Gewerkschaften fordern "uns" auf (mit "uns" und "wir" scheint der Vorstand der DBAG gemeint zu sein) etwas nicht zuzulassen. Wow! Chapeau! Sofern "die Gewerkschaften" die handzahme Transnet meint, hat der Hartmut vielleicht sogar recht.

Doch nicht in Print, auch in Bildern schlägt das (Propaganda-) Imperium des H.M. zurück, so hirn- wie gnadenlos. Lesen wir doch ein bißchen in der FR: Doch seit die Lokführer streiken, nutzt die Bahn ihren Hauskanal auch als Propaganda-Bastion im Abwehrkampf gegen die GDL. In den Nachrichtensendungen, die der über Satellit und Internet empfangbare Sender viermal täglich ausstrahlt, werden die Zuschauer über die neuesten Gemeinheiten der Lokführer aufgeklärt - höchst einseitig und parteiisch. Zu Beginn der 15-minütigen Nachrichten dürfen meist die Mitglieder des Bahnvorstands einige Minuten lang erzählen, wie gut die Notfallpläne der Bahn funktionieren, wie gerne sie aber auch wieder verhandeln würden.
Mit dem kleinen Überschuss, der der Bahn nach den kleinen Erhöhungen des Vorstandes geblieben ist, weiß der harte H. zumindest sinnbringend umzugehen. Und dass Menschen, die in Presse und PR-Abteilungen arbeiten, weder Gewissen noch Anstand noch Arbeitsethos haben düfen, fürchtete ich immer schon.

So scheint für H.M. zu gelten: I'm a loser, baby ... Unterdessen gilt für Herrn Manfred S. anscheinend: Ich bin ein Star ... Wer am Ende gewinnt? Natürlich der, der foto- und telegener ist. Also wohl keiner von diesen beiden.



16 November 2007 um 14:30 Uhr Kommentare (2)


Am Tag als Münte den Büttel hinwarf

So. Nun also. Jetzt. Da isser wech, der Münte. Zack. Kein großes Theater. Kein Drama. Keine Attitüden. Nur wech, der Münte.

Es ist erstaunlich, wie ihn plötzlich alle gern hatten, den Münte. Die Presse ist begeistert. Endlich wieder etwas, worüber man mindestens drei Tage Analysen, Kommentare, Rückblicke, Orakel und "Specials" verfassen kann. Sei es die FAZ (gelassen), die FR (honorig), die WELT (großer Künstler), die taz (der Rätselhafte) oder die BILD (härteste Genosse). Was mögen wir lesen, wenn er mal endgültig von uns geht, der Münte?

Und sonz? Ist sogar der "große Streik" der GDL auf Seite 2 zurückgefallen. Aber es wird weiter gestreikt. Der gemeine Bahnfahrer hat ja genug damit zu tun, über den Münte (s. o.) zu lesen.

Zum guten Ende sei beklagt, dass ich seit Tagen einen Ohrwurm habe, der verdammt alt ist. Ich glaub, ich werde alt ... Wer das Lied an den ersten drei Takten erkennt, ist Ü30. (Tut mir auch leid). Gesungen hat es auch der ; und die sowieso.



14 November 2007 um 23:15 Uhr Kommentare (1)


Gesperrt in Deutschland

Leider muss ich heute ein wenig juristisch werden; aber keine Sorge, es wird nicht so schlimm. In diesem - zur Zeit kalten, nassen und stürmischen - Lande gibt es eine komische Sache, die sich Grundgesetz nennt. Das hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt gegeben und ist das höchste unserer Bundesrechte, es gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

Wie es in Gesetzen üblich ist, gibt es eine Menge Text, Paragraphen, Absätze und Unterabsätze. U. a. steht da in Art. 10: Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich. Papier ist geduldig und unsere "Staatsmänner" sind kreativ; also hat sich, neben anderen, der Wolfgang, auch bekannt als Stasi 2.0, gedacht, dass das, angesichts der steten Terror- und Anschlagsgefahr (man schaue in die Zeitungen, wie viel heutzutage so passiert - besonders in Deutschland, noch spezieller in akut gefährdeten Orten wie Tuttlingen, Delmenhorst oder Erkner, um nur ein paar Brennpunkte zu nennen), ein bißchen viel an Freiheit ist. Kurzum: So geht es nicht, das gehört eingeschränkt. Und deswegen hat die Große Koalition, die sich sonst in wenig einig ist, die Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Klingt komisch, ist aber so. Was das genau ist, kann man hier (taz) , hier (AK Vorratsdatenspeicherung) oder hier (FR) nachlesen. Wer's kommentiert mag, schaue hier (FR) , hier (taz) oder gerne auch hier (FAZ).

Wer dann ein wenig weiter im Grundgesetz stöbert, findet so merkwürdig anmutenden Dinge wie Freiheit und Freizügigkeit in den Artt. 1 und 11. Und dann kommt der Knaller: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Deswegen steht am Reichstagsgebäude auch Dem deutschen Volke und nicht Dem deutschen Abgeordneten oder gar Der deutschen Regierung.

Allerdings - wir lasen es bereits - ist das alles relativ. Zu bemerken ist es im Alltag nachgerade in der deutschen Hauptstadt. Da werden für Staatsbesucher ganze Plätze gesperrt, sei es der Pariser Platz, damit 50 Limousinen mit Personal drauf parken können. Oder halt mitten im Berufsverkehr der Ernst-Reuter-Platz. Dann gilt für den gemeinen Souverän aka Staatsbürger aka verwaltetes Objekt: Bleiben Sie auf dem Bürgersteig stehen und gehen Sie nicht über die Straße! Zackzack, marschmarsch. Und wehe, wenn ... Denn es brausen in paar S-Klassen, 20 Motorräder der Polizei, ein paar Streifenwagen, ein Einsatzleitungsfahrzeug und nen Krankenwagen vorbei. Mit wenigstens 80; 50 gilt nur Otto Normal. Danach bleiben erst mal alle Ampeln auf rot, wer sich bewegt, hat verloren.

Die Arabeske am Rande lieferte die BZ. Unser Staatsbesuch fährt natürlich vom Adlon zum Brandenburger Tor (für nicht-Berliner: Es sind um die 100 Meter), um es zu besichtigen:
Tor-Spaziergang mit dem Schwulen-Auspeitscher. Als wäre es für einen 83jährigen Autokraten nicht schon schlimm genug, mit einer Frau als Regierungschefin reden zu müssen ...

Gute Nacht, Deutschland.



10 November 2007 um 01:25 Uhr Kommentare (0)


Quer durch Deutschland

Gestern hatte ich Post. Von meiner Krankenkasse und von der Gewerkschaft. Das ist an und für sich recht unspektakulär. Wenn jedoch die einen mich in Freiburg verorten, die anderen in Essen, wird es schon interessanter.

Schreibt die Krankenkasse: Auf eigenen Wunsch oder aufgrund eines Umzugs werden Sie zukünftig von Freiburg betreut; und schickt es nach Bochum. Schreibt die Gewerkschaft: Wir freuen uns Dir mitteilen zu können, dass Du ab sofort von Essen betreut wirst; und schickt es nach Berlin.

Spricht die Krankenkasse: Das verstehen wir auch nicht, muss ein Systemfehler sein. Spricht die Gewerkschaft: Das muss ein Fehler im System sein, das ist nicht nachvollziehbar.
Ist das "System" nicht nur so klug wie die, die es entwickelt haben? Sollten Krankenkasse und Gewerkschaft die gleichen Systementwickler haben? Ist das der Beginn der systematischen Übernahme der Macht durch "Fehler im System"? Oder ist das einfach nur Dummheit und Unfähigkeit?

Genug der Spekulationen an einem kalten Donnerstag Morgen.



08 November 2007 um 10:00 Uhr Kommentare (0)


Ein unvermeidlicher Nachtrag

(Frustblog II - weniger frustriert)

Im Parlament von dieser Woche findet sich ein Interview mit Dieter Lenzen, Präsident der FU Berlin (der exzellenten, versteht sich). Darin dieser Satz:
Mittelfristig werden wir um ein stärker gestuftes System nicht herumkommen. In den USA ist völlig üblich, dass Studierende die Uni mit einem Satz Zertifikate für bestimmte Module verlassen und so nachweisen, was sie gelernt haben. Das deutsche System ist mit dem berufsqualifizierenden Bachelor zwar etwas flexibler geworden, aber immer noch abschlussorientiert. Wir müssen auch denen etwas mitgeben, die kein volles Studium absolvieren wollen oder können. Sie haben ja etwas gelernt - also muss man ihnen auch die Möglichkeit geben, damit etwas zu machen.

Ok, es ist eher ein Abschnitt. Doch der ist mal gar nicht mal dumm. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, bist du nichts, wenn du nichts abgeschlossen hast (ein wahrhaft teutsches Phänomen). Entweder das verführt dazu, nur nach der Büfettform zu studieren und sich mit dem Errungenen zufrieden zu geben, oder es hilft, auch denen, die den berühmt-berüchtigten Arbeitsmarkt erkunden wollen, ihre Ergebnisse nachdrücklich nachzuweisen.



03 November 2007 um 18:15 Uhr Kommentare (0)


Frustblog

(hätte auch heißen können: We are the ones they left behind)

Zwei Wochen an der TU liegen hinter mir. Zwei Wochen, in denen ich vor lauter Studium nicht zum bloggen kam (sic!). Das sei nun nachgeholt.
Das erste, was man in Veranstaltungen hört, ist: Wir laufen aus! Das recht ist wörtlich zu verstehen, werden doch die klassischen Institute und Fächer zum Wintersemester 2010/11 abgeschafft. Dann ist Schluss mit Geschichte und Literatur (und erst recht mit lustig), dann gibt es "Angewandte Kulturtechnologie" - was immer das sei.

Dank der exzellenten Hochschulpolitik in diesem Lande, die jeden EU-Blödsinn eifrig mitmacht (an anderer Stelle geiferte ich schon dagegen), gibt es seit letztem Monat nicht nur exzellente Unis in Deutschland, sondern auch den Niedergang der Wissenschaft zu bestaunen. Nein, natürlich nicht der Wissenschaft insgesamt; die Geisteswissenschaft reicht ja für's erste. Denn wennde keinen Robohund bauen kanns', der lustich über's Parkett wackelt, kannste einpacken und wirst eingedampft.

Doch ich will fair sein: Wir befinden uns nun einmal an der Technischen Universität, die nun mal nur eine Philosophische Fakultät hat. Dass diese wie ein Stiefkind behandelt wird, kann mithin nicht völlig verwundern; dass es so gut wie gar keine Mittel mehr gibt, mag man mit einem weinenden Auge sehen.

Dank des visionären Jürgen Zöllner, seines Zeichens Wissenschaftssenator der Hauptstadt, und gesegnet mit einer exzellenten Uni, werden die Geisteswissenschaftler noch schneller abgespült werden. Wie ein älterer Herr professoralen Status' auf meine Frage, was denn nach 2010 sei, sagte: Dann geben wir den Schlüssel ab und gehen. Denn über eines braucht sich keiner Illusionen zu machen: Wenn der werte Herr Z. erst einmal sein Free Humboldt Forum for whatever hat, muss irgendwo gespart werden. Wo? Natürlich dort, wo es nicht exzellent ist - an der TU oder HU, wobei die zweite noch bessere Chancen hat, ungeschorener davon zu kommen.
Schon heute ist die Ausstattung antiquiert, die Sitzmöbel sind für andere Menschen als die heutigen gemacht, die Tische sind schrammelig und die technische Ausstattung nicht erwähnenswert. Wo noch sparen?

Aber ich bin guter Hoffnung, dass wir nach 2010 nur noch exzellente Studenten, exzellentes Universitätspersonal und exzellente Wissenschaft haben (die natürlich im internationalen Wettbewerb exzellent ist) - der Rest wird Geschichte, die nicht mal einer mehr erforscht --- Pardon, ich vergaß den Angewandten Kulturtechnologen.
Und wenn ich noch mal exzellent höre, muss ich mich ganz exzellent übergeben. Am besten am Freien Humboldt Forum bei den Worten des Herrn Z.

Was sonst noch zu "Frust" passt ... Die Deutsche Bahn, na klar. Ich weiß nicht, ob ich den offenen Krieg zwischen Frau Suckale und Herrn Schell dumm, peinlich, unnütz oder alles zusammen finde. Grundsätzlich bin ich für die Nutzung des Streikrechts und starke gewerkschaftliche Aktionen, doch das, was seit einem Monat läuft, ist ein persönlicher Kampf zwischen Mr. GDL und Mr. Bahn. Was am Ende steht, weiß keiner.
Ich zumindest weiß, dass man seit gestern Fahrkarten über den 08.12. hinaus buchen kann. Heute ist der Sparpreis 50 für den 22.12. nicht mehr zu bekommen. Wen will die Bahn da verarschen?



02 November 2007 um 12:30 Uhr Kommentare (0)


Wo kommen wir denn da hin?

Da ich von Natur aus faul bin und nicht immer wieder die Frage beantworten will, wo ich denn nun wohne (neuerdings, sprich in Berlin), sei es einmal der Öffentlichkeit mitgeteilt.

Postalisch und verwaltungstechnisch wohne ich in Neukölln, im Reuterkiez, was knapp an der Grenze zu Kreuzberg und am Landwehrkanal ist. Aufgrund dieser Nähe zum nächsten Bezirk (und weil Neukölln, nun, ein wenig negativ belastet ist) heißt das hier auch Kreuzkölln; was so los ist und was gibt, findet man in diesem Blog.

Wenn ich nach links aus dem Haus gehe, komme ich auf den Kottbusser Damm, gehe ich nach rechts, komme ich entweder über die Friedelstr. nach Kreuzberg oder geradeaus weiter auf den Hermannplatz. Auf der gegenüberliegenden ("guten") Seite des K-Damms ist der Graefekiez, ein paar Schritte weiter über den Kotti befindet sich der "alte Bezirk" SO 36, der heute noch im selbigen Clubnamen vorkommt. Schräg umme Ecke, am Maybachufer, ist dienstags und freitags Markt, auf der anderen Seite, am Paul-Lincke-Ufer, steigen die Mieten.

Wer's genauer bzw. anschaulicher braucht, werfe einen Blick in die Karte.



18 Oktober 2007 um 14:20 Uhr Kommentare (1)


Was it worth it?

Heute geht es literarisch zu. Im hübschen Park-Café zu Alt-Mariendorf las ich, zugegebenerweise nach längerer Zeit, Dostojewskis "Weiße Nächte" aus.

Es hat mich doch sehr an "Erniedrigte und Beleidigte" erinnert - ich möchte so kühn sein zu behaupten, dass der Topos der Selbstverleugnung und -aufopferung nicht nur ein typischer im Werk vom D. ist, sondern gerade hier die Weißen Nächten (1848) eine Art Vorgängerversion der Erniedrigten und Beleidigten (1861) sind.
Schrieb ich damals über Iwan, den Protagonisten des Werks von 61: Ebenso bei Iwan, den ich bewundere, den ich verabscheue, den ich nicht verstehen kann; wie kann ein Mensch sich so selbst verleugnen und dabei noch so gut sein?, so könnte ich heute dasselbe über den Ich-Erzähler schreiben.

Möchte man D.s "Frühwerk" bis zum ersten "großen" Roman, "Schuld & Sühne" (oder auch "Verbrechen & Strafe") sehen, so finden sich darin immer die gleichen Topoi: Liebe, Opfer, Selbstaufgabe, Leid, Einsamkeit, Ausgegrenztheit (was nicht heißt, dass dies nicht in den späteren Werken auch zu finden sei). Die Liebe ist agape, nie eros, das - eigentlich geringe, oftmals gemeine - Gefühl, wird durch die Tat, ja, durch die Liebe selbst aufgewertet. Der Ich-Erzähler gibt sich und seine Liebe auf und empfindet diese eine Stunde Glückseligkeit als höchstes Gut, wofür sich sein Leid lohnt.

Interessant ist dabei das Motiv der Spinnweben in der Kammer, dass zu Anfang und zu Ende des Romans eine Art Klammer bildet (zusammen mit der Sicht des Protagonisten aus seiner Kammer). In diesem Fall wird niemand dahinter einen Einfall vom Vampirromantik sehen; eingangs fallen sie dem Erzähler (störend) auf, am Ende sind zwar physisch beseitigt durch die Hausbesorgerin, psychisch aber um so stärker vorhanden. Ich würde sie - möglicherweise nicht in harmonischer Eintracht zu anderen Lesern - als Zeichen der geistigen Verstricktheit und der - vom Erzähler subjektiv empfundenen - Verstrickung in ein anderes Leben und die Liebe sehen. Ob dabei Nastenka eine Art Spinne ist, die - aus Arglosigkeit und fast schon sträflicher Naitivtät, gepaart mit viel juvenilem Egoismus - ihr Netz gleich um zwei Männer strickt, sei fürderhin gestellt.

Basis all des Empfindens ist die Entgrenzung "vom Leben", die Isoliertheit mit und unter Menschen, was weiter geht und zu sehen ist als das Alleinsein. Der Protagonist nicht nur allein in seiner Kammer, die nur von Matrjonka auf gesucht wird (die keine Gesellschaft darstellt, denn sie ist zwar ein gutes Mütterchen, aber ein wenig stumpf), er ist nicht nur allein auf den Petersburger Straßen im Frühsommer, er steht vielmehr in Diametralität zu allen anderen. Sei es soignierte Herr oder die arme Köchin - alle ziehen aus, haben jemanden, "leben", nur er ist für sich, mit sich und kann sich nicht mitteilen. Sich selber Gesellschaft zu sein, führt zu dem - pragmatisch gesehen nicht nachvollziehbaren - "Ausbruch" (Überlauf des Herzens!) gegenüber Nastenka.

Die aufgeworfene Frage, ob eine Stunde Glück für ein ganzes reichen mag, ja, ein ganzes Leben quasi ersetzen kann, muss für den Schriftsteller D. bejaht werden. Allzu oft findet sich dieses Motiv, auch in anderer Formulierung, allzu sinnfällig ist es für sein Leben. Stefan Zweig beschreibt es in Heroischer Augenblick prägnant und eindrucksvoll:
Aber innen / Beginnt das Blut nun farbig zu rinnen.
In spiegelnder Flut / Steigt aus dem Blut /
Gestaltetes Leben, Und er fühlt
Daß diese Sekunde, die todgeweihte,
alle verlornen Vergangenheiten / wieder durch seine Seele spült:
Sein ganzes Leben wird wieder wach /
Und geistert in Bildern durch seine Brust;
[...] /
Bis zur Sekunde / Da sie ihn an den Pfahl gebunden.
Dann wirft ein Besinnen / Schwarz und schwer /
Seine Schatten über die Seele her.
[...]. /
Da bricht / Er ins Knie wie gefällt.
Er fühlt mit einmal die ganze Welt /
Wahr und in ihrem unendlichen Leid.
Sein Körper bebt / Weißer Schaum umspült seine Zähne,
Krampf hat seine Züge entstellt, / Doch Tränen /
Tränken selig sein Sterbekleid.

Wo es gerade so lyrisch zugeht, poetisch in die Tastatur fließt, zum Abschluss ein paar passende Zeilen von Leonard Cohen:
A sigh, a cry, a hungry kiss /
The gates of love / the budged an inch.
I can't say much has happened since
but Closing Time.



13 Oktober 2007 um 18:10 Uhr Kommentare (0)


May I?

Vieles assoziiert bei "May I?" Da gab es den Film mit dem älteren Richard Gere und der bewundernswert untalentierten Jennifer Lopez, der "Shall we dance?" hieß und bei dem ich immer an "May I?" denke. Da gibt es die unverbindliche Fragen nach dem Dürfen (Darf ich Platz nehmen?).

Und es gibt ein Programm, dass sich so nennt. Korrekterweise sollte es "May I screw?" heißen, denn es tut ja nichts anderes, als einem den Austausch von Körperflüssigkeiten zu bestimmen Tagen zu erlauben - oder auch nicht.
Konkrekt heißt das: May I ? analysiert auf der Grundlage von Körpertemperatur und Zervixflüssigkeit (oder Muttermund) Ihre unfruchtbaren, fruchtbaren und hochfruchtbaren Tage. Übersichtlich und leicht verständlich aufbereitet. Chapeau! Ich bin einmal mehr froh, dass ich damit nichts am Hut habe. Besonders weil "May I?" überraschenderweise kein[en] Schutz vor Krankheiten... die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können bietet. Verfluchte Tat!

Wobei das sowieso nichts für mich wäre, da man morgens immer zur gleichen Zeit seine Temperatur messen muss. Nicht anders beim Lady-Comp, doch lachen einen auf der Eingangsseite wenigstens zwei Grazien mit ihren Weckern an. Grün und rot kann jeder, der keine Rot-Grün-Schwäche hat (und die haben meist Männer), bedienen, ob ein türkiser Lidschatten dafür auch notwendig ist, sei fürderhin gestellt.
Schließen wir mit Perlen der Weisheit: Rot heisst Stop - das sind die empfängnisbereiten Tage. Grün heisst Go - das ist die empfängnisfreie Zeit. Auf dieses Verkehrssignal ist vom ersten Tag an Verlass. Auf die Verkehrsprognose!



11 Oktober 2007 um 23:45 Uhr Kommentare (1)


Die Berge kreißen ...

(oder: Der Sturm im Medienhimmel)

Endlich wieder ein Skandal. Skandal? Hm ... Worum geht es? Na, um Eva Hermann natürlich, die "braune Eva" mit ihrem Müttergenesungswerktick. Was ist da nur passiert?

Wir sehen den blonden Engel der deutschen Flachlaberkunst, Johannes B., der mit qualifizierten Gästen (die gute alte Senta, wie eine Schäferhündin; die immer aufmerksame Margarete, wie ein Terrier; der als kompetent bekannte Mario und natürlich die dumpfmuffende Eva, deren blauäugige-provokante Dummheit noch nie aufgefallen ist) ein neues Thema kritisch ausdeutet: Rollenverteilung von Mann und Frau. Oh ha.

Und während alle Fachleute lecker diskutierten, rutschen der Eva politisch bedenkliche Sätze heraus: Es sind auch Autobahnen damals gebaut worden, und wir fahren heute drauf. Hu. Endlich ein Grund zur Panik: Das Publikum johlt, nur ein einziger Zuschauer applaudiert. "Das kann nicht sein, was Du hier gerade erzählst", meint Margarethe Schreinemakers und schüttelt den Kopf. Und dann sagt die Eva noch: Ich muss einfach lernen, dass man über den Verlauf unserer Geschichte nicht reden kann, ohne in Gefahr zu geraten. (Den Wortlaut in Auszügen hier).
Nun ist aber Schluss mit lustig, denkt sich der Johannes und bittet die Eva hinaus. Ab in die Ecke, schämen. So ging sie: Eva Herman blieb freundlich, erhob sich und verließ das Studio so würdevoll wie es ihr möglich war. Zurück blieb eine lahme Gesprächsrunde und ein Moderator, der sich im guten Gefühl der eigenen Politicall Correctness sonnen konnte. Schreibt die - auch verdächtige - taz.

Ist das jetzt ein Skandal? Aber immer. Und wie. Doch nicht das Geblubber von Eva, sondern das, was daraus gemacht wird. Medienorgasmus pur. "Die Republik" ist empört, ganz vorne weg die Bild, gefolgt von der Welt, die sogar ne Bilderstrecke im Angebot hat. Ein Schelm, der da böses über gewisses Zeitungsverlage in Berlin denkt ... Welcher Verlag mag wohl das nächste Buch von Eva H. veröffentlichen (Arbeitstitel: Mein Leben auf der Flucht. Das brutale Ende der schönen Eva H.)?

Da freut man sich fast schon auf die gute alte FAZ: Aber Zeitgeschichte ist eben keine Autobahn, auf der man immer schön geradeaus fährt. Die Professoren der Zeitgeschichte sitzen heute im ZDF-Studio. Und wenn dann noch eine frauenbewegte Senta Berger und eine meckernde Margarethe Schreinemakers dabeisitzen - dann braucht man mindestens ein Navigationsgerät, sonst kurvt man orientierungslos durch die Zeitläufte, und gleichgeschaltete braune Keulen sausen erbarmungslos nieder. Oder man fährt gegen die Wand und findet sich vor dem Arbeitsgericht wieder.

Oder eben die taz (was ein Buchstabe so ausmacht ...):
Aha. Und warum stand das am Dienstag schon vor der Sendung auf Spiegel-Online?
Wegen der Quote. Und weil "Johannes B. Kerner" am Nachmittag aufgezeichnet wird. Harald Schmidt macht das so, um abends früher zu Hause zu sein - und Johannes B. Kerner und Konsorten, weil sie Streber sind und gerne schon vorab mit den "Sensationen" prahlen, die sie am Abend versenden. Auch in Bild stand übrigens, dass Eva Herman das Studio verlassen musste - und zwar bevor sie es im ZDF betreten hatte. Der Draht zwischen "Johannes B. Kerner" und Bild ist besonders kurz: Redaktionsleiter Markus Heidemanns ist der Bruder von Martin Heidemanns, Mitglied der Bild-Chefredaktion.
Wer ist Eva Herman?
Unsere Antwort auf Britney Spears bzw. die in Deutschland zurzeit gefragteste Selbstpromoterin. Erst als "Tagesschau"-Sprecherin, dann als Talkshow-Moderatorin, nun als Agentin einer katholisch fundamentalistischen Minderheit, die mit Publikationsunterstützung des Pendo-Verlags auf ihre Existenz aufmerksam macht. Sogenannte "Versprecher" und "Missverständnisse" sind neben der Blondie-Optik Teil ihrer Verkaufsstrategie: Als Märtyrerin kämpft sie gegen den Rest, der immer gegen sie sein muss. Bei Verwendung von Nazi-Begriffen ist das garantiert der Fall.

Qed. Die chronique scandaleuse folgt der alten Weisheit: Die Berge kreißen und nur eine lächerliche Maus wird geboren. Denn man tau. Und immer weiter diskutieren ...



11 Oktober 2007 um 14:30 Uhr Kommentare (0)


Ick wollt' Ihnen ma' fragen ...

Berliner Leben, die 1ste

Heute Morgen bin ich früh (für meine Verhältnisse früh!) aus dem Bett, der Wagen wird heute vom Käufer abgeholt. Aber ich war nicht früh genug, der Ofenbauer war früher.

Beim Versuch, im Wohnzimmer zu heizen, bin ich über das Kohlenholen nicht hinausgekommen, das Abluftrohr lässt sich nicht öffnen: kein Zug, kein Wärme. Das Fax an "die Hausverwaltung" vor zwei Tagen führte zum heutigen Anruf des Ofenbauers:
Hier ist die Firma *nuschelnuschel* wegen die Öfen. Ich wollt' Ihnen ma' fragen, also, wir könnten am Freitag Vormittag, vorher geht nüsch', *nuschelsnuschel* denn sonst müssten Sie so lange warten. Wenn nich', könn'se ja anrufen , Firma *nuschelnuschel*, die Nummer is' 12 34 56. Danke für Ihr Verständnis.

Das war um 07:23. Um 08:05 rief ich voller Hoffnung, es könnte auch vorher klappen, an, denn an einem Tag länger warten, wäre ja ok. Der gleiche Geburtsberliner, der auch eine halbe Stunde vorher schon umtriebig war, ging ans Telefon. Es irrt der Mensch, solang' er strebt ...
"Lange warten" bezog sich beileibe nicht darauf, dass es vor Freitag ginge, sondern dass ich normalerweise wenigstens fünfsähn Tage warten müsste, das sei schon det schnellste und "er" (wer immer "er" sei) könne auch ganz früh am Morgen kommen (was dann nicht so ganz auf Gegenliebe bei mir stieß) oder aber halt am Vormittag. Was denn Vormittag in einem Zeitfenster sei, fragte ich noch ... Dit is' so ab neun bis ölf oder später

Ich mag ja die "Berliner Schnauze", doch vor'm ersten Kaffee bin ich ihr nicht gewachsen. Was wäre der Abend ohne Heizlüfter ...



10 Oktober 2007 um 08:45 Uhr Kommentare (0)


Kreuzberger Nächte sind lang

(und wieder einmal: Kunst, die xte)

Da waren wir mal wieder im Ballhaus, die drei Mädels von der Tankstelle (oder besser gesagt: die Mädels und ich, wobei im Ende - seien wir ehrlich - Thekenschlampe Thekenschlampe bleibt) und der Poetry Slam 2007. Das Publikum war dem am Mittwoch nicht unähnlich (welch' Überraschung!), das Halbfinale inhaltlich und in der Art nicht anders als die Vorrunden (2. Überraschung!), aber der Umsatz war besser. Mein Favorit für das heutige Finale im Admiralspalast: SMAAT

Chefin war wieder in Höchstform, einmal muss es schneller gehen, dann muss aufgefüllt werden, dann hat die Kundschaft immer Vorrang, auch wenn die Kühlschränke leer sind, dann wieder anders. V. immer & überall, Augen & Ohren immer dabei & mittendrin, Beträge wispernd, Anweisungen raunend, beobachtend, kassierend, tragend, füllend - präsent (wenn wir weiter ehrlich sein wollen: omnipräsent).
Ich wundere mich dabei über mich selber, die willig ich die Domestikenrolle hinnehme, der "Job" muss mir Spaß machen, ich rolle nur ab & an mit den Augen und fluche in die Kühltruhe. Oder mit fällt halt mal eine Lage Gläser runter ... (ich sollte mich doch in Scrat umbenennen; Korken haben bisweilen eine ungeheuerliche Ähnlichkeit mit Eicheln). So ein Kontrollfreak Chefin auch ist, sie ist fair ("hart, aber gerecht") und unterhaltsam.

Die Arbeit "im Service" und mit Kunden vis á vis gestaltet sich in der Tat abwechslungsreich. So langsam habe ich den EIndruck, "der Kunde" entblöde sich nichts. Ein paar Perlen aus dem reichen Anekdotenkästchen seien zum besten gegeben.

Take 1
Wir haben 3 Sorten Bier, davon keine alkoholfrei. Eine Kundin will es nicht glauben. Es entsteht dieser Dialog (nicht wörtlich, aber inhaltlich 1:1)
K: Haben Sie alkoholfreies Bier?
I: Nein, leider nicht.
K: Sind Sie sich sicher?
I: Ja.
K: Wirklich?
I: Ja, die Kollegin auch.
K - geht
K - kommt wieder
K: Sie haben aber alkoholfreies Bier!
I: ???
K: Mein Mann ist sicher, dass er von Ihnen ein alkoholfreies Bier bekommen hat ...
I: Ich bin seit vier Stunden hier und habe kein alkoholfreies Bier verkauft, WEIL WIR KEINES HABEN!
K: Sind Sie sich wirklich ....
I: JA! Wir haben K-E-I-N alkoholfreies Bier, da bin ich mir GANZ sicher!
K: Ok, dann nehme ich ein Radler.

Take 2
Auf den ausgegebenen Getränken ist kein Pfand.

K: (bringt eine Flasche Bionade zurück) Ist da Pfand drauf?
I: Nein.
K: (untersucht die Flasche) Hier steht aber, dass das eine Pfandflasche ist.
I: Ja, die Flasche an sich hat Pfand, wir erheben aber keines bei der Ausgabe.
K: Also bekomme ich kein Pfand wieder?
I: Nein.
K: Dann nehme ich die Flasche mit ...
und verschwand

Take 3
Wir haben Weißwein- und Rotweingläser à 0,2 l
K - steht unentschlossen vor der Theke, kramt nach Geld
I: Haben Sie sich schon entschieden?
K: Haben Sie Wein?
I: (die Flaschen stehen gut sichtbar auf der Theke) Ja, rot oder weiß?
K: Was kostet der denn?
I: 2,50
K: Beide?
I: Ja, der Wein hat einen Preis.
K: Und welcher ist besser?
I: Was mögen Sie lieber?
K: ... ... ... den weißen, glaube ich
K - will einen Weißwein, bekommt ihn im Weißweinglas
K: Das ist aber ein kleineres Glas ... sind das auch 0,2 l? Das ist doch weniger!
I - will zur Erläuterung ansetzen, werde aber unterbrochen von Chefin
C - nimmt das Weißweinglas, schüttet es um in ein Rotweinglas, stellt es auf die Theke
C: Und, passt es jetzt?!
K: ... ... ja. Was macht das?
I: 2,50
K - kramt, kramt, kramt ... gibt 2,50 in Kleinstkleingeld

Take 4
Süßigkeiten verkaufen sich gut, sind aber lästig, weil sie dauern: Verpackung aufmachen, Tüte nehmen, Greifer nehmen, einfüllen, zumachen, nächstes aufmachen.
K: Was kosten die?
I: 10 ct das Stück
K: Ach, dann nehme ich 5 ...
I: Welche?
K: 2 Mäuse ...
I - aufmachen, greifen, eintüten, zumachen
K: 1 Colaflasche ...
I - aufmachen, greifen, eintüten, zumachen
K: 1 Kirsche ...
I - aufmachen, greifen, eintüten, zumachen
K: ... und ein Lakritze
I - aufmachen, greifen, eintüten, zumachen
K: Oder, warten Sie, ich nehme doch lieber noch eine Maus ...
I - aufmachen, greifen, eintüten, zumachen
K: Und dann noch von den Bananen ...
I - aufmachen, greifen
I: Wie viele?
K: Wie viele haben wir jetzt?
I: 5
K: Ach so ... dann doch keine Bananen
I - zumachen
K: Lieber noch 3 Mäuse und 2 Kirschen
I - aufmachen, greifen, eintüten, zumachen x 2
K: Das sind doch jetzt 10, oder?
I: Ja. Macht dann einen Euro.

Um kurz vor 1 war der Spaß dann vorbei, die Füße waren breit und wir kaputt. Aber das heißt ja nichts, ein bißchen "Aftershow" muss noch sein, nen Absacker passt immer. So wurde es dann kurz nach 4, bis wir heim kamen. Während der Nachbar in 4. Stock gegenüber schon auf war zur Frühschicht, ging ich ins Bett. [So it goes].

Zum Slam gibt es noch zu sagen. Die Einfallslosigkeit ist wirklich überwältigend. Natürlich sind Döner-Türken-Migrationsgeschichten und die ewige Hitler-Nazi-NPD-Leier sowohl politisch voll korrekt als auch grundsätzlich kurzweilig, doch (weiterhin schwimmen wir auf der Welle der Ehrlichkeit) auch so geistlos, ausgekaut, wiederverwendbar, austauschbar, fruchtlos und mutlos. Ob ich jetzt einen "Entertainer" im TV à la Pocher sehe oder mir zum 1.000sten Mal anhöre, dass es im Lande D gar grausam zugeht - es ist öde. Nicht reden, handeln, meine Damen und Herren! Es stimmt zwar, allein von der steten Wiederholung - Pardon: Ankreidung! - wird's nicht besser, eher stumpft es ab.
Besonders enttäuschend waren zudem die Damen im Reigen, deren einzige Themen zu sein scheinen:
a) Männer
b) Periode oder Blutungen diverser (weiblicher) Organe
c) Tampons
d) Chauvinismus, optional Machismo
e) Rollenverständnis
Ok, das sind immerhin 5 (in Worten: f ü n f) Themen, die im Ende aber wieder eines sind. Dazu fällt mir nur ein: gähn schnarch. Habt ihr nix Besseres auf Lager, Mädels?! (Und mir werfe mal keiner Chauvinismus, Machismo oder sonst was vor!). Da ist es spannender, den Kopf in den Kaffeeautomaten zu stecken und die Bläschen zu zählen ...

Um das geneigte Publikum gnädig zu stimmen zum Ende des Geschreibsel: Der Ohrwurm der letzten Tage ist hier zu finden.

Bis die Tage.



06 Oktober 2007 um 17:25 Uhr Kommentare (0)


Gestern im Ballhaus

(oder auch: Kunst die soundsovielte)

Was macht man abends in Berlin am Tag der Deutschen Einheit? Entweder man hängt am Brandenburger Tor mit den Colakonzerten ab, oder man macht was anderes. Was? Zum Beispiel dem Poetry Slam 2007 frönen. Natürlich nicht als Zuschauer. Sondern als Beschäftigter (once again being a Thekenschlampe).

So standen wir ab 17 Uhr hinter'm Counter und ließen den Getränken freien Lauf. Und obgleich die Kunst frei, die Künstler noch freier waren, gab es erstaunlich viel Trinkgeld und guten Umsatz. Und halt: Poetry (is a form of art in which language is used for its aesthetic and evocative qualities in addition to, or in lieu of, its ostensible meaning. Poetry may be written independently, as discrete poems, or may occur in conjunction with other arts, as in poetic drama, hymns or lyrics.).

Die Güte & Originalität waren durchwachsen, vom wenig innovativen Kreuzberg-Türken-Slang über den wenig originellen, doch gleichwohl amüsanten Versuch, in P-berg als X-berger anzukommen bis zur Hymne auf den Kaffee.
Um auch die zu Wort kommen zu lassen, die nicht einfach nur "witzig" waren, schenke ich der geneigten Leserschaft ein Zitat von Sebastian23: die menschgewordene Hängematte in Mittelstellung. Da denkste jetzt mal in der Halbzeitpause ne Viertelstunde drüber nach. Viertelstunde - schaffst du schon.

PS. Lottmann, mein Freizeitleseblogger, kommt inflationär: Gleich mit zwei Büchern beglückt er die Menschheit bei Dussmann.

PPS. Da war doch noch was ... Jens Friebe, Bruder von "Mastermind Holm Friebe", und schon hier & da in dieser logorrhoetischen Kritzelei erwähnt, durfte sich heute in Radio Eins zu seiner neusten Single äußern, der Sache mit dem Auto. Nicht dass ich ihn im Interview erkannt hätte, doch die Stimme war fast unverkennbar. Dass wir mal den gleichen Leistungskurs hatten ... [So it goes]



04 Oktober 2007 um 22:00 Uhr Kommentare (0)


Musik im Abspann

Gefunden & zu empfehlen bei kiku: Trolle Siebenhaar, Sweet Dogs
Musikalisch nicht jedermanns Sache, in der Umsetzung klasse: Gerald Genty, Plaire
Und weil es sich anbietet (das Ballhaus Kreuzberg ruft ...): Tom Recchion
Schönen Sonntach!

30 September 2007 um 13:40 Uhr Kommentare (0)


Schon Paul gesehen?

... und da sind wir wieder, die schreckliche blog-lose Zeit liegt hinter uns. Was gibt es zu berichten?

Seit dem 26.09. bin ich Berliner, der Umzug ist durch, die physischen und psychischen Schmerzen sind (fast) weg, die Nerven liegen nicht mehr blank, der Rechner ist neu aufgesetzt und läuft wieder. Ich ziehe (natürlich!) nie wieder in meinem Leben um!

Wenn nun einer umzieht, so verbringt er nicht nur viel Zeit in Baumärkten und mit teils kompetenten Fachberatern dorten, sondern er besucht auch Möbelhäuser. Unter anderem das bekannte schwedische mit den immer gleichen (und immer gleich plystikartigen) Köttbollern. Volle Stunden möchte ich da nie weilen, doch es dauert immer länger. An der Kasse dann gelb-blaue, hochmotivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
So auch Schon-Paul. Nein, verehrter Leser, das ist kein Schreibfehler meinerseits. Wir lasen nicht "Jean-Paul", wir lasen - gleich zweimal, einmal dorthin reicht ja nie - Schon-Paul. Ich wollte ein Foto machen, aber wer weiß, ob der junge Mann nicht allzu oft darauf angesprochen wird und entsprechend eine Neurose entwickelt hat? Für alle, die es auch sehen wollen: Er arbeitet in der Niederlassung Tempelhof, meist vormittags.

Nach der TU waren auch die HU und die FU so nett, mich haben zu wollen. Nun will ich sie nicht mehr, ab morgen bin ich voller Elan und Begeisterung und weiß ich nicht was an der TU. Daneben darf ich noch zur örtlichen Agentur, mich an-, um- und abmelden. Das ist schlimmer als Bürgerbüro und Immatrikulation zusammen, zumal man die Damen und Herren nicht einmal telefonisch erreicht.
Und dann war da noch was kleines blaues, das vor dem Haus steht und darauf wartet gekauft zu werden. Interessenten gibt es gar viele, sogar aus Schweden und der Schweiz (I will come with the ferry and give you a cheque), doch aus irgend einem Grunde scheinen die mir nicht seriös. Ebenso wenig die fliegenden (fahrenden?) Händler, deren Preisvorstellung schon in Richtung unverschämt geht.

Zum guten Schluss die Quintessenz einer "Relocation", prägnant erfasst durch einen Mitarbeiter des BSR am Recyclinghof Gradestr: Papier zu Papier, Holz zu Holz. Und Asche zu Asche ...  



30 September 2007 um 13:25 Uhr Kommentare (0)


Was ist Kunst? (die Dritte, eigentlich Vierte)

Da lässt sie mich nicht los, die Kunst ... Sie scheint das Thema meines (heißen) Herbstes zu sein. Bevor ich also eine Woche abblogge und mich eine Woche re-lokalisiere, eine vorerst letzte Betrachtung zur Frage, was Kunst sei.

Auslöser dieses Blogs zum alten Thema: Schloß Moyland und wieder einmal 1bis25. Der geneigte Leser ahnt es: Ich war einmal mehr in der westfälischen Provinz und habe, mit charmanten Begleitung, den Bogen von Bocholt über Bedburg-Hau nach Rhede geschlagen. Eh bien, ich stecke mitten in der Kunst-Frage.

Auf Moyland, als Schloß recht unscheinbar an einer Bundesstraße im Wald, sahen wir nicht nur Beuys' Capri-Batterie (alter Hut, ich weiß) und die von irgendwo herbei gezerrten Tonkrüge (die, im übrigen, aber ansehnlicher sind als der Schloßgraben - Anholt ist aparter als Moyland), sondern auch die Sonderausstellung The Eye of Sound. Es verhält sich nicht so, dass ich es unbedingt hätte sehen wollen oder müssen oder sollen, doch wenn man einmal Eintritt bezahlt, dann guckt man auch. Guckt man, so sieht man:

Um es zu beschreiben: Ein Raum voller Schubladen verschiedener Provenienz, durch und über die Drähte gespannt sind, die Strom bekommen, worauf eine Art Geigenarm einen Ton erzeugt.

Ergänzt wird dieser für mich eher verwirrende denn erhellende Aspekt mit den Skulpturen im Schloßpark (im Preis inbegriffen), so z. B. dem von uns so titulierten "Bücherfresser":
Sagte ich letztens, Kunst sei Perspektive, sei Licht & Schatten, so bin ich jetzt nicht weiter. Gegenständliche Kunst, die mit Gegenständen an sich (in diesem Falle eben Schubladen) arbeitet, ist wie die klickenden Schweine: schwierig. Das lasse ich mir dann als Ansatzpunkt erklären, um auf meinem Wege zur Selbstvervollkommnung nicht bei einem "Find ich scheiße" stehen zu bleiben. Gepriesen sei der Herr, man findet auch etwas.
Die Klang- und Lichtinstallationen der KünstlerInnen nehmen sowohl Bezug auf die architektonischen Besonderheiten des Gebäudes als auch auf verschiedene Exponate und Künstler der Sammlung - allen voran Joseph Beuys, der mit der Neudefinition des Skulpturbegriffs richtungsweisend für das Vordringen in immaterielle und akustische Bereiche war. Somit markiert jede der gezeigten Installationen eine ganz persönliche, für das eigene künstlerische Werk spezifische Position und eröffnet dem Hörbetrachter noch unbekannte Perspektiven auf das Museum Schloss Moyland und seine Sammlung.

Ich werde an mir und meinem Kunstbegriff encore um foi arbeiten müssen. Das tat ich auch am selben Abend, als ich im 1bis25 wieder einmal den Werken von Fritz Brauwers begegnete, der dort ausstellt. Ein endgültiges Urteil über seine Werke will ich mir nicht anmaßen, doch ich stimme L. zu, der sagte, "der Fritz" habe zu spät angefangen, um "ein ganz Großer zu werden."

Damit überlasse ich meine werten Leserinnen und Leser für eine Woche ihrem Schicksal und melde mich am dem 17.09. wieder - aus Berlin. A bientôt.



 



09 September 2007 um 00:35 Uhr Kommentare (0)


Ars gratia artis

Wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen. Wer eine Ausstellung besucht, kann das auch. Wer eine Reise tut und eine Ausstellung besucht, kann das erst recht.

Also pictures of an exhibition im Kölner Museum Ludwig, die Aufgehobene Zeit von Balthus reizte. Klossowskis Bilder beschreiben für mich das Werk als solches ganz gut: Licht & Schatten. Er komponiert eindrucksvoll damit und es sind immer ähnliche Topoi, die er verarbeitet. Ich finde, jedes Bild hat etwas Flüchtiges, Geheimnisvolles, ja, Nicht-Seiendes - der Titel passt somit gut zur Kunst. Am interessantesten waren für mich die Grafiken, Studien und Entwürfe in den Seitenkabinetten. Hier sieht man, wie ein Bild entsteht, welchen Regeln es entspricht und wie der Maler an sein Sujet und sein Objekt herangeht.

Museen und Ausstellungen bieten nicht nur Kunst und Kultur, sondern auch die Möglichkeit zu Sozialstudien - der Eintritt lohnt immer. Meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger verhalten sich im Straßencafé anders als in der Nähe von Kunst.

Da gibt es einmal die Gruppe "Künstler" oder "Künstler in pectore", die sich - ob wissentlich oder unwissentlich, wissen wir nicht - selbst persifliert und karikiert. Ganz in schwarz mit roter Brille als kontrastierendem Akzent; leicht verschlampt und mit Haarband; betont leger mit Hut; aber immer sehr konzentriert und ohne Audioguide.

Dann die große Gruppe "Handarbeitskreis schnuppert Museumsluft", für die Kunst sich nur in Kategorien von gut bis schlecht oder bestenfalls von "gefällt mir" bis zu "gefällt mir nicht" und "wie kann dir das gefallen?!" bemisst und die meistens weiträumig vor Bildern steht und anderen die Sicht versperrt (in der Regel auch ohne Guide, denn der kostet extra und "Kunst muss man so verstehen")

Nicht zu vergessen die Familien mit Kinder/n auf Kulturtrip, leicht zu erkennen am angenervten Blick der Eltern und Kinder, der verspricht, so etwas nie wieder zu tun. Fast immer mit Audioguide und strengem Blick auf Filius, wenn die Kunst zu unzüchtig wird.

In diesem speziellen Falle lässt sich noch die Gruppe der Empörer und deren Antipoden, die der Spanner, erkennen. Während die einen bei dem Bild Verführung Minderjähriger etc. pp. messerscharf diagnostizieren (hinfort mit der Frage, was Kunst sei und erst recht, was sie dürfe), scheinen die anderen genau deshalb in diese Ausstellung zu gehen, und sitzen lange und mit verklärtem Blick vor bestimmten Exponaten.

Nicht vorenthalten möchte die Heiterkeit der Herrentoilette (free of charge). Während man also versonnen in der Kabine weilt, lesen sich zwei Herren ihre Horoskope vor - über alle Kabinen hinweg. Der eine war ein Löwe, der andere ein Krebs. Und beide ein bißchen bescheuert. Doch das soll ja bisweilen ganz nett sein, um durchs Leben zu kommen ...

Was der werte Leser noch wissen sollte? Oder wissen möchte? Eh bien, für mich ist Köln eine schreckliche Stadt, die ich nur besuche, wenn es einem bestimmten Zwecke dient. Die Stadt selber ist wie alle anderen deutschen Fußgängerzonenmetropolen auch: hässlich, voll, laut und überschätzt. Da fährt man gerne wieder. Und wer einmal in Köln-Bilderstöckchen noch schnell in einen Plus gehuscht ist, um etwas einzukaufen, versteht dann spätestens den Fluchtreflex.

Zu welcher Besuchergruppe ich gehörte? Ach, sagen wir zu den verschlampten Möchtegern-Kunst-Sehern ohne Haarband, dafür mit Guide.- D'accord?



02 September 2007 um 09:50 Uhr Kommentare (1)


Von der Freiheit zur Sicherheit

Ich habe in einem Anfall von "Ich muss ein großes Werk hinterlassen" die Zeitungen der letzten zwei Wochen zum Thema Freiheit - Sicherheit - Datenschutz - Überwachung durchforstet. Und, so will ich meinen, gar Kurioses gefunden und festgestellt.

In der Presseschau waren: taz, SZ, FR, FAZ, Welt, Berliner MoPo und RP. Eine bunte und ausgeglichene Mischung, auf dass ich nicht wieder mit der Keule der Parteilichkeit geschlagen werden. Der Tenor aller Blätter ist: Schäuble übertreibt es, aber ... Ob das nun Spiegelgefechte sind oder ein echter Einsatz für die Demokratie, sei fürderhin gestellt.

Sogar in der FAZ, nicht eben im Verdacht für "linke Ideologien", liest man in einem Interview:
Demokratie heißt: Herrschaft einer politischen Elite im Namen des Volkes, manchmal für, manchmal gegen, aber immer über das Volk. Und jede Herrschaft hat die natürliche Neigung, die Observation der Untertanen auszudehnen. Das wird zeitweise durch den Rechtsstaat gezügelt, aber das Recht ist selbst nur ein Mittel der Macht. Nun gibt es etwas, was in Deutschland fehlt: ein antitotalitäres Bewusstsein. Wir hatten den Antikommunismus, wir hatten den verordneten Antifaschismus, aber wir haben keinen Antitotalitarismus, der auf beiden Augen scharf sieht.

Die Welt führt die Kritik an Schäubles "Plattmacherei der Demokratie" aus, nimmt den Politiker aber in Schutz:
Die Schärfe der Kritik, die Leichtigkeit, mit der ihm politische Gegner unterstellen, den Rechtsstaat plattmachen zu wollen, trifft Schäuble sichtlich. Und wettert an anderer Stelle gegen die Bequemlichkeitskultur:
Schäuble hat es persönlich verletzt, dass er staatliche Schwäche angeblich schwerer ertragen könne als andere, weil er täglich gegen die eigene körperliche Schwäche ankämpfen müsse. Da sieht er sich als Behinderter diskriminiert. [...]. Der Minister sucht die Kontroverse, weil er fest davon überzeugt, dass dieses Land einen solchen Diskurs braucht. Damit widersetzt er sich der allgemeinen Bequemlichkeitskultur im Umgang mit der Terrorgefahr. Unermüdlich tritt er an die Öffentlichkeit, um die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. Oftmals in Interview-Offensiven.
Die "Rüge" von Horst Köhler am "Stakkato" des Innenministers sieht man in der Berliner Redaktion mehr zugunsten der SPD:
Selbst aus der SPD, die in weiten Teilen Köhler skeptisch gegenübersteht, ist derzeit wenig Kritisches über Köhler zu vernehmen. Hier registriert man eher mit Genugtuung, dass und wie Köhler Innenminister Schäuble angriff. Hatte bei alledem nicht Schäuble einst als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gegolten? SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sprach gestern von „klaren" und „klärenden Worten des Bundespräsidenten", ja, von einer „Wohltat". Überhaupt sei Köhler ein „hervorragender Bundespräsident", der „seine Kraft durch das Wort nutzt".

Die Morgenpost hält sich eher zurück und bleibt beim dpa-Text:
Schäuble sieht Deutschland nach eigenen Worten auch weiterhin ernsthaft vom Terror bedroht: "Es gibt eine Menge konkreter Tatbestände bis in die vergangenen Tage, die dafür sprechen, dass Deutschland stärker in das Fadenkreuz des internationalen Terrorismus geraten ist", sagte er der Tageszeitung "BZ". Dazu gehöre dem Bundesinnenminister zufolge die Drohung, dass Selbstmordattentäter nach Europa entsandt werden könnten.

Die Rheinische Post referiert in erster Linie die Meinung der Schäuble-Gegner, verzichtet jedoch auf eine Kommentierung:
Beck warnte dagegen vor einer Überwachung "wie in einem diktatorischen System". Schäuble habe "Maß und Ziel verloren" und wolle "die Freiheit zu Tode schützen". Aufgabe der SPD sei es, die Vorschläge des Innenministers "wieder auf Normalmaß zurückzudrehen". [...].
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund schaltete sich ein. "Die Gewerkschaften erwarten, dass die Kanzlerin den Innenminister stoppt, der mit seinen unsäglichen Anregungen Demokratie und Rechtsstaat in Verruf bringt, wenn nicht gar gefährdet", sagte DGB-Chef Michael Sommer.

In der SZ ist von der Kritik an den Überwachungsideen in den eigenen Reihen zu lesen:
Während öffentlich nur vereinzelt Kritik an Schäuble geäußert wird, bekunden führende Unionspolitiker in kleinen Runden, dass der CDU-Minister mit immer neuen Vorschlägen zur Terrorabwehr "der eigenen Sache schadet". Sein Vorgehen sei politisch unklug und spiele seinen Gegnern in die Hände. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel halte bewusst Distanz zu Schäuble, hieß es aus ihrem Umfeld. Die CDU-Vorsitzende sehe offenbar mit Sorge, dass die Initiativen des Innenministers das Klima in der Großen Koalition belasten, ohne dass Aussicht auf konkrete politische Änderungen bestehe.

Der aufmerksame Leser hat es bemerkt: Vom konservativen Spektrum hat sich die Presseschau über die "bürgerliche Mitte" zur liberalen Sicht bewegt. Was folgt? Natürlich der Schritt zum linksliberalen und linken Blatt.
Die FR interviewt den ehemaligen Verfassungsrichter Klein. Der sagt:
In der ganzen Diskussion fällt mir auf, dass sie zwar die Gefahr der Bedrohung beschwört. Aber mit dem Nachweis der Eignung und Notwendigkeit der neuen Abwehrmaßnahmen ist man doch sehr zurückhaltend. [...]
Ich sage auch nicht, dass die herkömmlichen Maßnahmen nicht reichen, ich sage nur, dass wir bisher darüber nicht hinreichend diskutiert haben. [...]
Man darf sich der Diskussion nicht mit dem Spruch entziehen: "Wir dürfen den Rechtsstaat nicht zu Tode schützen." Das bringt nicht weiter.

In der FR-Ausgabe vom 27.07.07 kann sich Justizministerin Zypries äußern; sie tut es unter dem Titel: Freiheit ist kein Risiko. Der Kommentar ist zwar parteipolitisch stark gefärbt ("In solchen Situationen braucht es Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, ...) und riecht schon nach Wahlk(r)ampf ("Sozialdemokratische Bürgerrechtspolitik bekämpft deshalb gesellschaftliche Ausgrenzung, stärkt bürgerschaftliches Engagement und fördert die Übernahme von Verantwortung füreinander"), doch er macht Hoffnung auf staatlichen Widerstand gegen staatliche Überwachung:
In unsicheren Zeiten stehen Bürgerrechte nicht hoch im Kurs. Mit der Furcht vor terroristischen Anschlägen und der Sorge, Opfer eines Verbrechens zu werden, wächst das Verlangen der Menschen nach Sicherheit. Manche Politiker verleitet dies zu einem Forderungswettlauf: Noch mehr Prävention, noch strengere Gesetze, noch schärfere Kontrollen und noch härtere Strafen. Das soll Aktivitäten signalisieren, aber es kann das Übel nicht an der Wurzel packen. [...].
Trotzdem gilt: Nicht die Verteidigung der Bürgerrechte bedarf der Rechtfertigung, sondern deren Einschränkung. Wer dem Staat mehr Macht geben will, muss den Zugewinn an Sicherheit ins Verhältnis zu den Eingriffen in Freiheitsrechte stellen.[...].
Ein wichtiger Garant der Bürgerrechte ist die Justiz. Sie kontrolliert die öffentliche Gewalt und schützt damit zugleich die Freiheit des Einzelnen.

Die taz ist gewohnt kritisch gegenüber der Schäubleschen Überwachungsmentalität. Besonders hervorzuheben unter den vielen Artikeln und Kommentaren ist der sehr persönliche Essay von Ilja Trojanow:
Ich habe keine Terrorangst, die angeblich laut Medien die meisten von uns umtreibt. Aber ich habe sehr wohl Staatsangst. Denke ich an den Staat in der Nacht, bin ich sofort um den Schlaf gebracht. Die Gründe liegen vielleicht in meiner bescheidenen Kenntnis der Weltgeschichte: War die größte Geißel der Menschheit nicht seit jeher der starke Staat? [...].
Es geht Schäuble offensichtlich nicht um seine unausgegorenen Vorschläge im Detail, sondern um eine perfide Strategie, die schon in Großbritannien erfolgreich vorgeführt wurde. Ein Innenminister stellt überzogene Forderungen, die die Öffentlichkeit empören, sodass die "gemäßigtere" Forderung, etwa des Premierministers oder der Kanzlerin, wie ein vernünftiger Kompromiss aussieht.[...]. Offensichtlich muss dem Herren Schäuble und Teilen seiner Partei erklärt werden, dass Freiheit ein absolutes Recht ist, nicht ein Privileg, das der Staat gnädig seinen Untertanen zugesteht, wenn diesen zugetraut werden kann, sich brav zu benehmen.

Die Berge kreißen, aber nur eine Maus wird geboren, könnte der Untertitel des Kommentars zum "Koalitionsstreits" zur Onlineüberwachung sein:
Die Parteien der großen Koalition schärfen ihr Profil - und werden sich am Ende doch auf die Einführung von Online-Durchsuchungen einigen. Die Reibereien zwischen Innenminister Schäuble (CDU) und Justizministerin Zypries (SPD) betrafen ja zuletzt mehr das Verfahren als die Grundsatzfrage. Schließlich lehnt auch Zypries das heimliche Ausspähen von Computer-Festplatten nicht generell ab, sie will nur die Sache in Ruhe diskutieren. Dagegen verlangt Schäuble von vornherein ein Bekenntnis des Koalitionspartners zu der neuen Ermittlungsmethode.

Zum guten Schluss (Glückwunsch, wer bis hier gelesen hat, wird belohnt) die schönste Glosse zur "gezielten Tötung" von Arno Frank.



30 August 2007 um 14:25 Uhr Kommentare (0)


Lebendige Mythen

So manche "Erkenntnis" entpuppt sich als tradierter Mythos. So auch heute in der Welt, die die (Riester-) Rente wieder einmal in den Focus gezogen hat.
Gleich im zweiten Absatz springt es einen an: Demnach hat sich unter den Deutschen zwar inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die staatliche Rente zur Sicherung des Lebensstandards im Alter nicht ausreicht. Welch' ein Drama! Welch' eine Erkenntnis! Endlich ein weiterer Grund zur Panik ... schnell noch "riestern".

Sehen wir uns die Lage doch mal ganz entspannt an. Im Jahre 2035 (da denken wir so langsam an die Rente) haben wir über 23,5 Millionen Bürger über 65 und damit potentielle Rentner (heute sind es "nur" über 16 Millionen). Da die deutsche Bevölkerung dummerweise auch noch auf 75 Millionen in der Summe 'schrumpft', haben wir gerade mal 39 Millionen sog. Erwerbstätige, heute sind es 82 Millionen Deutsche mit 50 Millionen "Einzahlern". Wer es genau wissen und sehen will, kann sich hier austoben.
Nutzen wir die verschlammten grauen Zellen bedeutet das:
- plus 7,5 Millionen "Rentner"
- minus 7 Millionen Einwohner
- minus 11 Millionen Erwerbstätige
- die Zahl derer, die tätig sind, und derer, die Leistungen erhalten, nähert sich bis auf 6% an (53% gebend, 47% empfangend).

Weil das alles irgendwie ziemlich doof und ernüchternd ist, heißt die erste Reaktion: Wir müssen was machen! Was? Na, vorsorgen! Wie? Na, mit der Riester-Rente oder BAV oder so was ... Aber wer weiß schon, wie es 2025 oder 2035 aussieht?
Was im Jahre 2012, 2015 oder 2025 ist, weiß ich nicht, das werden wir dann sehen. Das bleibt abzuwarten. Sprach Gerd Anders als Staatssekretär vor dem Bundestag 2001. Einige andere sind da anscheinend schlauer und haben geweissagt:

Nach 3sat z. B. gibt es im Jahre 2025 genug [Arbeit]. Sie erfordert allerdings ein hohes Maß an Flexibilität. 60-Stunden-Wochen sind genauso alltäglich wie wochenweise Freizeit.

Die Zeit führt ein Interview mit James Vaupel, der sich selber als radikal bezeichnet, wenn er sagt, für Deutschland wäre es darum eine vernünftige Option, das Rentenalter an die stetig steigende Lebenserwartung zu koppeln. Ich persönlich wäre allerdings für eine radikalere Lösung: Man sollte das verpflichtende Rentenalter abschaffen, wie in den USA. Lasst die Leute in Rente gehen, wann sie wollen und zwingt sie nicht dazu! Ein Alter von 65 oder 67 Jahren zu einer magischen Zahl zu machen, ab der man plötzlich nicht mehr arbeiten kann, scheint mir ein Fehler zu sein.
Denn er selbst will arbeiten, bis ich 80 bin. Wenn es geht, noch länger.

Der Informationsdienst für Politik kann das schöner ausdrücken, sagt aber dasselbe: Schließlich müsse mit Blick auf den demografischen Wandel der Begriff der Arbeit neu bestimmt werden. Die Gütersloher Stiftung setzt sich für einen „mehrdimensionalen Beschäftigungsbegriff" ein, der das Altern als positiven Prozess begreift und auch bürgerschaftliches Engagement umfasst. In Zukunft müsse „ein lebenslanges Neben- und Miteinander der unterschiedlichen Tätigkeitsformen in wechselnder Intensität" möglich sein.

Und dann gibt es da noch eine ganze Seite, die sich mit einer "Vision" von Deutschland bis zum Jahre 2025 beschäftigt. Mit hohen Zielen:
"Vision D" entwickelt eine umsetzbare Zukunftsperspektive für Deutschland. Statt auf wenig probate Mittel zu setzen und nur an einzelnen Schräubchen zu drehen und nur mit punktuellen Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit oder die Bildungsmisere kämpfen zu wollen, legt die Studie ein geschlossenes Reformkonzept vor.

Ich bin einmal mehr ganz profan und ein Spielverderber. Gesetzt den Fall, im Jahre 2025 oder 2035 gäbe es genug "Arbeit für alle" - was ich im übrigen für illusorisch halte, sofern die Automatisierung und Technisierung im Rahmen fortschreitet und die Tertiasierung Raum nimmt - könnte eine Sicherung des "Alterseinkünfte" nur mittels Arbeit erreicht werden. Einige prophezeien schon seit den 80er, dass ab 2020 (spätestens) eine Einheitsrente winke oder drohe, je nach Sichtweise.

Was wiederum bedeutet, dass man entweder damit auskommt oder - arbeitet.
All das "riestern" und "BAVen" und weiß ich nicht was mag zwar das Gewissen beruhigen und viele Versicherer sehr glücklich machen, eine Garantie für den "sorgenfreien Lebensabend" ist das aber ganz bestimmt nicht. Vielleicht sollte die Idee des Grundeinkommens mehr in den Focus treten (denn was, frage ich mich zumindest, ist eine Einheitsrente, ALG I und II anderes als eine Art Grundeinkommen?).



30 August 2007 um 13:30 Uhr Kommentare (0)


Was ich liebte

Fast ein Jahr lag dieser Roman von Siri Hustvedt in meinem Regal. Ich habe es zum einen vergessen und hatte genug anderes zu lesen, zum anderen habe ich mich immer ein wenig davor gedrückt, weil der Klappentext mich erdrückte:
"Was ich liebte" erzählt von sexuellen und künstlerischen Lebensentwürfen, von Familien, Eltern und Kindern. Alles beginnt 1975 im New Yorker Stadtteil SoHo, wo der Kunsthistoriker Leo Hertzberg in einer Galerie ein Bild des jungen Malers Bill Wechsler kauft. Es ist ein Frauenakt, der jedoch den rätselhaften Titel "Selbstporträt" trägt. Bald ziehen Leo und Bill mit ihren Frauen und neugeborenen Söhnen in ein Haus. Ihre Freundschaft ist bestimmt von der Suche nach ihrer Identität. Doch keine Erkenntnis der Welt kann sie auf die Schicksalsschläge vorbereiten, die ihr Leben für immer verändern: einen tragischen Unglücksfall und das Abrutschen von Bills Sohn Mark in die Drogen- und Transvestitenszene, wo er in einen bestialischen Mord verwickelt wird ...

Das klingt schwer und banal zugleich. Zudem habe ich es von jemanden mit den Worten bekommen: Ich und drei andere haben es angefangen und nach der Hälfte aufgehört - mich interessiert mal Deine Meinung. Damit ist eine Erwartungshaltung verbunden, die mir schmeichelt und mich ein wenig ängstigt. Nun gut, hier kommt sie also, meine Meinung.

Es ist eines der anspruchsvollsten, schwierigsten und schönsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Ich will es gar nicht mit der gemeinen "Unterhaltungsliteratur" vergleichen, die spannend sein kann oder anregend. Nein, Hustvedt arbeitet mit so vielen Ebenen, Anspielungen, Vorgriffen und Rückgriffen, sie fordert Mitarbeit und Mitdenken vom Leser und setzt eine ganze Reihe von Kenntnissen voraus, dass sie für mich ein eigenes Genre bildet (das auch, anderslautenden Kritiken zum Trotz, nicht dem von Paul Auster vergleichbar ist. Überhaupt finde ich den permanent-penetranten Rekurs auf ihn deplaciert; natürlich wird Frau Hustvedt nicht völlig ohne Herrn Auster schreiben, aber sie sind dennoch eigenständige Persönlichkeiten und Schriftsteller).

Ich habe so viel entdeckt in dem Roman, musste einfach Pausen einlegen, um nachzudenken, auseinander zu dividieren und zu erkennen. Wer "Was ich liebte" en bloque "wegliest", verschwendet das Buch. Von einem Topos in engeren Sinne konnte ich nicht entdecken, es gibt gleich mehrere Stränge und Konstituenda:
Geschlechterrolle und Geschlechteridentität
Rollenverständnis und Rollenspiel
Geisteskrankheit und Körperkult
Alte und Junge
Liebe und Hass
Angst und Hoffnung
Kunst und Kommerz
Natürlich ist die Autorin nicht so flach wie ich und generiert sich nur aus dem Dualismus, der platt gegeneinander stünde. Nein, Frau Hustvedt schafft in der Tat ein gesellschaftliches Gesamtbild der intellektuellen, oberen Mittelschicht. Das klingt borniert, das ist vielleicht auch borniert. Aber sie will kein Armendrama aus den Favelas schreiben, aus dem sog. "prallen Leben" können andere schöpfen; sie zeigt das Drama im Alltäglichen, wo die Verzweiflung und Angst in das normale Leben treten und als Beschleuniger wirken.

Der Protagonist Leo (und hier fängt es schon an: Hertzberg ist Jude, seine Eltern sind aus Berlin geflohen, er erinnert sich, gerade am Ende, immer öfter daran und an die Mommsenstraße dort - der Holocaust kommt vor und erklärt in gewisser Weise Leo, er "bereichert" ihn, so zynisch es klingen mag; ohne diese Vorgeschichte wäre er nicht der, der er ist und würde nicht so handeln, denn sein Handeln erklärt sich auch aus seiner Geschichte) ist im Grunde ein Durchschnittmensch, ein stinknormaler, teils langweiliger, teils gelangweilter Intellektueller, eine Art Bohemian mit Anspruch. Auf einmal, ganz zufällig, unintendiert, ändert sich sein Leben mit dem Kauf des Bildes von Bill Wechsler, der für mich der intensivste und schwierigste Charakter des Buches ist.

Einige Kritiken haben bemängelt, dass im ersten Teil, nach dem Kauf des Bildes, die "Geschichte dahin plätschert" und eigentlich "nichts passiert". Das ist richtig - und es ist falsch. Der Roman ist ohne diesen ersten Teil nicht zu denken, er kann nicht ohne ihn sein. Nicht weil er die Exposition wäre oder die Charakter einführte, nein, das tut er nicht. Er zeigt gerade das Normale, Vertraute, Banale, Alltägliche aus dem der Plot sich nährt. Er ist ein konstituierendes Element des Buches. Jeder Teil - zu meiner Überraschung jeweils von einem anderen Übersetzer, was jedoch nicht zu merken ist - endet mit einer Wendung: dem Tod. Bis auf den dritten und letzten Teil, der eine Art Abgesang ist, Leo lebt sein Leben weiter und sieht sich und das Leben aus der Erinnerung.

Ich zitiere bei Rezensionen gerne absatzweise - bei Hustvedt will mir das nicht gelingen; es scheint fast so, als ließe sich der Roman nicht an Zitaten festmachen. Und doch ... (es ist immer dieses: und doch!) gibt es drei Stellen, die mir so sprechend scheinen für die Intelligenz, den Anspruch (man sehe und staune, wie ich die Komposition bewundere) und den Stil scheinen, dass sie angeführt gehören:

Meine These war, dass Bills Kunst sich auf die Geschichte der abendländischen Kunst bezog, deren Voraussetzungen aber auf den Kopf stellte, und zwar auf eine Wiese, die sich grundsätzlich [...] unterschied. Indem er jedem Gemälde den Schatten eines Betrachters einverleibte, lenkte Bill die Aufmerksamkeit auf den Raum zwischen Betrachter und Gemälde, wo die wahre Aktion der Malerei stattfindet - ein Bild verwirklicht sich erst in dem Augenblick, da es gesehen wird.


"Meinen Sie damit, das alles Kunst ist, wenn die Leute er nur dazu erklären. Sogar ich?"
"Genau. Was zählt, ist die Perspektive, nicht der Inhalt."

... indem er behauptete, der Akt, Horrorbilder vom flachen Bildschirm in die Dreidimensionalität einer Galerie zu transferieren, zwinge den Betrachter, ihre Bedeutung neu zu überdenken. [...]. ... dass er sich aber in Hinblick auf ihre Wirkung auf den Betrachter irrte - zumindest in meinem Fall. Sie kritisierten nicht und deckten nichts auf. Das Werk war ein aus den Eingeweiden der Kultur ausgeschiedener Abklatsch - steriler, kommerzieller Kot und allein zum aufreizen gedacht.

Vielleicht ist die Perspektive das einzige Leitmotiv, und alle anderen Motive und Topoi bündeln sich nur darum, ergeben Nebenschauplätze und kleine Getümmel. Ich weiß es nicht. Doch ich glaube, der Begriff Trompe l'oeil fällt nicht umsonst und deutet eine Ebene an, die jenseits der ersten Rezeption dieses Buches liegt.



28 August 2007 um 00:30 Uhr Kommentare (0)


Erschreckende Erkenntnisse

Und derer gleich mehrere. Also: hinsetzen, anschnallen, Kreislaufmittel bereit halten.

1. Landesbank Sachsen taumelt am Abgrund - sprach die Welt am 25.08. Da nichts so alt ist wie die Zeitung vom Samstag, gilt das heute nicht mehr; nun ist sie an die Landesbank Baden-Württemberg verkauft: Schwaben übernehmen Sachsen. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass die Schwaben halb Berlin übernommen haben ...

2. Wir sind - zum zweiten Male in diesem Blog und zum dritten Male im Leben - in meiner örtlichen Agentur für Arbeit. Eine herzliche Einladung schlage ich nie aus, also bin ich pünktlichst da und lese Zeitung. Nach fast 45 min. (Zeitung aus) frage ich verschämt nach, wie lange es noch dauern mag - gleich, gleich, kommt die Antwort. Ich gehe erst einmal auf die Örtlichkeiten, komme wieder, spiele am agentureigenen ("Missbrauch wird bestraft!") Rechner herum. Da stürmt es um die Ecke, Frau G. sucht mich schon seit fünf Minuten - ein Skandal! Unfassbar! Ich warte seit 50 min., das zählt aber nicht. Wir haben zum ersten Mal einen kleinen Disput.
Nach einigem, recht nutzlosen, Geplapper stellt sie empört fest, sie habe meine Rentenversicherungsnummer (ein herrliches deutsches Wort) nicht. Skandal! Unfassbar! Ich sei doch verpflichtet ... unaufgefordert ... muss vermerkt werden ... so geht das nicht ... Durchaus gut, dass ich alles aufbewahre, so kann ich ihr nonchalent den Antrag zeigen, der a) an die Agentur gegangen ist, auf dem b) meine Rentenversicherungsnummer steht und der c) an mich zurückkam - unbearbeitet außer dem Eingangsstempel. Was im Grunde aber auch nicht zählt (vielleicht ein kleines Versehen der Kollegen?), denn "der Arbeitslose" muss wissen, dass nichts erfasst wurde und so - was sonst?! - unaufgefordert weiterhin seine Rentenversicherungsnummer einreichen (optional dem Sachbearbeiter in die Stirn meißeln). Wir kommen zum zweiten kleinen Disput, der länger dauert und lauter wird. Danach kommen wir schnell zum Ende, wir haben beide keine Lust mehr und sind froh, dass unsere Wege sich trennen. Spricht sie zum Schluss:
Sie sind so ... so ... unkonventionell.
Spreche ich zum Schluss: Das Leben ist kein Sanatorium.
Parbleu.

3. Meinem Blog-Kollegen Kikuchiyo geht's nicht allzu gut, das Leben schafft ihn. In seinem Alter ist das auch kein Wunder. Was mich dabei wirklich aufwühlt, ist das: also fürs protokoll: diese woche komme ich der inpotenz wieder näher, bekomme mehr graue haare und von meinen nerven brauchen wir nicht reden. Drama/Drama/Drama.

4. Und dann war das noch: Die Wahrheit (in großen Lettern zu lesen). Die erschreckende. Aber lesen Sie selbst ...



27 August 2007 um 10:30 Uhr Kommentare (0)


Ein halber Onassis - ehrlich

Wir befinden uns im IC nach Hamburg, ausnahmsweise mal in der 1. Klasse, kurz nach Bochum und auf dem Weg nach Münster. Eine Reihe hinter mir sitzt ein älterer Very-Busi-ness-Man und telefoniert lautstark, seines Erachtens aber sehr leise:

Nein, ich kann nicht lauter sprechen, ich bin im Zug ... nein: Z-U-G, im Abteil. Reden SIE doch schneller, dann können wir mehr besprechen.

Der arme Herr Maurer, sein Gesprächspartner, muss am Ende weinend aufgelegt haben, denn Very-Busi-ness-Man war very tough:
Jetzt hören Sie mir doch mal endlich zu, lieber Herr Maurer, der Mann ist e-c-h-t, ganz echt. Das ist ein halber Onassis mit einer Menge Minderwertigkeitskomplexe. Ich weiß, dass er reich ist, sehr reich sogar, Herr Maurer, also machen wir das Geschäft ...

In dem Stil ging es weiter, der liebe Herr Maurer erfuhr eine Menge über Geld, Geschäfte, Züge und Komplexe (alles vertraulich!), bis Very-Busi-ness-Man das Abteil verließ, vermutlich um auf dem Klo lauter zu sprechen.

Was war sonst noch? Ich hatte einen ausgewachsenen Kater in Münster (persönliche Studie), war im Bahnhofs- und Puffviertel von Luxembourg (soziale Studie), habe Remscheid-Lennep kennen gelernt (Milieustudie) und durfte nicht in den Eifelzoo (enttäuschende Studie).

Somit scheine ich eine Menge mit kikuchiyo gemein zu haben:
ich mag den prenzelberg, weil er noch ursprünglicher ist als fhain. denn nach fhain geht jeder der keinen plan hat und die ganzen touris. prenzelberg ist halt noch nicht so überrannt.
leider sind die bars, welche ich ausgemacht hatte, immer gut freuquentiert und wir bekamen keine plätze mehr.

Lies und lerne.

Und dann war da noch der Freitag 33, der einmal die Zeit absaut und dann recht apart die Parteienlandschaft der Republik durchforstet. Mit einer nicht wirklich überraschenden, aber um so konsequenteren Feststellung:
Links" und "rechts" sind Begriffe, mit denen man einen Unterschied im Parteiensystem bezeichnet. Was Mindestlohn, Rente mit 67 und den Einsatz am Hindukusch angeht, denken aber die Anhänger aller Parteien mehrheitlich dasselbe. Und die Folge ist eben nicht, dass alle schon dabei sind, sich Der Linken zuzuwenden. Wer Derartiges gehofft hat, verkennt den Charakter einer Partei. Parteien sind zwar nicht mehr wie früher "Milieuparteien". Geblieben ist aber die Verschiedenheit von Lebensstilen. Diese Verschiedenheit reicht hin, den Parteien ihre Anhängerschaft zu erhalten. [...].
Union, SPD und FDP sind die Altparteien. Das wussten wir eigentlich schon in den achtziger Jahren. Inzwischen sind die Grünen nicht mehr die einzige neue Partei: Die Linke ist hinzugekommen. Nun darf man nicht dem Fehlschluss erliegen, das Neue sei immer gut und das Alte immer schlecht. Aber wenn Linke und Grüne sich gegenseitig schlecht machen, ändert das doch nichts an ihrer Gemeinsamkeit: Sie haben mit Parteineugründungen auf neue Herausforderungen reagiert. Beiden ist auch gemeinsam, dass sie sich immer noch an den Altparteien orientieren. [...].
Grüne und Linke sind heute die einzigen Parteien, die kreativ und rational verändernd auf neue Herausforderungen reagieren können. Deshalb müsste sich ein neues Parteiensystem um diese Pole gruppieren. Mindestens aber müssten die Anhänger anderer Parteien ihre jeweilige Führung dazu zwingen, sich ebenso rational zu verhalten, wie Grüne und Linke es ihnen vormachen. Rational heißt: nicht ins Gegenteil flüchten, sondern die eigene Position weiterentwickeln.

Es sei zugegeben, dass der Freitag nicht gerade in die konservative Ecke gehört (Natürlich wünscht man sich eine "linke Koalition" aus SPD, Linken und Grünen. Wer weiß, ob sie nicht doch bald zustande kommt? ), doch relativiert das die Aussagen so, dass sie nicht mehr einen (harten) Kern an Wahrheit enthalten? Sind nicht alle versessen auf Milieu und Studien und Gesellschaftsfragen und Politik(-verdrossenheit), haben bisher nur vergessen, die Ergebnisse zurück zu spiegeln auf die Parteienlandschaft?
Denke und lerne.



21 August 2007 um 17:00 Uhr Kommentare (0)


Meta-Blog: Politisches Leben 2007

Was ist ein Blog über ein Blog? Ein Metablog? Ich auf jeden Fall übe mich in der Kunst des Schreibens über Geschriebenes.

Da finde ich in meinem Lieblings-Zeitvertreib-Blog eine nahezu politischen Artikel, dessen Essenz mit scheint: es gibt nur noch wenige die eine gesellschaftkritische haltung haben. [...] die meisten sind eher unpolitisch.

Die Verordnungen im politischen Raum sind dann vielleicht ein wenig keck, doch sehr aufschlussreich:
ich meines zeichen bin kein punk, so eher der demokrat. aber auch gerne komunismus wenns irgendwie klappt. Das führt konsequent zu der Frage: Was ist ein Punk? Was ein Demokrat? Was Kommunismus? Fragen wir die olle Tante Wiki und das Netz.

Punk: Charakteristisch für den Punk sind provozierendes Aussehen, eine rebellische Haltung und nonkonformistisches Verhalten. Prägendes Motto für die Punk-Bewegung ende der 1970er Jahre war der Refrain eines Sex Pistols-Stücks: No Future. [...]. Dennoch existiert auch heute noch eine Untergrund-Szene, die weiterhin eine Anti-Haltung pflegt. Diese besteht jedoch aus verschiedensten Richtungen, die sich aus dem traditionellen Punk entwickelt haben, beispielsweise die sich als unpolitisch bezeichnende Oi!-, die Hardcore- und die Anarcho-Punk-Szene.

Demokratie: Wer sich als Demokrat bezeichnet, wird wohl mehr oder minder die Demokratie unterstützen. demos & kratia meinen die Volksherrschaft, für das Lande D gilt: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Konstituierende Elemente des Demokratie sind: Teilhabe des Volkes an der Herrschaft ("Dem deutschen Volke"), in unserem Falle Repräsentation durch die Abgeordneten; eine gewählte Regierung, die auch abgewählt werden kann; ein eigenständiges Staatsgebiet, in dem das Volk angesiedelt ist; Legitimation der Willens- und Entscheidungsbildung durch das Volk. Nur ein Schelm spricht dabei von Ochlokratie ...

Kommunismus: Der ist im Gegensatz zur Demokratie keine Staatsform, sondern eine Gesellschaftsidee oder meinethalben: -form. Lassen wir Engels zu Wort kommen, was K. sei:
Der Kommunismus ist die Lehre von den Bedingungen der Befreiung des Proletariats. Hm. Das heßt - ich greife da vor - Revolution. Und wohin?
Sie [die Revolution, AdV] wird vor allen Dingen eine demokratische Staatsverfassung und damit direkt oder indirekt die politische Herrschaft des Proletariats herstellen. [...]. Die Demokratie würde dem Proletariat ganz nutzlos sein, wenn sie nicht sofort als Mittel zur Durchsetzung weiterer, direkt das Privateigentum angreifender und die Existenz des Proletariats sicherstellender Maßregeln benutzt würde.

Die Frage, ob Demokratie und Kommunismus realiter funktionieren, stelle ich in den Raum. Wenn jetzt noch einer den Sozialismus anführt, laufe ich weg ... (aber nachlesen kann man's hier).

Zumindest eines habe ich aus dem Blog und meinen Recherchen (es ist toll, wie man in diesen Zeiten von A zu Z kommt) gelernt: Ein Punk ist eher selten Demokrat, kann aber Kommunist sein; ein Kommunist sollte ein Demokrat sein; ein Demokrat kann Kommunist sein und Punks mögen. Und ich, ich bin something in between.

verdammt interessant und bewundernswert... Danke.



16 August 2007 um 11:35 Uhr Kommentare (0)


Not und Elend in der Welt

Manche Zeitungen liest man, manche liest man gerne, manche muss man lesen. Die WELT war heute irgendwo dazwischen. Drei Artikel haben mich quasi angesprungen: Eine Eloge auf Peter Hartz, die auch ein Abgesang war; der Aufruf des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung an Touristen sowie der Umgang mit Visa in den USA.

Fangen wir mit Hartz an, das passt auch persönlich ganz gut, musste ich doch heute mit "der Agentur" sprechen. Da lesen wir:
Dann kam Hartz, der virtuose Zauberer des Kanzlers, und öffnete seine große Wundertüte. Er packte die Ich-AG aus, den Job-Floater, die Personalserviceagentur, das Bridgesystem und die Quick-Vermittlung. Er erklärte dem staunenden Publikum: "Heute ist ein schöner Tag für die Arbeitslosen in Deutschland." Viele Menschen glaubten ihm, und nicht nur Kanzler Gerhard Schröder, der in diesem Sommer um seine Wiederwahl kämpfte, zeigte sich begeistert. [...].
Für seine Innovationen warb Hartz in Büchern. "Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht", "Das atmende Unternehmen" und "Job-Revolution" sind die Werke betitelt, die vor allem eines zum Ausdruck bringen: grenzenloses Sendungsbewusstsein. Dabei war es ein enger Mitarbeiter von Hartz, der während seiner Arbeitszeit die Veröffentlichungen konzipieren und größtenteils auch schreiben musste.

Peter I. von Wolfsburg hat anscheinend auch noch ganz andere und staatstragende Pläne:
Im Oktober 2005, da hatte ihn die VW-Affäre längst eingeholt, erzählte Hartz einem Hamburger Wochenblatt seinen Traum. Darin ist er ein Alleinherrscher, "ein wunderbarer, sympathischer, liebevoller Alleinherrscher", der alle Untertanen, die guten Willens sind, an seiner Tafelrunde versammelt, um das Übel der Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres zu beseitigen. So könnten Visionen Wirklichkeit werden: "Uneingeschränkt, ohne Kompromisse, ohne Bundesräte." Peter Hartz, der gutmütige Diktator - eine bedrückende Allmachtsfantasie.
Dann ist das nur konsequent:
Als er dann erfuhr, Deutschlands größtes Boulevardblatt wolle über seine Eskapaden mit Liebesdamen auf VW-Kosten berichten, überlegte Hartz allen Ernstes, die gesamte Auflage aufzukaufen, damit die Nachricht nicht publik wird.

Ich sage es ja: Not und Elend. Spätestens wer einmal bei "der Agentur" war, wird das unterschreiben. Danke, Peter, ich bin auch froh, dass Du Retter der Republik nur Bewährung bekommen hast.

Und dann war da noch der Günter vom Auswärtigen Amt. Der hat bemerkt, dass es nicht überall so toll ist wie im Katalog gezeigt, und dass es tatsächlich Menschenrechtsverletzungen in manchen Ländern gibt, in denen der Deutsche sich bräunen lässt. Also sagt der Günter: Sie sollten kritisch nachfragen, ob am Zielort zensiert, unterdrückt oder gefoltert wird. Wie das geht, erklärt er auch gleich (klingt komisch, ist aber so):
Der für derartige Themen sensibilisierte Tourist soll Reiseveranstalter fragen, warum es in Katalogen keine Hinweise auf Defizite bei den Menschenrechten gebe, [...]. Bei Fluglinien solle nachgefragt werden, wenn im Bordmagazin möglicherweise der im Zielland herrschende Despot porträtiert werde, nicht aber ein wichtiger Dissident. Gegen Kinder- und Zwangsprostitution müsse vorgegangen werden. "Fragen Sie Menschen auf der Straße nach ihrer persönlichen Situation und Einschränkungen ihrer Freiheit" ... Doof nur, wenn die kein deutsch sprechen.
Aber egal, der Wille zählt. Auch der, das Sommerloch zu füllen. Ich bin sicher, unsere treuen Handelspartner in China bei der WM werden gerne auf der Straße über ihre humanitären Ziele und ihre Einstellung zu Menschenrechten plaudern. Lassen Sie sich nicht von der Waffe verschrecken, lieber Leser und Reisender, mischen Sie sich unter's Volk! Stellt die WELT fest: Nooke stellt große Ansprüche an die Weltreisenden. Ob Politiker, Diplomaten und Mitglieder der Bundesregierung, zu der er als Menschenrechtsbeauftragter gehört, bei allen Auslandsmissionen bereits ebenso couragiert und konsequent auftreten? Das, gab Nooke zu, sei "eine berechtigte Frage".

Auch zum Thema Menschenrechte ein Artikel zur Einwanderungspolitik der USA. Na ja, Rechte sind vielleicht weniger interessant, die Repression in Sinne der Homeland Security schon eher:
Nach verschärften Verordnungen für Vergabe und Kontrolle von Visa gilt bereits als Verbrecher, wer die auf dem Visum vermerkte Aufenthaltsfrist auch nur um einen einzigen Tag überschreitet. Ihm kann, je nach Ermessen der Grenzbeamten, der Aufenthalt in den USA für zehn Jahre oder auch für immer verwehrt werden, ferner droht ihm strafrechtliche Verfolgung. Das gilt auch für Touristen, die mit dem Programm für Visumsbefreiung (Visa Waiver) in die USA einreisen, das maximal 90 Tage gültig ist. [...].
So muss der Antragsteller heute detaillierter Auskunft geben ? er muss seine privaten und geschäftlichen Reisen der letzten zehn Jahre auflisten, die Namen seiner letzten beiden Arbeitgeber nennen sowie seine gesamten Mitgliedschaften in Clubs und wohltätigen Organisationen offenlegen. [...].
Für ausländische Studenten kann der Aufenthalt an amerikanischen Hochschulen derzeit schnell zur Einbahnstraße werden: Wer nach einem Heimaturlaub wieder in die USA einreisen will, läuft Gefahr, an der Grenze abgewiesen zu werden ? wenn das Visum nämlich keine mehrfache Ein- und Ausreise erlaubt. Mittlerweile empfehlen US-Universitäten ihren Gaststudenten, während ihres Studiums das Land möglichst nicht zu verlassen ? oder das Visum mit anwaltlicher Hilfe zu beantragen. [...].
Aber auch ein Laptop oder dienstlich aussehende Papiere im Gepäck eines Reisenden können schon als Indiz gelten, dass jemand, der als Tourist einreist, tatsächlich in beruflicher Absicht kommt. Erhärtet sich dieser Verdacht, können die Beamten ihn sofort des Landes verweisen. Rechte hat der um Einlass Bittende keine: Der Flughafen gilt als exterritoriales Gebiet ? das Recht auf einen Anwalt hat der Fremde erst auf US-Hoheitsgebiet.

Gut, dass ich nie hin wollte. Dazu passend ein Artikel in der taz von gestern: Toilettenfotos für das FBI. Die Datensammelwut unserer amerikanischer Freunde (die Wolfgang S. ach so gerne auch in Deutschland hätte) führt zu obskuren Abwehrstrategien und letzten Endes zu Müll:
Er richtete eine Webseite ein, http://trackingtransience.net, auf der man seinen jeweiligen Aufenthaltsort mittels Geocoding und GPS bei "Google Earth" sehen kann. Er fotografiert Umgebung, Essen, Toiletten und lädt seine Kontobewegungen ins Netz. Es gibt zahlreiche Pop-ups und Querverbindungen. Eine Webseite wie ein Puzzle, voll mit Hinweisen auf seine Identität. Nur wird er jetzt nicht mehr überwacht. Er überwacht sich jetzt selbst. Und das ist ein Unterschied.

Die gute Nachricht zum Schluss. Möge sie trösten: Sechs deutsche Unis sind unter den 100 besten der Welt. Gottseidank! Da werden die Bayern der LMU vor Stolz wieder kaum gehen können, auch wenn die Kriterien der Studie eher mau sind (Publikationen in emglischsprachigen Raum sowie Anzahl der Nobelpreisträger - fehlte nur die Höhe der Hörsäle noch).



15 August 2007 um 15:15 Uhr Kommentare (0)


Pant(h)erwahl

Noch kurz was fürs soziale Gewissen und die bundesrepublikanische Gesellschaft (sowie ein bißchen auch für meine favorisierte Zeitung, ich geb's ja zu):

Die Wahl des Preisträgers des taz-Pant(h)ers 2007 für ehrenamtliches Engagement.
Da kann jeder mitmachen - sogar Nicht-taz-Leser. Nur zu gewinnen gibbet nix --- außer für die Preisträger und für uns alle, irgendwie.



14 August 2007 um 22:15 Uhr Kommentare (0)


Rü-inös

Ja, ja, ja, ich bin wieder extrem witzig heute, dieses fantastische Wortspiel aus Rü und ruinös muss eine Nahfolge der Lektüre von Amanda Lees sein. Für alle Nicht-Essener: Die "Rü" ist die Rüttenscheider Str. und soll so eine Art Essener Kö sein. As they say.

Da saß ich da also zum Kaffee im A., das nicht kannte, und trank einen Tee. Gerne hätte ich noch einen Tee getrunken, doch in der einen Stunde,in der 1. ein leeres Teeglas, 2. ein leeres Wasserglas und 3. ein leeres Latte-Glas auf dem Tisch standen, war keine der drei "Service"-Kräfte in der Lage oder willens zu fragen, ob noch was geht.

Nach 90 Minuten war mir dann nach zahlen, was aber ebenso wenig möglich war wie bestellen. Einige dezente Winker und leisere Rufe sowie 20 Minuten später wollte ich dann herinnen bezahlen, was aber nicht möglich war - Kollege kommt gleich.
Gleich ist ein nicht näher bestimmbarer Zeitraum und damit potentiell und real länger. Nach weiteren 10 Minuten nahm ich die Karte, um abgezähltes Geld auf den Tisch zu legen. Und, oh Wunder, es kam jemand und fragte, was es denn sein solle. Außer "Zahlen - BIT-TE"! konnte ich nicht viel sagen, ohne unfreundlich zu werden (ja, ich war sehr gefasst und sehr höflich).

Ende des Nachmittages: ganz genau passende 8,10 EUR und das Mantra: Servicewüste - Servicewüste - Servicewüste. Dann kam noch Onkel H., doch das ist eine ganz andere Geschichte ...



14 August 2007 um 22:10 Uhr Kommentare (0)


Milljöh-Studien

Oder: Let's compare mythologies

Ich habe weder Kosten noch Mühen, weder Zeit noch persönlichen Einsatz gescheut, um die Gesellschaft zu erforschen. Ja, ich habe den Soziologen in mir entdeckt, als ich morgens ein wirklich schlechtes Körnerbrötchen mit Käse aß. Ob da ein Zusammenhang besteht, hat sich meiner Forscherlaune entzogen.
Auf jeden Fall habe ich mit meiner nicht-repräsentativen, gewillkürten und keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhaltenden Studie erstaunliches zutage gefördert. So erstaunlich, dass ich es nicht einmal, nein: Gleich zweimal habe ich es gegengeprüft und konnte es nicht falsifizieren. Setzen Sie sich, lieber Leser, sonst hat es Sie um (ehrlich!):

Wir haben eine Unterschicht!

(dramatische Pause)

(ausgedehnte dramatische Pause)

Das ist nicht neu? Wie? Nicht neu? Na und! Als das Friedrich-Ebert-Institut oder Sociovision das festgestellt haben, ging ein Aufschrei durch Deutschland und ein Raunen durch den Blätterwald (dazu gleich mehr, also zu den Studien der Konkurrenz). Und nun ist es nicht neu?! Das ist einfach nur unwissenschaftlich ignorant! So, da haben Sie's!

Die Jungs und Mädels der FES haben mit scharfem Blick neun "politische Typen" entdeckt und evaluiert. Da wären (die sinnlose Großschreiberei stammt nicht von mir):
1. Die Leistungsindividualisten zu 11%, die sind bürgerlich und wählen auch noch die FDP (ohne Punkte im Papier)
2. Die Etablierten Leistungsträger zu 15%, liberal-konservativ, elitär, kleinstädtisch und tapfere Wähler der CDU
3. Die Kritische Bildungselite zu 9%, jung, qualifiziert und politisch wie gesellschaftlich umtriebig - und jetzt kommt's: Über vier Fünftel von ihnen wählen eine der drei linken Parteien, die gegenwärtig im Deutschen Bundestag vertreten sind. Welche? Bitte?! Wir haben CDU/CSU (nicht links), SPD (auch nicht links), FDP (gar nicht links), Bündis90/Die Grünen (eher links) und die Linken (links) - wo ist die dritte linke Partei?
4. Das Engagierte Bürgertum zu 10%, bürgerlich und emanzipiert, mit Frauen- und ÖD-Überschuss sowie SPD-Sympathie
5. Die Zufriedenen Aufsteiger zu 13% kommen aus "einfacheren" Verhältnissen und haben sich hoch gearbeitet, mithin wählen sie zu 2/3 die CDU und zu 1/3 die SPD
6. Die Bedrohte Arbeitnehmermitte zu 16% sind die Industriearbeiter, die eigentlich SPD wählen (also doch die 3. Linkspartei?), doch enttäuscht zur CDU und zur den Linken abwandern
7. Die Selbstgenügsamen Traditionalisten zu 11%, die konventionell sind, den starken Staat suchen, obwohl sie ihn nicht verstehen, und gleichsam SPD wie CDU wählen
8. Die Autoritätsorientierten Geringqualifizierten zu 7% sind aus einfachen Verhältnissen, finden Deutsche und die SPD toll und mögen die Grünen so ganz und gar nicht
9. Das Abgehängte Prekariat zu 8% ist sozial ausgeschlossen und im steten Abstieg begriffen, dabei ostdeutsch, männlich und arbeitslos ud findet die Große Koalition wie Politik überhaupt scheiße, wenn gewählt wird, dann ganz links oder rechts.

Hu. Uh. Was für dramatische Ergebnisse! Was für eine Studie! Weise teilt die FES mit:
Alles in allem zeigt sich das Bild einer Drei-Drittel-Gesellschaft. Nein! Schreck lass nach! Mit allem habe ich gerechnet, aber nicht damit. Wer es in Gänze mit allen Ergebnissen, Interpretationen und schlimmen Folgen lesen will, kann das hier.
Interessant finde ich, dass Politik und Presse aus der 9. Gruppe ein Riesending gemacht haben - sozial. Wo doch die Studie vom Titel her, vom Ziel her und von der Methodik her auf "politische Typen" abstellt und keine Gesellschaftsanalyse bieten will. War da auch Sommerloch? Oder war es nur ganz banal reißerisch?

Kommen wir zu den Sinusmilieus, die gerne als Basis für die Beurteilung der bundesrepublikanischen Gesellschaft herangezogen werden, sei es bei der Bildung, der politischen Partizipation oder der beruflichen Entwicklung. Sociovision kennt 10 Milieus (nachfolgend SM = Sinusmilieu), ermittelt nach der Grundorientierung und der sozialen Lage - das bunte Bildchen dazu hier. Übrigens ist Sinus Sociovision nicht ganz selbstlos - die Ergebnisse der Studien lassen sich auch prima für Wirtschaft und Werbung nutzen. Wir sehen und staunen:
1. SM A12 - Konservative zu 5%, das alte deutsche Bildungsbürgertum, humanistisch, gepflegt, pflichtbewusst und zum großen Teil im Ruhestand und auch vermögend
2. SM B1 - Etablierte zu 10%, selbstbewusst, konsumfreudig, beruflich erfolgreich, exklusiv - angekommen eben
3. SM B12 - Postmaterielle zu 10%, liberal, intellektuell, postmateriell (will sagen: individualistisch), umweltbewusst und mit gutem Verdienst
4. SM C12 - Moderne Performer zu 10&%, jung, motiviert, multimedial bis multikulti, freiberuflich und mit gutem Einkommen sowie solidem finanziellen Background (ich würde es Berufssohn nennen)
5. SM B2 - Bürgerliche Mitte zu 15%, mittleres Alter, mittlere Bildung, mittleres Einkommen, status- und prestigeorientiert und gerne im Mainstream
6. SM AB2 - DDR-Nostalgische zu 5%, die "Verlierer der Wende" mit sozialistischem und preußischem Ideal und Heimwerkerqualitäten
7. SM A23 - Traditionsverwurzelte zu 14%, die Kriegsgeneration mit hohem Frauenanteil (und Witwenrente) und Arbeitnehmerbiografie, somit wenig konsumfreudig
8. SM C2 - Experimentalisten zu 8%, die individualistische neue Bohème (sic!), jünger, gut ausgebildet, aber ohne Einkommen und mit finanziellem Background, Musik, Kunst, Literatur sind wichtig
9. SM B3 - Konsum-Materialisten zu 12%, da ist der Name Programm: trotz niedrigem Einkommens (und als Basis niedrigem Bildungsgrad) ist Konsum als Kompensationsversuch wichtig, alles, was "in" ist oder repräsentiert wird zum Inbegriff des Lebens
10. SM BC3 - Hedonisten zu 11%, eher jünger und mit eher geringer Bildung ist Spaß das bewegende Element, Hauptsache es ist nicht spießig, Konsum ist wichtig

Dem geneigtem Leser, der aufmerksamen Leserin mag die Sinusstudie inkl. der Kartoffeln bekannt vorkommen. Und ja, das kennt man schon: Eine sehr ähnliche Verordnung im sozialen Jahr hat Pierre Bourdieu Ende der 70er schon gemacht. Der war aber bescheidener und kannte nur acht Milieus:
Konservativ-gehobenes Milieu
Kleinbürgerliches Milieu
Traditionelles Arbeitermilieu
Traditionsloses Arbeitermilieu
Aufstiegsorientiertes Milieu
Technokratisch-liberales Milieu
Hedonistisches Milieu
Alternatives Milieu
Auch war es im ganzen ein wenig schlichter und einfacher, doch im Grunde nicht so verschieden. Über die Einordnung Bourdieus gibt eine interessante Arbeit von Christian Schlicher.

Damit wären wir auch schon am Ende des kleinen Exkurses in die Welt der Soziologie. Meine Ergebnisse fasse ich in einem Satz von Bernhard SG. aus M. zusammen: Die Masse ist nicht blöd - die Masse ist saublöd.

Fast hätte ich noch meine letzte Milieuerfahrung vergessen. Die Sprache der Jugend, jeunesse dorée. Mit Hilfe von Kikuchiyos Blog halte ich mich auf dem laufenden, was die Generation nach mir so alles macht, denkt und besonders: wie sie sich ausdrückt. Chillen kannte ich, die Neudeutschung dancen noch nicht, ebenso unbekannt waren mir "evolationen". Auch wenn die Grammatik verbesserbar wäre, die Art gefällt mir. Und die Essenz: wir haben festgestellt, dass nutten und koks das einzig wahre sind. Wohlan.



13 August 2007 um 22:22 Uhr Kommentare (0)


Hilberg - entschädigt

Ich find's toll, dass Menschen erst dann so richtig-richtig gewürdigt werden, wenn sie tot sind. Oder kannten SIE Raul Hilberg?! Ok, ich schon, aber das zählt nicht, weil ich mal Geschichte studiert habe.

Nun ist er also gestorben, nun lesen wir also die Elogen, die ihm zu Lebzeiten entgangen sind.
Sehr weise stellt die WELT fest: Doch Beifall bekam er für seine Arbeit zunächst kaum. Sein Verdienst: Im Gegensatz zu vielen anderen Zeithistorikern hat sich Raul Hilberg jedoch stets geweigert, den Holocaust mit einer knappen, vermeintlich "schlüssigen" Antwort auf die Frage "Wie konnte es geschehen?" zu erklären - obwohl oder vielleicht weil er in einer Breite wie kein Forscher vor ihm und auch niemand seither die Quellen der zentralen staatlichen Verwaltung zum Jahrhundertverbrechen ausgewertet hat.

Da kann die FAZ nicht nachstehen: Raul Hilberg genoss in Deutschland einen späten, aber umso größeren Ruhm, der oftmals, auf der Seite der Jüngeren, eine persönliche Verehrung des großen Gelehrten einschloss.

In der FR ist gleich vom Abschied von einem Heroen die Rede: An diesem Vormittag, an dem sich allmählich die traurige Nachricht in Frankfurt am Main verbreitet, wirkt der Lektor zerknirscht. Schließlich ist sein Autor plötzlich weg, auf einmal, verstorben. Raul Hilberg ist tot.

Selbst die taz erinnert, wenn auch vergleichsweise spät, an den lieben Verstorbenen: Die Arbeit wurde an der Columbia Universität hoch gelobt und ausgezeichnet - aber sie wurde lange Zeit nicht gedruckt. Hilberg war seiner Zeit um Jahre voraus, die meisten Historiker, die die Arbeit lasen und beurteilten - Neumann war bereits früh verstorben -, erkannten gar nicht, was sie hier vor sich hatten. Das lag auch an Hilbergs Stil: trocken, apodiktisch, völlig schmucklos. Hilbergs Darstellung und Analyse schien demgegenüber unangemessen, prosaisch, ja banal. Hinzu kam, dass israelische Historiker, die noch damit beschäftigt waren, eine positive Identität für den auf der Grundlage des Zionismus aufgebauten israelischen Staat zu schaffen, Hilbergs Kritik an der Kollaborationspolitik der Judenräte ebenso scharf ablehnten wie die Tatsache, dass es jüdischen Widerstand in seinem Buch kaum gab - und dass die Studie aus der Perspektive der deutschen Akten geschrieben war und das Geschehen als bürokratischen Prozess erklärte.

Gerade die Kritik an zionistischen Organisationen und an den Entschädigungen hat Hilberg oft isoliert. Interessanterweise führen das die Antipoden des deutschen Blätterwaldes an: FAZ und taz.

Schreiben die Frankfurter: Gemeint ist das hierzulande fast unbekannte, kaum glaubliche Kapitel der Zusammenarbeit zwischen NS-Behörden und zionistischen Organisationen unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung. [...]. Und so konnte er auch seine Freunde gelegentlich irritieren. Dass er sich noch kürzlich für den in scharfe Kritik geratenen, von seiner Universität entlassenen Norman Finkelstein einsetzte und dessen Kritik an jüdischen Organisation in den Vereinigten Staaten „im Kern" teilte, dass er, wie Finkelstein, die Entschädigungsforderungen an die Schweizer Banken für überzogen hielt (um das mindeste zu sagen), das mag sicher in der spontanen Sympathie des einen historiographischen Einzelgängers für den anderen begründet sein, aber es hatte auch Gründe in der Sache.

So schreiben die Berliner: Mit den sich etablierenden Gedenkritualen des Holocaust - schon der Begriff war ihm fremd, er blieb bei dem ernüchternden "Ermordung der Juden" - hatte Hilberg nichts im Sinn, noch weniger mit den Bemühungen staatlicher Stellen und jüdischer Organisationen, den Judenmord zum Gegenstand einer Art Zivilreligion zu machen. So unterstützte er auch Norman Finkelsteins scharfe Kritik an der Entschädigungspolitik der amerikanischen jüdischen Organisationen. In seiner Rolle als Außenseiter war er frei von politischen Rücksichtnahmen und wissenschaftlichen Moden.

Doch die taz wäre nicht die taz, wenn sie nicht eine etwas besondere Art der Kontrastierung hätte. In derselben Ausgabe (08.08.07) karikiert Ariel Magnus (im Grunde nicht überraschend, da bekannt für seinenm Sarkasmus) den Ruf nach weiteren Entschädigungen für die "Opfer der 3. Generation": Ich bin dick und kahlköpfig schon mit 32! Schuld daran kann nur einer sein: das deutsche Volk, lautet die Bildunterschrift der Printausgabe - entschärft in der Onlineausgabe.

Doch zum Artikel selber ... Best of.
Laut der Tageszeitung Haaretz wollen die 3.000 Israelis, die sich der Initiative bisher angeschlossen haben, dass "die deutsche Regierung die Kosten für Therapien übernimmt, die das Leid der zweiten Generation lindern". Erfahrungsgemäß fragt sich der gute deutsche Steuerzahler, bevor er sich über die Nachricht ein diskretes Totlachen erlaubt, wie viel ihn dieser Witz wohl kosten könnte. [...].
"In der Klageschrift werde der Fall einer 55-jährigen Klägerin genannt", liest man in der eingangs erwähnten Agenturmeldung, "die nicht mit Bussen fahren könne, weil sie dies an Züge erinnere, in denen Juden in Vernichtungslager gefahren wurden. Eine andere Frau habe starke Angst vor Hunden." Na also, sagt sich der kluge Hobbytherapeut, schenken wir doch der ersten Frau ein Auto, falls sie das nicht mit Flugzeugen oder gar Raketen in Verbindung bringt, oder ein Fahrrad oder ein Paar neue Sportschuhe, und der zweiten Dame eine schöne Hündin, die die bösen Hunde bei Laune hält, oder einen Paralyser oder einfach ein Paar Schienbeinschützer. [...].
Dabei sind wir noch nicht einmal beim wahren Problem angekommen, denn zur sogenannten zweiten Generation käme selbstverständlich noch die dritte, also ich. Als Enkel einer Auschwitz-Überlebenden und dazu noch Sohn ihrer Tochter habe ich Anspruch auf eine doppelte Therapie, und wehe dem, der sich darüber lustig zu machen wagt. Nur ein Tag, was sage ich doch, nur ein Stündchen mit meiner Mutter und meiner Oma würde jedem von euch das Lachen nicht nur für jene Stunde oder jenen Tag, sondern fürs ganze Leben verderben![...].
Bezahlen müssen sie also, die Deutschen, und zwar gerne und verständnisvoll. Schließlich betreibt man im Land der Täter ebenfalls eine zunehmende Viktimisierung der ganzen Gesellschaft. Vor nicht allzu vielen Jahren waren es die Juden, die unter der Schoah leiden mussten. Sieht man sich die Serien, Filme und Bücher an, die heutzutage über das Thema veröffentlicht werden, würde man eher die Deutschen als die wahren Opfer bezeichnen, darunter auch die deutsche Soldaten, allesamt, außer vielleicht Hitler selbst (aber den auch, die arme Nazi-Sau, schaut mal, wie einsam er in seinem Bunker brüllt!).

Deutsche Masterfrage: Darf man das? Lassen Sie's mich mit Magnus indirekt beantworten: Was aber die Israelis betrifft, so würde ich an ihrer Stelle das Geld gut aufbewahren, um es dann weiterzuleiten: Bald könnten es die Kinder und Enkelkinder der Palästinenser reklamieren.

Ach, übrigens: Nicht nur die Milch wird teuer, nicht nur steigt Schwarz bei basic ein, nein, in Zukunft gibt es auch Bionade bei McD. Prost!



12 August 2007 um 13:20 Uhr Kommentare (0)


Hängetitten und andere Lebenserfahrungen

Ich vermische einmal wieder brutalst diverse blog-würdige Dinge in einem Eintrag. Der geneigte Leser möge also seine grauen Zellen schmieren ...

Auf der letzten Reise nach Berlin hatte ich sowohl Gesellschaft als auch Unterhaltung. Plaziert an einem Dreiertisch, gesellte ich mich zu einer reisenden Mutter mit Sohn, packte meine Zeitung, mein Schachspiel und das Schachbuch (nachdem ich bis jetzt jedes Spiel gegen den guten alten W. verloren habe, will ich mich fortbilden) auf und wollte mich gerade vergraben, als die Frage kam: Spielen Sie Schach?
Es kam, wie es kommen musste, der Sohn, neun Jahre, namens Leo spielte auch Schach: Spielen Sie eine Runde mit ihm? Es sei voraus geschickt, dass er auch Schachunterricht genossen hat und jeden Tag spielt. Doch ich bin ja für nix fies - en garde. Von den vier Spielen, die wir gemacht haben (mittlere Spielzeit 40 min.) hat er dann auch --- vier gewonnen. Meine realistische Feststellung, dass ich entweder ein völliger Schachversager sei oder er verdammt gut, quittieren Mutter und Sohn mit einem leichten Lächeln. Ich würde sagen, er war verdammt gut.

Die Tage in Berlin waren wieder prall gefüllt (und fix vorbei), eine Nacht war für die Mark reserviert, Ecke Grünheide: Mitten im Wald versteckt, idyllisch am kleinen Flüsschen Löcknitz gelegen und dennoch nur einen Katzensprung von Berlin entfernt.
Bon. Das hieß: ganz, ganz weit draußen, ganz viel Natur, viel mehr Sand, Mehrbettenbungalows, Gemeinschaftstoiletten und -duschen, Killermücken und Kamikazebremsen, Lagerfeuer, Grillabend, Bier aus dem 5-Liter-Fass und wenig Schlaf. Ich habe es, trotz der Anstrengungen & Herausforderungen für mich als verwöhntes Kind, genossen und war froh, keinen zweiten Abend dorten zu verbringen.
Lange habe ich nach dem passenden Bild gesucht - ich habe es gefunden. In dem Trickfilm Madagaskar läuft die Giraffe in einer Szene mit dem halben Wald im Gesicht herum und schreit: Die Natur greift mich an! Das passt.

Und jetzt endlich zu den Hängetitten. Location: Mitte, Ecke Rosenthaler Platz. Auf der Suche nach einer neuen Kneipe für die Bookcrossingtreffen in Berlin bin ich mit Sao von der Friedrichstr. über den Hackeschen Markt bis zum Rosenthaler Platz vorgedrungen, wir trinken Kaffee und schauen uns die Menschen und Passanten an, bunt gemischtes Volk am späten Sonntag Nachmittag. Unter anderem schlendert ein Paar vorbei: Er frisch aus der Muckibude mit sehr engen T-Shirt, sie frisch gebräunt mit trägerlosem Oberteil. Die beiden fallen mir schon auf, doch mein Blick bleibt nicht haften, als ich von der Seite höre:
Jede Frau hat in so'm trägerlosen Teil Hängetitten! Chapeau, das ist mal eine profunde Erkenntnis. Ich merke abschließend dem gender mainstreaming zuliebe an, dass Sao zu eben dem Geschlecht gehört. Aber sie mag auch keine behaarten Männerzehen. Wen das tröstet ...



07 August 2007 um 11:00 Uhr Kommentare (0)


Panik II: Hamsterkäufe

... und dann kam ich ich vom Einkauf wieder nach Hause (nein, ich habe weder Brot noch Milch noch Butter gekauft) und sehe im Hausflur: 10 mal Milch, 10 mal Butter.

Sage ich: Hamsterkäufe?! Sagt Nachbar: Na, hast DU KEIN RADIO GEHÖRT?! (man denke sich die unheildrohende, ungläubige Menetekelstimme).
Ne, habe ich nicht, ich hab nur fünf Zeitungen durchgeblättert und lebe nicht allein von Butter und Milch; doch die 10 ct beim Bier, die tun mir weh, deswegen hab ich gleich mal nen Kasten geholt.

Ja, DU ... Für UNS auf jeden Fall ist das VIEL GELD! (Menetekelstimme wird zur Dramastimme). Wenn die Milch erst mal über E-I-N-E-N Euro kostet ...!

Aber: Wir rechnen nicht mit Hamsterkäufen!



31 Juli 2007 um 23:25 Uhr Kommentare (0)


Endlich ein Grund zur Panik

Heute morgen stand ich recht spät auf, machte mir entspannt einen Kaffee, schaute aus dem Fenster in den trüben Vormittag, schaute auf die Zeitung, schaute wieder heraus, schaute noch mal auf die Zeitung und verharrte.
Ich war noch nicht richtig wach, deswegen machten meine Gedanken krumme Sachen und waberten im Kopf undefiniert hin und her ... und plötzlich und ungefragt war es: SOMMERLOCH! Nein, nicht sommerlich, es war wirklich und wahrhaftig das Wort "Sommerloch", das da durch die Synapsen gereicht wurde.

Nach dem zweiten Kaffee konnte ich mich geistig aktiver mit dem Blätterwald auseinandersetzen. Und, siehe da, ich fand die Erklärung für meine schiefen Gedanken:
Die Milch wird teurer! Die Butter wird teurer! Das Bier könnte teurer werden!---- Skandal! Das Ende der Zivilisation naht! Rettet die Milch vor den Asiaten! Auf zum Laden umme Ecke! Und warum das alles? Da gibt es eine einfache und eine komplizierte Erklärung.

Die einfache lautet: Die Molkereien wollen mehr verdienen. Die komplizierte lautet: Biodiesel in -> Getreide teurer -> Bauern verfüttern weniger Ölsaaten -> Butter hat weniger Fett UND "der Chinese" hat Bock auf die deutsche Milch (Was fällt dem denn ein?! Jahrelang nur Reis futtern und jetzt unsere gute deutsche Milch wegschlürfen!). Die ganz komplizierte hat die FAZ parat: Sieben Ursachen, warum die Milch teurer wird. Bitteschööööööööööönn.

Aber auch die FR widmet dem Ende der Milchseen eine Doppelseite und einen Kommentar, die taz einen Artikel und auch einen Kommentar, die Welt ist gleich ganz investigativ und engagiert, ganze neun Artikel und Kommentare! Ich musste erst einmal den Kalender befragen, ob heute nicht der 1. April ist, bei diesem Bericht: Politiker fordern jetzt Hartz-IV-Erhöhung

Rechnen wir mal kühl durch: Fettarme Milch liegt aktuell bei 55 ct (und wurde schon um 6 ct teurer dieses Jahr), ab Mittwoch dann (Stichtag der "Preisexplosion") bei 62 ct. Die Butter liegt aktuell bei knapp 1 EUR, in Zukunft dann 1,50 EUR. Vorausgesetzt jeder Bürger nähme pro Woche ein Pfund Butter zu sich und tränke drei Liter Milch in der Woche, dann müsste er nach der Explosion 4,84 EUR pro Monat mehr bezahlen. Wenn dann noch das Bier pro Kasten um 10 ct sich verteuert ... Das wäre das Ende der Abendlandes und Lebens, wie wir es kennen.

Was tun? Überlisten wir den Einzelhandel und machen Hamsterkäufe! Deckt euch ein mit Milch, Butter und Bier, Mitbürgerinnen und Mitbürger, kauft am besten auch noch Brot en gros, denn da ist auch Getreide drin, es könnte also auch bei den Backwaren explodieren - besonders wenn der hinterhältige Inder das deutsche Mischbrot entdeckt. En garde!



31 Juli 2007 um 12:05 Uhr Kommentare (0)


... und noch mehr Porno

Es ist das hoffentlich letzte Mal!

Heute referiert Michael Winkler in der taz über das soziologische Phänomen "Rap(per)" und reagiert damit auf den Kommentar von Monika Griefahn in der letzten Woche.

Das regte mich dazu an, den Artikel zu kommentieren. Aus der daraus entstehenden Diskussion mit "Heiko" führe ich nur die besten Sachen an, der Rest kann nachgelesen werden.

Schrieb ich:
Aber, lieber Herr Winkler, Sie müssen nicht von sich auf andere schließen, das hat sogar einen vornehmen Namen: Induktion. Pardon, ich kenne nur wenige Männer, denen Löcher, Fo***, Schw***, reinstecken, Nutten, Schlampen, Huren, fi*** und ähnliche Preziosen im Kopf rumspuken. Das hat weniger mit Ehrlichkeit, denn mit persönlichem Geschmack und vielleicht sogar Stil zu tun.
Kunst? "Es geht vielmehr um die Definitionshoheit darüber, was Kunst ist, darf und soll." Kunst?! Das ist keine Kunst. Und das hat nichts mit "Definitionshoheit" zu tun. Ich stelle mich, geistig umnachtet, mit restringiertem Wortschatz und präpubertärem Sexualempfinden hin, nuschele ins Mikro mit ner Basecap und ner Kette um den Hals und mache Kunst?

Das regte Heiko dazu an, meinen Kommentar zu kommentieren:
Pardon, sind Sie ein Mann???
Denn wenn ja, brennen mir einige Fragen auf den Nägeln, die Sie vielleicht im ersten Moment als beleidigend empfinden, aber glauben Sie mir, ich will nur Ihr Bestes. Also:
Glauben Sie das eigentlich selbst? Sind Sie sexuell gehemmt und übertragen, pardon: induzieren das von sich auf andere? Haben Sie mal Freud gelesen? Haben Sie schon mal was von einer Sache namens "Psychologie" gehört? Waren Sie jemals auf einer Party, so richtig mit Frauen und enthemmenden Mitteln, von mir aus Alkohol? Haben Sie schon mal Ihr Haus verlassen?
Und Sie kommen deshalb zur Einsicht, dass Kunst nur in Museen vorkommt, und zwar, nachdem Experten das genau gepüft haben, oder?
Und über den Kunstbegriff haben Sie vermutlich sehr intensiv nachgedacht?
Ich hoffe inständig, dass ich an Ihrem Weltbild kratzen konnte und bete für Sie!

Natürlich konnte ich nicht widerstehen ... Hier kommt die Antwort auf diesen herrlichen Kommentar zum Kommentar:
Zu Deinen brennenden Fragen: Ich würde mich als Mann sehen, ja. Mit allem was dazu gehört, auch zwischen den Beinen (ehrlich, auch wenn Du es in Frage stellen willst). Und ja, ich bin sexuell total verklemmt, unreflektiert, halte Freud für ne Tamponmarke und Psycho... wie heißt das? Na, Du weißt schon, was Du geschrieben hast, auf jeden Fall habe ich mal davon in meiner Abonnementzeitung "Goldenes Blatt" gelesen.
Ich bin sehr, sehr froh, Heiko, dass Du mir die Tür ins richtige Männerleben ein bißchen geöffnet hast, wo es enthemmte Schlampen, immer geile Löcher und viel zum reinstecken gibt.
Danke. Vielmals. Ich bin gerührt, dass Du mir helfen willst. Du solltest so ein Psychologe werden, was immer die machen.
Und jetzt mal ganz unter uns und im Ernst, Schatzi: Wenn ich da draußen Menschen wie Dich des öfteren träfe, würde ich das Haus nicht mehr verlassen, mich mit Freud schlagen, enthemmende Drogen nehmen und über Kunst lamentieren. Bis es aber soweit ist, halte ich's damit: Kunst ist nicht der Inhalt, Kunst ist die Perspektive - die Pornosabberer haben keine.

To be continued, fürchte ich ...



25 Juli 2007 um 00:45 Uhr Kommentare (1)


Noch mehr Porno

War schon am 12.07. in der taz die Rede von rhythmisch rappenden Pornos (s. unten), so gab es am 18.07. einen Nachschlag: Nie wieder freilaufende Gays titelte es auf der tazzwei-Seite.

Was nun? Einer unserer jungen "Künstler" namens G-Hot wollte die heterosexuelle Welt zum CSD aufrütteln: den Schwuchteln sollte man besser den Schwanz abschneiden, soll es da in einem Clip auf youtube.com geheißen haben - neudeutsch: Schwulen-Bashing.
Der war leider nicht mehr zu finden, doch einen Eindruck vom musikalischen Genie des Herrn konnte ich mir trotzdem machen. In dem anspruchsvollen Liedchen Es geschafft beweihräuchert sich der großmäulige Jungschwanzrapper (das ist ein Zitat, Herr Anwalt, und zwar von hier) selber, zu verstehen ist nicht viel, aber die üblichen Verdächtigen sind zu erahnen: schlechte Aussprache mit genuscheltem "sch" statt "ch", viel "Alder", dazu noch "Loch" und was "reinstecken", "F**" und "kleine Eier". Hu. Uh. Das ist wirklich "exzellent" (so spricht der junge Mann über sich selbst in dem Machwerk).

Mehr wollte ich dann auch nicht sehen und hören. Aber reicht das für ein erstes Urteil? Wird es nicht zum Vorurteil, wenn ich sage, dass einige Rapper einen IQ nahe am Gefrierpunkt, den Wortschatz eines Kleinkindes und das Ausdrucksvermögen einer Stehlampe haben und ihren kleinen Schwanz mit markigen Worten, bunten Ringen und großen Wagen pushen wollen? Ich bin ja von Natur aus schüchtern und ängstlich und möchte nicht, dass das, was Martin Reichert im verlinkten Artikel schreibt, passiert: Bushido zum Beispiel [...] findet Schwule ähnlich toll wie Golfspieler, nämlich "scheisse" - er singt auch gerne mal was zum Thema, zum Beispiel darüber, dass man "Tunten vergasen" müsse. Wenn umgekehrt jemand in der taz schreibt, dass es sich bei Bushido womöglich um eine "Dumpfbacke" und einen "furzlangweiligen Kacker" handeln könnte, schickt der sensible Künstler gleich einen Learjet mit Anwälten vorbei.

Der Artikel führte übrigens zu einem Leserbrief, dessen Tenor war, es sei das "Rapper-Bashing" im Lande ausgebrochen, man müsse "toleranter" und "objektiver" sein, die Rapper würden als Vorwand missbraucht, auch von der Politik. Das wäre sogar im Rahmen des Möglichen; Monika Griefahn durfte einen Kommentar in der taz vom 19.07.07 verfassen.

Gehört das jetzt verboten? Ne. Für mich zumindest nicht. Es gehört genauso verboten wie die Idioten und geistlosen Nachäffer, die den Mist kaufen. Die Reaktion von Aggro war die vernünftigste Lösung: Raus mit dem Typen aus dem Label, tüss und wech in deinen "Untergrund". Nicht weil du dämlich, beschränkt oder diskriminierend sein könntest, nein, Mr. G-Hot, du bist schlecht fürs Geschäft. Und das rächt sich immer. So viel zum sich selbst regulierenden Markt.



22 Juli 2007 um 18:00 Uhr Kommentare (0)


Von Humboldt, Bologna und der Selbstverblödung

Ich kann stolz verkünden: Ab Oktober wird wieder studiert. Die Bewerbungen an der HU und der FU laufen zwar noch, doch am Montag war die TU so nett, mich zu nehmen. Nicht als B.A., nicht als Master, sondern als guter alter Magister Artium, eingestuft ins achte Fachsemester. Das ist mehr als ich mir in meinen verschwitzten (und geplatzten) Akademikerträumen erhofft habe.

Während meiner zweistündigen Wartezeit auf dem Flur vor FR 4015 konnte ich das eine und andere Gespräch mitverfolgen. Unterhielten sich zwei B.A.s:
BA1: Und, wie weit bist Du?
BA2: Ich bin fast fertig, gestern war die letzte Prüfung
BA1: Ja, und? Was hast Du für eine Note?
BA2: Eine 1,3... ist ok, ich habe ja nur 5 Semester gebraucht
BA1: Na, Glückwunsch, ich habe heute meine Note bekommen ...
BA2: Und was hast Du?
BA1: Der Prüfer meinte, es sei eigentlich eine 1, aber da ich auch so schnell war mit dem Studium, hat er mir eine 0,7 gegeben.
BA2: Wow, alter Streber... Was machst Du jetzt?
BA1: Ich weiß nicht... Ich bleibe erst mal an der Uni, werd wohl nen Master machen, sonst haben wir ja nicht viele Möglichkeiten.

Was lernt der altersweise und -milde Zuhörer daraus?
Erstens: Schnelles Studieren führt zu besseren Noten
Zweitens: Bessere Noten führen zu nichts
Drittes: Schnelles Studium und bessere Noten führen zu weiterem Studium
Viertens: Die B.A.-Generation (die teilweise mit der Volo- und Praktikumsgeneration zusammenfällt) hat das gefressen, was die Politik und insbesondere die Wirtschaft gebetsmühlenartig wiederholt hat: schnell studieren / schneller studieren / gute Noten / bessere Noten / nicht fürs Leben lernen, sondern für den Job.

Halt mal. Stop. Schalten wir den Denkapparat wieder ein und das Stakkato aus. Cui bono? "Die Wirtschaft" will qualifizierte Kräfte. Ok. "Die Wirtschaft" will auch gut ausgebildete Kräfte. Ok. Doch "die Wirtschaft" nimmt nicht unsere beiden B.A.s. Warum?
Was fängt "die Wirtschaft" mit zwei Geistes"wissenschaftlern" an, die im fünften Semester ihr Studium der, sagen wir Geschichte, Germanistik und VWL abgeschlossen haben? Was können die denn, fragt der Personaler? Nüschte. Oder wenig. Sie können:
a) schnell studieren
b) kennen Laufzettel
c) kennen Stundenpläne, CP und Module
Sie können nicht:
a) selbständig arbeiten
b) wissenschaftlich arbeiten
c) über den Fachbereich hinaus denken
Doof. Und so gar nicht für "die Wirtschaft" geeignet. Denn die braucht doch selbständige, eigenorganisierte, multiple Spasmen. Zumindest tönt sie so. Und was sie noch braucht: Hüte; keine Köpfe, aber schöne Hüte; Mitarbeiter, die nicht denken, sondern machen; die nicht hinterfragen, sondern ausführen. Und, da kann man sagen was man will, das können unsere B.A.s, das haben sie gelernt.

Die Universitäten haben mit Freuden und ohne Hirn den Szepter aus der Hand gegeben, haben ihre akademische Freiheit gegen eine eingebildete, ominöse Zukunftsfähigkeit eingetauscht. Jetzt geht es nicht um das Studium, um die Bildung des Geistes, der Jugend und Investition für die Zukunft, jetzt geht es um Exzellenzwettbewerbe und Standortfaktoren, um Eliteunis und marktfähige Konkurrenz.
Besonders trifft das die Geisteswissenschaften (und wird sie noch härter treffen), die früher bereits im Ruch des "Parkstudiums" und der l'art pour l'art standen, weil sie eben keine "harten Fakten" vermitteln, nicht für "den Beruf" qualifizieren, weil sie "zweckfrei" sind. Heute schon bauen die Universitäten - als Beispiel seien die Berliner Unis, allen voran die Humboldt Universität - Lehrstühle ab, Deputate werden nach der vorberechneten Anzahl Studierender vergeben; wird schon passen, eng ist gemütlich, zwei Vorlesungen reichen, soll ja schnell gehen.

Böser Nebeneffekt: Lernte man früher im Studium, sich zu organisieren, zu selektieren und eigenständig zu denken und handeln (natürlich lernte es nicht jeder), so lernt man heute wie in der Schule: Stundenplan, Laufzettel, Module, Punkte sammeln wir wie "Packman" - und lauf los, kleiner Studiosus, hast sechs Semester Zeit. Have fun. Und viel Glück. Denk nicht zu viel. Denk nicht zu weit. Mach, was man dir aufschreibt.

Ich will das "alte Studium" à la Humboldt nicht schön reden, auch hier sind viele "durchgefallen", haben die Oase der Glückseligen als ihren Freiraum genutzt, sind verschollen in den Tiefen des universitären Bauches. Doch die freiwillige Selbstverblödung und der Ausverkauf der humanistischen Werte sind nicht nur symptomatisch, sie sind abgrundtief traurig.

 



19 Juli 2007 um 11:25 Uhr Kommentare (0)


Und raus bist du....

Vattenfall und kein Ende. Nachdem die Konzernkommunikation das Informationsbedürfnis der inputgeilen Presse und Öffentlichkeit dummerweise unterschätzt hatte, nachdem der Deutschlandchef ein bißchen gegen die böse Presse gepöbelt hatte, doch alles irgendwie noch ging, wurden die beiden tapferen Recken am 15.07. doch gegangen: Say goodbye to Atomkraft, Herr Altmeppen und Herr Thomauske. Wer's lieber aus dem Süden liest, der lese hier

Roma locuta, causa finita? Aber nicht doch. Zum einen bohrte "die Politik" (die fiese, gehässige) weiter nach, zum anderen bohrten Umweltschutzverbände (noch fieser, noch gehässiger) weiter nach, und schließlich lies "die Presse" (hier kann man schon gar nicht von fies & gehässig reden) den ungeliebten Umweltschützer nicht zur Ruhe kommen. Das Ende vom Lied: Am 18.07. tritt Klaus Rauscher, Europachef von Vattenfall, zurück - trotz großer Verdienste.

Spricht die taz auf Seite 1: Vattenfall jetzt ohne GAU-Leiter

Fragt sich dieser Leser: Wann gibt es endlich die Bahn ohne den Hartmut-Störfall?



19 Juli 2007 um 10:45 Uhr Kommentare (0)


Ain't got no cigarette

Kurz nach 17 Uhr an einem Sonntag, ich sitze im Maybach, es sind um die 30 Grad (gefühlt sind es mehr inkl. Wüstenwind ... heißer Sand und verlorenes Lahand ...), der einzige freie Platz ist ziemlich sonnig, vor mir steht ein großes Radler (kühl).

Heute um 12:30 Uhr war eine Wohnungsbesichtigung, nicht weit von hier, 25 Leute standen vor der Tür, 10 kamen noch nach. Der Makler kam später, der Noch-Mieter bildete Gruppen, Passanten fragten, ob hier eine Besichtigung sei. Als ich gestern in der Morgenpost las, Berlin bekäm langsam Münchner Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt, habe ich gelächelt - heute stöhne ich. Die Wohnung war schön, doch ist sie ihren Preis wert? Und wofür einen Makler bezahlen, der faktisch nichts macht, in dessen Fragenbögen man sich am besten bis auf die Unterwäsche (gerne auch weiter) ausziehen soll? Ich will keinen Kredit, ich will nicht heiraten, ich will nichts geschenkt - ich will eine ganz normale Wohnung: Wohnraum gegen Geld, Leistung und Gegenleistung.

Was wir also brauchen:
a) eine Wohnung
b) Geld
Was wir haben:
a) keine Wohnung
b) kein Geld
Was wir sind:
a) ernüchtert
b) frustriert
Wobei das alles relativ ist. Was macht eigentlich jemand mit Hartz IV (im Amtsdeutsch ALG II)? Der ist nicht nur stigmatisiert, der kann auch auf dem "freien Wohungsmarkt" nicht mehr mithalten. Courtage? Forget it. Kaution? Wovon? Festes Einkommen? Klar, von der ARGE.
347 Euronen gibt es, dazu die Miete, marktüblich und mit Nebenkosten, Heizkosten nach Verbauch, sofern nicht "unwirtschaftlich", mit vorgegebener Richtgröße (50 qm dürfen es sein) und Richtpreis von 360 EUR warm (zzgl. Strom). Für den Kurs eine Wohnung zu bekommen, ist möglich, nur bitte stellt keine Ansprüche, liebe Leute.

Die heutige Wohnung, knapp 60 qm, würde 425 EUR warm kosten, dazu drei Monatsmieten Kaution und zwei Monatsmieten Courtage. Da sind mal eben 1700 EUR weg. Bei Vertragsschluss natürlich, auch wenn der Vertrag erst ab 01.10. läuft. Was man hat, hat man ... Was habe ich im Monat zum Leben? Nach Abzug aller Fixkosten bleiben für ein Jahr um die 200 EUR: für Lebensmittel, Klamotten, Schuhe, "Freizeitvergnügen" und was sonst so anfällt. Ist es das wert?

Entscheidungen. Das schlimme daran ist: mit jeder Option, die du wählst, schlägst du - mindestens - eine andere aus. Im Ende stimmt es doch: Jeder kennt nur seine Klage, glaubt, dass er am schwersten trage.
Um 17:45 Uhr ist die Sonne hinter Bäumen verschwunden - Halbschatten. Die Spatzen balgen sich weiter um Krümel auf den Tischen. Die Leute trinken noch immer Kaffee oder Bier. Die Bedienung hat noch immer gut zu tun. Ich habe noch immer keine Lösung parat. Ich habe noch keine Entscheidung getroffen. Und morgen ist ein neuer Tag ...
Ich lasse das Rad des Schicksals, die gute olle Fortuna entscheiden: Ich teile der Maklerin mit (per SMS, bitte, ich rufe dann zurück), dass ich interessiert bin, mag sie entscheiden. Morgen. Denn dann ist ein neuer Tag.

Ich nehme noch ein Bier.



15 Juli 2007 um 21:15 Uhr Kommentare (0)


Was ist Kunst? (die Zwote)

... oder: Klickende Schweine

Die Location: Ballhaus Kreuzberg

Der Anlass: X_Sounds, eine Ausstellung der UDK Berlin

Der Anlass II: Being a Thekenschlampe (oder mit anderen Worten: Unterstützung im Barbetrieb während des 'Happening'am Freitag Abend)

Das Programm: Ist schwierig zu beschreiben, da nicht gesehen, da versteckt hinter einem Vorhang. Aber zu hören war es: es machte Geräusche - es war dunkel (das war zu sehen, ok) - es tönte leise, laut und lauter - es quietschte - es surrte - es sprach - es brummte. Danach wurde es wieder hell. Dann wieder dunkel. Dann tönte es wieder; und am Ende gab es Livemusik - die gar nicht mal schlecht war.

Die Installation: Lässt sich am besten mit "klickende Schweine" bezeichnen:

Ja, es ist genau das, was man sieht: Sparschweine ohne Münzeinwurfschlitz, aber dafür mit Lautsprechern, die permanent das Geräusch von einfallenden Münzen wiedergaben. Manchmal höre ich es heute noch ... Doch während der künstlerisch ungebildete "Mann anna Theke" die Schweine heimlich verfluchte (klick --- klick --- klick), waren sie für andere der Grund für eine lange, intensive, multikulturelle Diskussion.
Die Essenz:
1. Künstler sind schlechte Barkunden
2. Kunst kann verstören (Sie kamen und sie gingen auch schnell wieder)
3. Kunst kann begeistern (Sie saßen und sie klatschten)
4. Schweine sind multifunktional

Kunst, was ist das? Die in Form gebrachte Forderung nach Unmöglichen. Sagte mal einer. Vielleicht hat er Recht ...

 



15 Juli 2007 um 15:35 Uhr Kommentare (0)


Pornoblog

Als guter Zeitungsleser bin ich ja auch ein Rechercheur (ja, meine Kreation, gefällt mir). Und wenn ich denn von Pornorappern lese, so will ich wissen, was die von sich geben.

Fündig wurde ich bei Orgi aka King Orgasmus One, dem Hauptthema des Artikels. Dankenswerterweise hat der seine ..na ja ... Songs (?) gleich online, so dass der geneigte - und recht bald ungläubige Hörer - sich seine Meinung bilden kann.

Frühjahrsputz setzt die gute, traditionelle Hausfrauentätigkeit in moderne Worte um: Putz, putz, putz die Wohnung [...] Du Schlampe. [...] Auf die Knie und putz. Du dumme Schlampe. [...] Mach das weg. Ja, hm, doch, der ursprüngliche Sinn der Hausarbeit wird hier sarkastisch überhöht und mit allegorischer Wiederholung ad absurdum geführt.

In Blasen - einem gewagten, aber auch sehr anspruchsvollen Stück - versucht der Ich-Erzähler mittels sexueller Kontakt sein Ich zu definieren (aus Jugendschutzgründen muss der Verfasser hier mit Auslassungen arbeiten): ... perfekt zu f*... ich f*... Ärsche und dehne R*... aus Liebe wird schwul, du bist schwuler als schwul, du bist hässlich ...

Mit Es ist vorbei wird die schmerzhafte Trennung vom Lebenspartner verarbeitet - auf fast klassische Arbeit: ... es kotzt mich an, euer Scheißmitleid [...] lass misch geh'n. [...]. ... endlich wieder Single und ... wie ein Schwein. Du kannst nicht kochen, nicht putzen ... [...]. Endlich sind deine Sachen weg, keine Tampons und kein Wattepad. [...] Jetzt guck ich Actionfilme ... Pornofilme. [...] Es ist vorbei, bei, du bist doof.

Bei Ahahaha konnte ich leider kaum etwas verstehen außer: f****, blas meinen .... und noch mal f* im Kontext mit Mutter und kotzen

Mein Favorit ist Anal Arschgeil: Ein Teaser für das neue Album - bis Deine Ohren bluten. Ich glaube, es geht - neuer Topos - um f* und natürlich b* sowie diverse M* und * den S* reinzustecken. Die Botschaft ganz klar mittendrin: Ich scheiß auf euch alle und dieses Album ist politisch, besonders wenn die Ex auf ex gef*** wird.

Nachdem meine Ohren nun nicht mehr bluten - Roland Kaiser und Wildecker Herzbuben halfen - schnell zum Abschuss ... äh: Abschluss. Das ist der größte Dummfick, den ich je gehört habe. Das muss man nicht mal verbieten, das muss man nur vorführen. Ich kann mich nicht mal darüber aufregen - zu dumpf, zu dumm, zu dämlich. Wenn die Jungs Spaß daran haben, bitte. Vielleicht sollten sie mal den Kopf ins Klo stecken und kräftig abspülen. Könnte helfen. Vielleicht.



12 Juli 2007 um 16:00 Uhr Kommentare (1)


Das unterschätzte Informationsbedürfnis II

Im Westen nix Neues: Auch die Deutsche Bahn (jener Konzern, den ein gewisser Herr Hartmut M. unbedingt an die Börse prügeln möchte) hat ein gutes Potential, das Informationsbedürfnis des gemeinen Bahnfahrers und Kunden zu unterschätzen.

Heute, 08:00 Uhr in Deutschland und im Netz. Dieser Herr muss nach Köln zu einem Termin um 11:00 Uhr. Am Vorabend war zu lesen: Keine Streiks! Die Hotline -immerhin erreichbar - wusste im Grunde nichts, war jedoch höflich und bemüht. Schau an.
Um 08:00 Uhr nun steht unter bahn.de/aktuell, es gäbe keine Streiks aufgrund einer einstweiligen Verfügung des Arbeitsgerichtes Köln. Was redet dann das Radio von Streik von 8 bis 11, weil die Gewerkschaft GDL die EV nicht bekommen habe? Um 08:15 Uhr keine Änderung, die Bahnseite sagt nichts von Ausständen, die Radiomenschen tun es. Da bleibt nichts anderes über, als zum Bahnhof zu fahren. Der ist dann auch leer (Kunden) und vereinsamt (Züge), die Anzeigetafel ist veraltet,die Durchsagen kommen im Minutentakt.

Denn die bösen Lokführer haben sich nicht an die apodiktische Prophezeiung des Konzerns gehalten und streiken. Wenn was kommt, kommt es später - so auch der ICE nach Köln, knapp 15 min. Verspätung, recht leer und freigeben für die Pendler, die sicherlich um 09:00 Uhr nicht mehr pendeln. In der Summe ist das ok, in Köln machen die Jungs von der GDL noch eine kleine Demo vor dem Hauptbahnhof, die alle möglichen Ü-Wagen anlockt (und sie war wirklich klein, vermutlich wird sie im TV zu einer großen Sache).

Was lernen wir daraus? Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung, so sehr man es sich auch wünscht und die Fakten ignoriert. Übrigens soll um 08:30 Uhr (schon!) die Homepage aktualisiert worden sein. Topaktuell! Danke, Hartmut (der fährt doch bestimmt nicht Bahn)



10 Juli 2007 um 19:00 Uhr Kommentare (0)


Das unterschätzte Informationsbedürfnis

oder: Chronologie einer Riesenschlamperei

Es ging am 29.06.2007 los: Die AKW Brunsbüttel und Krümmel gingen vom Netz gingen nach einem Brand und einem Kurzschluss vom Netz. Sprach Vattenfall: "Es erfolgte in beiden Fällen eine automatische Schnellabschaltung", sagte ein Vattenfall-Sprecher. Wann die beiden Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen, war zunächst unklar. Nun müsse erst die Lage gründlich analysiert werden, bevor der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden kann."

Während Brunsbüttel recht schnell aus dem Focus geriet, fragte man sich am 01.07.07 bereits, ob es bei Krümmel nicht doch ein Fehlerchen mehr gäbe: Ist der Störfall im Atomkraftwerk Krümmel auf Nachlässigkeit zurückzuführen? Das glaubt jedenfalls ein Experte für Großkraftwerke. "Ein Brand in einem derartigen Transformator bricht niemals ohne Vorwarnung aus", sagte der Elektrotechniker, der nicht namentlich genannt werden möchte [...].

Am 04.07.07 musste Vattenfall zugeben, dass das Problemchen mehr ein Problem war (und ist): Der Brand im Atomkraftwerk Krümmel hat schwerere Folgen, als der Betreiber Vattenfall bislang eingestanden hat: Die Expertenprüfung habe ergeben, dass auch das Reaktorgebäude selbst betroffen war, teilte das schleswig-holsteinische Sozialministerium mit. Durch den Ausfall einer Reaktorspeisewasserpumpe und durch das unplanmäßige Öffnen von zwei Sicherheitsventilen seien der Druck und der Füllstand im Reaktor-Behälter gesunken. Auf gut Deutsch heißt das, dass die Schnellabschaltung nicht wie notwendig funktionierte.
Das Stichwort wird "unplanmäßig", so dass sogar die CDU - unplanmäßig - mit den Grünen einer Meinung ist: Der CDU-Energieexperte im Kieler Landtag, Manfred Ritzek, fordert, dass geklärt werden muss, weshalb Vattenfall die Vorgänge nicht von sich aus transparent mitteilte. Vattenfall-Sprecher Ivo Banek sagte, das Unternehmen sei davon ausgegangen, "dass der Vorfall keine Bedeutung für die Öffentlichkeit hatte".

Am 06.07.07 höre ich in Nachrichten den Satz: ... Vattenfall räumt ein, das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit unterschätzt zu haben ... (kursiv die wörtliche Aussage)

Am 07.07.07 ist zu lesen: Der Atomkonzern Vattenfall gerät wegen seiner Informationspolitik nach dem Brand im AKW Krümmel immer stärker unter Druck. Wie am Freitag bekannt wurde, ist bei dem Feuer am Donnerstag vergangener Woche durch das Lüftungssystem Rauchgas in die Leitwarte des Kraftwerks eingedrungen. Nur mit einer Gasmaske habe ein Mitarbeiter seinen Dienst in diesem zentralen Steuerraum des Reaktors fortsetzen können, teilte das schleswig-hosteinische Sozialministerium mit. [...]. Vattenfall bestätigte den Vorfall. Mehrere Mitarbeiter im Kontrollraum hätten unter Schleimhautreizungen gelitten. "Der Reaktorfahrer selbst hat nach Öffnung der Ventile eine Gasmaske angelegt", sagte Bruno Thomauske, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy. Zudem habe es im Zuge der Schnellabschaltung Probleme bei der Eigenstromversorgung des Kraftwerks und bei der Datensicherung gegeben. Nach dem Brand hatte Vattenfall zunächst behauptet, der Reaktor selbst sei nicht betroffen gewesen.
Was fällt auf? Statt des Pressesprechers teilt nun schon der Geschäftsführer mit, dass es doch ein bißchen (aber wirklich nur ein bißchen!) schlimmer war, als eine Woche vorher verkündet.

Nun möchte keiner sagen, Vattenfall sei unzuverlässig, so etwas kann ja mal passieren. Aber: Bereits zuvor hatte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast gefordert, dem Stromversorger Vattenfall die Lizenz zum Betrieb von Atomreaktoren zu entziehen. Übertrieben? Nicht ganz, wenn man das berücksichtigt: Auch bei der Beinahekatastrophe im schwedischen Reaktor Forsmark 2006 sowie bei Störfällen in Brunsbüttel hatte Vattenfall erst verspätet über die wahre Dimension aufgeklärt.

Am 09.07.07 schließlich berichtet die Presse: Die radioaktive Wassermenge, die sich im Reinigungssystem befand, habe somit den vorgeschriebenen Grenzwert "geringfügig" überschritten, hieß es. Die Alarmeinrichtung sorgte laut Vattenfall dafür, dass nicht noch mehr Wasser in das System floss. "Bei dem Vorgang handelt es sich um ein meldepflichtiges Ereignis", so der Konzern. Von Gefahr könne aber keine Rede sein. [...]. "Es gibt Dinge, die kann man einfach nicht sofort abschließend erklären", sagt Banek. Man wolle aus den Vorfällen jedenfalls lernen und sich künftig schneller an die Öffentlichkeit wenden sowie meldepflichtige Ereignisse ins Internet stellen.

Die Ironie an der Geschichte: Genau in dieser Woche erschien mehrfach eine Anzeige der Atomlobby unter der Fahne: Die ungeliebten Klimaschützer.
Bleibt die Frage: Quis custodes custodiat?



08 Juli 2007 um 15:40 Uhr Kommentare (0)


Integrieren wir uns doch mal ...

... in der Schweiz.

Um nicht in den Ruch zu kommen, immer nur die taz zu bloggen, nehme ich heute mal das Magazin der SZ zur Hand. Dort schreibt Bruno Ziauddin, Schweizer, über die Deutschen in der Schweiz. Und ich finde einige Perlen.
Zum Deutschen im Restaurant:
Ein Freund arbeite als Kellner bei einem der besten Italiener in der Stadt. Ein deutscher Gast habe dort neulich eine Pizza Hawaii bestellt. "Fruchtsalat gibt's bei uns erst zum Dessert", habe der Freund geantwortet. "Und weißt Du", fragt Sergio, wie ein Deutscher im Restaurant eine Auster öffnet? Er klopft auf den Tisch und brüllt: 'Aufmachen'!" [...] "In der Gegenwart von Deutschen fühlen wir uns auf einmal im eigenen Land als Ausländer."

Zum Deutschen und der Mode:
Was uns trotzdem beschäftigt: Wie kann eine Nation, die mehr als passable Modeschöpfer hervorgebracht hat, sich so erbarmungslos schlecht kleiden? Ein geschultes Schweizer Auge erkennt einen Detlef (Synonym für Deutsche) noch bevor er 'Grützi' sagen kann. Die häufigsten Merkmale sind: sechsfarbige Nylonjacken, schlecht sitzende Cordhosen, hennarote Igelfrisuren, merkwürdige Nickelbrillen, Totalbequemschuhe.


Dagegen sind die Regierungsspielereien im Lande D bei der Integration doch nachgerade vorbildlich:
Das Gesetzespaket sieht vor, dass Ehepartner aus Nicht-EU-Staaten künftig nur nachziehen dürfen, wenn sie volljährig sind und zumindest einfache Deutschkenntnisse nachweisen können. Ausgenommen davon sind Zuzüge aus Ländern wie den USA, Australien oder Japan. Mit dieser Regelung sollen Zwangsehen bekämpft werden. (schreibt die, ich bitte um Pardon, taz). Und da sind wir auch alle froh, denn wer will schon Türken, Inder oder Pakistani, wenn wir Amerikaner, Australier und Japaner haben können? Erstens sind die immer volljährig, sprechen zweitens immer ein bißchen deutsch (McDonald's, Starbucks, Dokin' Donut), drittens fahren die auch wieder. Stellt sich die Frage, wer uns vor Zwangsehen mit Amerikanern und George W. schützt?
Na, egal, dem zuträglich ist ja auch, dass wir es schaffen, Schilder in deutsch und englisch zu beschriften, es bis heute aber - außer ab und an regional - keine türkische Beschriftung gibt. Warum? Ist doch offensichtlich: Englisch ist Weltsprache, englischsprechende Menschen sind Weltbürger; türkisch sprechen nur Integrationsunwillige, Türken sind einfach da. Dieser Integrationsgipfel ist der Gipfel.



08 Juli 2007 um 15:20 Uhr Kommentare (0)


Sentimentalitäten (Untertitel: Lieder des Lebens)

Gestern Abend hatte ich Zeit. Es regnete. Es war kühl. Es war noch nen Bier da. Also bin ich mal die CD durchgegangen und habe das eine oder andere auf den PC überspielt - Willkommen im mp3-Zeitalter!

Plötzlich fällt mir die CD mit den "Best of 70s" in die krummen Finger. Mann, sind da Lieder drauf ... ich versinke in Erinnerung. Nicht dass ich die 70er so bewusst erlebt hätte, aber die Musik gab es noch in den 80er. Bette Midler mit The Rose oder Rose Garden von Lynn Anderson ... Alles zig mal kopiert, doch irgendwie nie erreicht. Zum Schluss fällt mich ein einziges Lied an, das entweder der Tiefstpunkt oder die Krone der NDW war: Keine Sterne in Athen von Stefan Remmler. Hu.

Heute regnet es wieder. Und es ist wieder kühl.

 



05 Juli 2007 um 19:30 Uhr Kommentare (0)


Oh Gott, ich blogge schon wieder ...

... und schon wieder ominösen Herrn Lottmann, diesmal zu Berlin:
Jeder ist allein, hat keinen Zweiten, ist geworfen in die Single-Existenz und somit jedem anderen Single ganz nah. Keine Stadt der Abschottung. Millionen sitzen auf den harten Holzsitzen der S-Bahn und wollen kommunizieren. Und lieb sein. Schon sehr besonders, diese Stadt. Ein Leuchten in allen Gesichtern. Tolles Berlin! Berlin, die einsame Stadt?

Das muss gespiegelt, kontrastiert, ergänzt werden.

Berlin ist Bundeshauptstadt und Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland. Als Stadtstaat ist Berlin ein eigenständiges Land und bildet das Zentrum der Metropolregion Berlin/Brandenburg. Es ist mit 3,4 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste und flächengrößte Stadt Deutschlands und nach Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Europäischen Union. Klingt schon anders bei Tante Wiki ... Berlin, die Bundeshauptstadt?

In Berlin soll es Menschen geben, die jeden Samstagmorgen mehrere Kilometer mit dem Rad fahren, um sich beim ‚einzig wahren Bäcker' ihre original Schrippen zu kaufen. Las ich auf pop64.de/blog - das definiert aber nix ... oder? Berlin, die Stadt der schlechten Bäcker?

Letztes Wochenende in Berlin. Eine Menschenansammlung vor dem S-Bahnhof Friedrichstraße. Und die Musik ertönt schon bis Unter den Linden...Wie magisch angezogen von den Tönen bin ich hin zu dem kleinen Straßenkonzert. Da standen nun vier junge Musiker und spielten. Mit einer Energie und einer Hingabe - wow! Es kamen immer mehr Zuhörer und jeder blieb, so lange er konnte. Mit meiner frisch erworbenen CD und glücklich bin ich dann wieder nach München geflogen. Und seitdem höre ich sie nun täglich. Volle Lautstärke. Und bin immer noch manchmal ein bisschen neidisch, dass so etwas wohl nur in Berlin passieren kann... Ist auf muenchen.germanblogs.de zu lesen. Berlin, die Stadt der Straßenmusikanten?

Trotz erheblicher Mehreinnahmen durch Knut sieht sich der Berliner Zoo genötigt die Eintrittspreise zu erhöhen!
Die Eintrittskarte für einen Erwachsenen soll künftig 12,00 Euro statt 11,00 Euro kosten! Ob das die Berliner verstehen werden?
fragt besorgt in-berlin-brandenburg.com/blog. Berlin, die Stadt der teuren Zoos?

Knapp eine Woche ist seit seiner ersten offiziellen "Pressekonferenz" vergangen und fast 75.000 Menschen wollten ihn seitdem schon sehen. Knut, der putzige Eisbär, ist und bleibt der Star des Zoologischen Gartens in Berlin. Täglich zwischen 11 und 13 Uhr sowie 14 bis 15 Uhr zeigt sich Knut in seinem Freigehege den begeisterten Menschenmassen. Klar, dass bei einem solchen Andrang nicht jeder Besucher den Bären zu Gesicht bekommt. Noch mal Zoo, wieder mal der Bär, gefunden bei goyellow.de und nicht mehr topaktuell. Berlin, die Stadt der Bären? (des Bären?)

Berlin, die Stadt der Frauen. Kündet frauenhotel-berlin.de - Ende gut, alles gut.

Zum guten Schluss: Die "Blogabhängigkeit" (waset nich' alles gipt)

45%How Addicted to Blogging Are You?



05 Juli 2007 um 19:10 Uhr Kommentare (0)


Aus! Vorbei! Feierabend! Schluss!

Traurige Zeiten brechen an. Brüder und Schwestern, lasst uns die Klage erheben (the weight of this sad time we must obey ...): Ab 01.09.2007 gibt es die taznrw nicht mehr.

Ward zu lesen auf rotem Grund im sonst leeren NRW-Teil :
Liebe LeserInnen,
der taz-Vorstand hat am Montag beschlossen, die taz nrw zum 31. August einzustellen. Trotz gezählter 817 Neuabos in zehn Wochen reicht der taz-Spitze das regionale Ergebnis nicht - aufgrund nicht transparent gemachter Leser-Berechnungen wurden der NRW-Redaktion lediglich 400 Abos gutgeschrieben. [...]. Es liegt allein in der Verantwortung der Geschäftsführung, dass diese LeserInnen nun eine taz ohne NRW-Regionalteil bekommen werden - [...]. Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben es nun in der Hand, der Berliner Geschäftsführung zu zeigen, was Sie von der Abwicklung der taz in Nordrhein-Westfalen halten. Zeigen Sie Solidarität. Eure Redaktion.

Ergänzend auf der Homepage:
Die Geschäftsführung erklärte sich nicht bereit, Alternativen für eine Fortführung der taz nrw zu entwickeln. Eine Veränderung der ökonomischen Grundlage für die taz nrw lehnte sie ebenso ab wie die Forderung der Redaktion, den Regionalteil bis zum 30. September zu erhalten und so den taz-Genossen die Möglichkeit zu geben, auf ihrer Hauptversammlung über die Zukunft der taz nrw zu entscheiden. Auch die Vorschläge, die taz nrw durch regional höhere Abonnementpreise oder die Akquise von neuem Kapital zu stärken, wurden von der Geschäftsführung abgelehnt.
Die Redaktion der taz nrw hat gestern - mit ausdrücklicher Unterstützung von Chefredakteurin Bascha Mika - einstimmig beschlossen, unter diesen Bedingungen nicht weiter um neue AbonnentInnen zu kämpfen. Die Redakteure lehnten es ab, die bedrohten Arbeitsplätze als Druckmittel für die Gewinnung neuer Abonnenten einzusetzen, da die Geschäftsführung ihnen keine Perspektive über den 31. August hinaus in Aussicht stellte.

Zugleich antwortet der taz-Vorstand. Tenor des Replik: No money, no taznrw (Wir können als taz-Vorstand nicht beschließen, Geld zu haben, das wir nicht haben) - zu lesen hier

Und nu?



04 Juli 2007 um 23:55 Uhr Kommentare (0)


Das Paradies zu 7,50

Mindestlohn. Mindestlohn. Ja ... da war doch mal was ... sollte da nicht ...
Genau! In den feuchten Träumen unser Staatslenkerinnen und -lenker wird den Bürgerinnen und Bürgern nur Gutes widerfahren. Seit ein paar Wochen ist das der Mindestlohn. Da staunt der geknechtete Söldner der Fensterputz- oder Bewachungsbranche: 7,50 die Stunde. Mann, das ist geil. Oder präziser: Geiz ist geil. Für wie blöde werden wir eigentlich gehalten? Natürlich sind 7,50 mehr als 3,50, doch um von 7,50 einen erträglichen (und nicht übermäßig erträglichen!) Nettoverdienst zu haben, müsste Mr. Putzundschupp oder Mr. Nachtwächter mal locker 210 Stunden arbeiten. Das wären dann 1575 EUR brutto oder - über'n dicken Daumen - 1200 EUR netto. Wow. Es brechen goldene Zeiten an ... Wen stört da noch die klitzekleine Problematik mit dem Arbeitsschutz, der kategorisch sagt: Mehr als 208 Stunden im Monat sind nicht zulässig. Das macht dann halt 1150 EUR netto - wir wollen doch nicht kleinlich sein.

Endlich einmal realistisch hat sich Barbara Dribbusch damit auseinander gesetzt. Und für alle, die es noch nicht kannten, das Grundeinkommen nach Götz W. Werner.

Werners Modell in die Praxis übertragen könnte heißen:
Das Modell wird sukzessive in Laufe von 20 Jahren eingeführt, das "alte System" dabei zurückgeführt

1. Abschaffung aller Steuern außer MwSt. und Einkommenssteuer (Werner geht weiter und will alles außer der MwSt. abschaffen)
2. Erhöhung der MwSt. auf 50%
3. "Bürgergeld" (bedingungsloses Grundeinkommen) für jeden Einwohner 1.500 EUR (Kinder: 750 EUR)
4. Bis 1.500 EUR keine Einkommenssteuer, 1.500 EUR bis 3.000 EUR 10%, 3.000 EUR bis 5.000 EUR 20%, über 5.000 EUR 30% (im Monat pro Bürger; keine Zusammenlegung, kein Splitting; es zählen alle Einnahmen)
5. Keine Einschränkungen bei der Einkommenssteuer: keine Abschreibungen, keine Werbungskosten usf.
6. Keine weiteren staatlichen Leistungen (Sozialhilfe, Bafög usw.) und Forderungen (Gebühren usw.)


== Folgen ==

1. Preise sinken erst einmal durch Wegfall sonstiger Steuern und Gebühren (z. B. Benzin: 0,75 EUR/l Steuern & Gebühren à fallen weg = 0,75 EUR/l netto mit Verdienst für Mineralölgesellschaften)
2. Preise steigen durch MwSt. (z. B. 1,13 EUR/l inkl. MwSt.)
3. Steuerlast in erster Linie abhängig vom Konsumverhalten: Wer wenig kauft, zahlt auch wenig
4. Behörden und Ämter fallen weg, da sie nicht mehr gebraucht werden (Arbeitsämter, Bafögämter, Sozialämter, Abteilungen der Finanzverwaltung usw.)
5. Konsum wird angekurbelt, weil die Bürger Geld haben
a. Dadurch als zweiter Schritt mehr Dienstleistungsarbeitsplätze
6. Arbeit ist zweitrangig, da Grundauskommen vorhanden
7. Arbeitsleistung und ?motivation steigt, da der Faktor Arbeit freier ist
8. Staatseinnahmen steigen mittelfristig durch Konsum; Staatsausgaben sinken durch weniger Aufgaben
9. Keine Rentenversicherung mehr, da überflüssig; keine Krankenversicherung, da Privatleistung
10. Lohnkosten sinken à Produktionskosten sinken à mehr Arbeitsplätze und niedrigere Preise
11. Eine Steuerklärung ist nicht notwendig oder auf einem Blatt möglich: Einkommen angeben, Freibetrag angeben, Steuer heraussuchen, rechnen ? fertig! (z. B. Jahreseinkommen 35.000 EUR, Steuersatz 10%, Freibetrag 18.000 EUR, zu versteuern: 17.000 EUR = 1.700 EUR Steuern)



04 Juli 2007 um 23:15 Uhr Kommentare (1)


Was ist Popliteratur? Und Kunst?

Zufällig lese ich heute in der taz einen Artikel eines gewissen Herrn Lottmann über Kuba - und halte es für Satire. Doch so ganz sicher bin ich mir nicht, also ab in die Recherche und hallo google.

Von Natur aus faul, präsentiere ich die Ergebnisse als Linx, da kann sich jeder selber einen lesen, wenn er mag:

Die WELT trifft auf Lottmann
Lottmann antwortet der WELT
Was immer sie tun, es gibt die ZIA, darin zu finden Holm Friebe, Bruder des unten schon lobend (na ja...) aufgeführten Jens.
Das Lottmann'sche Blog namens Auf der Borderline nachts um halb eins

Und wat is' nu Popliteratur? fragt der vom Lesen ermüdete und leicht gereizte Leser? Woher soll ich das wissen? antwortet bedeutungsschwer und inhaltsleer der Schreiberling. Hol's dir doch von Tante Wiki ... Popliteratur ist eine nicht klar umrissene Literaturgattung ... wow. Vielen Dank auch.

Immer diese Kategorien, Schubladen und der Wunsch nach Definitionen. Wir sind doch hier nicht im Literaturseminar oder im Kurs für Kreatives Schreiben ... Meine Damen und Herren, es gibt Dinge, die entziehen sich dem definitorischen Wahn, ja wollen sich jeglicher Definition entziehen - und sind genau darüber definiert!
Selbst ein scheinbar klarer (Ab-)Satz wie: Das herausstechendste Merkmal der Prosa Lottmanns ist seine Verwendung des ironischen Zu-Tode-Lobens im Duktus gespielter Einfalt - meisterhaft ausgeführt etwa anhand der ständigen Verweise auf Christian Kracht in „Deutsche Einheit" oder in zahlreichen Artikeln über Gerhard Schröder und die SPD in der taz. Sein Todeslob von Bret Easton Ellis in "Deutsche Einheit" geht dagegen einen Umweg und gilt eigentlich der Ellis-Übersetzerin Clara Drechsler. Lottmanns diesbezügliche Eigenwilligkeit führte dazu, dass man ihn unter Kollegen zunehmend fürchtete [gezogen bei der ollen Tante W.] stellt gar nichts klar und erst recht auf nichts ab. Sogar darin kann (ja: kann!) das entschiedene Nicht-Sein des Herrn Lottmann gesehen werden, das sich jeder Frage und jeder Schublade entzieht. Oder auch nicht.

Schlagen wir nen Ei drüber und machen Feierabend für heute ...



03 Juli 2007 um 18:55 Uhr Kommentare (1)


Kunst ist ... Natur!

Dieser Eintrag ist aus der taz geklaut, doch die Sache an sich so aberwitzig, dass ich nicht umhin kann, sie zu notieren.

Der Fall: Wir sind auf der documenta. Es stürmt im Lande D. Und der kunst-unsinnige Sturm macht auch vor ... na ja: Kunst nicht halt - er schmeißt ein 'Kunstwerk' um. Was passiert? Das:
Der Künstler nahms als meteorologisches Happening und verdoppelte den Preis des Exponats, die documenta-Sprecherin Catrin Seefranz sekundierte eifrig und staunte über die "erstaunlich ästhetische Weise", in der das Gebilde zusammengestürzt sei.

Meint Arno Frank ganz logisch:
Vielleicht sollte der Schutthaufen jetzt auch angezündet werden, damit seine polymorph zersplitterte Materialität auf sinnliche Weise in eine spannende neue Form transzendieren kann.

Dem ist auch von mir mal nix hinzufügen. L'art pour l'art.

Der Link zum Artikel.



30 Juni 2007 um 23:55 Uhr Kommentare (1)


Die Brücke am Belt

Die Sache an sich: Deutschland und Dänemark haben sich auf den Bau einer Brücke über den Fehmarnbelt geeinigt.

Das berichtete auch 1live am 29.06.07 in den 15:00-Uhr-Nachrichten. Am Ende der Nachricht hörte man folgendes:
Moderator 1: Doch es kommt auch Protest von Anwohnern. Sie fürchten um Umwelt und Terrorismus.
[Pause]
Moderator 2: Du meintest Tourismus (?!) ...
[größere Pause]
Moderator 1: Ach, du Schande ... ja, natürlich



30 Juni 2007 um 23:40 Uhr Kommentare (0)


Wer kauft ein E?

Der USB (UmweltServiceBochum, kommunaler Entsorger im steten Streit mit Remondis) gönnt uns Bürgern in verschiedenen Stadtteilen sog. Wertstoffhöfe (der frühere Name "Superwert" hat sich aus nicht weiter bekannten Gründen nicht durchgesetzt). Die werden jetzt alle sukzessive renoviert, bekommen Parkplätze, bessere Beschilderungen und auch schöne neue Hinweistäfeln in quietschgrün, passend zum USB:

Ich habe ein-, zweimal geschaut, und noch mal geschaut - doch das E wollte nicht weggehen. Liebe Leute vom USB, nicht nur "saubere Wege, Straßen und Plätze sind schließlich die Visitenkarten einer Stadt", sondern auch ordentliche, sauber geschriebene Schilder an den hauseigenen Wert-Stoff-Höfen. Zuwi(e)derhandlungen werden öffentlich gebrandmarkt!
(im Sonnenlichte vor dem Schild sehen wir den tapferen Fotografen und Blogger im täglichen Kampf gegen die Unbill des Lebens und im Kreuzzug für eine saubere Umwelt)

27 Juni 2007 um 17:00 Uhr Kommentare (1)


Hasse ma' ne Antwort?

Was ist nun der CSD? Kunst? Kultur? Kommerz? Karneval? Politisches Statement? Protest? Massenorgie? Fleischbeschau?
Vielleicht ein bißchen von allem. Diese Lösung ist zwar ein auf eine Art feige, weil sie niemandem wehtut und alles impliziert, doch zugleich ist sie auf eine andere Art mutig, weil sie keine Kategorisierung vornimmt.

Mir fielen zum CSD schlagartig zwei Menschen ein, mit denen ich meine zwiespältigen Gefühle ausdrücken kann: William Burroughs und Erich Kästner. Nun soll mir keiner vor dieser - scheinbaren - Gegensätzlichkeit erschrecken.
Kästner dichtete in Ein Mann gibt Auskunft: "Ich stand nur fern von Dir. Ich stand nicht oben." So ging es mir am Rande des Zuges, im Zug, bei der Abschlusskundgebung. Beobachter, aber nicht Teilnehmer; "Betroffener", aber nicht betroffen; Sympathisant, aber nicht Unterstützer. Damit mache ich mich nicht besser oder andere schlechter, damit will ich nicht on the top, over the top stehen, ich stehe nur ein Stück weit weg. Ich sehe all die hübschen, jungen Männer, die mit zuckenden Hüften auf den Paradewagen stehen, ich sehe all das Gefummel, Gebeiße, Gespiele, doch ich bin kein Teil davon, ich nehme es war, aber ich verknüpfe keine Handlung, kein Gefühl damit. Außer Staunen. Und analytisches Interesse. Ihnen gegenüber; mir gegenüber.
Burroughs hat in Naked Lunch viele extreme Szenen geschaffen, psychedelische Bilder gemalt und rohe, fast brutale Erfahrungen beschrieben. Am 17. Juni sprang mich der Geruch nach Schweiß, Sperma, Sex, Alkohol und Testosteron an - ich dachte (fälscherlicherweise) an Bukowski. Aber es war Burroughs, der von onanierenden Knaben mit festen Arschbacken schrieb: In einem Tal aus Kokain und Unschuld jodeln Knaben mit melancholischen Augen auf der Suche nach einem verlorenen Danny-Boy ... Wir schnupften die ganze Nacht und trieben es viermal ....
Und so kam ich zur persönlichen Synthese aus K. und B.

Ist der CSD ...
... Kunst? Ja!
... Kultur? Ja!
... Kommerz? Oh ja, immer mehr!
... Karneval? Ja!
... ein politisches Statement? Ja!
... Protest? Nein! (wogegen denn?)
... Massenorgie? Nein! (nur ein bißchen)
... Fleischbeschau? Ja! (und das sogar ganz prächtig)
Für mich ist die Präsenz entscheidend, die Botschaft: Wir sind da! Wir sind! Heute gehört die Straße uns! Das ist kein Protest, das ist ein Statement. Und eine Forderung nach Wahrnehmung. Problematisch dabei ist vielleicht die Vielfältigkeit, die sowohl für als auch gegen die bunte Familie sprechen kann. Auf der einen Seite die vielzitierte Diversität, auf der anderen der Eindruck, dass "die" ganz anders und irgendwie pervers sind. So können Lederbär und Dragqueen die Weite präsentieren und zugleich zur Klischeebildung beitragen; so können Junx mit wenig an für Lebensfreude stehen wie für Oberflächlichkeit. Wer die Lösung hat, möge sich melden.

Ganz zum Schluss fielen mir die Umzüge der Protestanten im 13. Jhd. im Languedoc ein. Für eine Nacht gehörten die Städte und Straßen ihnen - wer im Morgengrauen von den Suchtrupps der Katholiken gefunden wurde, war des Todes. Das ist heute anders. Da droht am Morgen nur der dicke Kopf ...



27 Juni 2007 um 11:50 Uhr Kommentare (0)


Leinenzwang

Da hatte ich beim sonntagnachmittäglichen Bier am Maybachufer alles so schön vorbereitet, mir Stichpunkte zur Nachbetrachtung des CSD gemacht, die Szenen herausgepickt, die einen besonderen Betrachtung bedurft hätten - und dann verbummel ich irgendwo den Zettel, auf Nimmerwiederstehen. Mist. Jetzt muss ich mein trübes Gehirn anstrengen und von vorne anfangen.
Wenigstens war das Wetter (um beim einfachsten anzufangen) stabil, gegen Nachmittag fehlte mir die Sonnenbrille , dafür war's in der Regenjacke lauschig warm. Fast schon kuschelig. Nach einem kurzen Besuch im Bundesrat stießen Zug und ich am Potsdamer Platz zusammen.
Doch Karneval!: Ich komme um die Ecke und sehe als erstes einen Wagen der CDU. Das ist an sich noch nicht so schlimm, doch als sie anfangen "Viva Colonia" zu singen, wird's mir anders. Schnell weiter. Die SPD ist wenigstens nur laut. Und die Schwulis werben für Tempelhof. Auch ne Botschaft.
Ledernacken: Kurz vor dem Reichstag überhole den Wagen mit Bears & Buddies, viel Leder, viele Glatzen, viele Haare, einige Bäuche. Hinter dem Wagen eine bunte Anhängerschaft, darunter ein jüngerer Herr, zwar auch in Leder, allerdings nur im Lederstring, der recht klein und eng ist. Schräg neben mir steht ein älteres Paar; sie schlägt die Hand vor den Mund, stöhnt, und fragt ihn, ob der WIRKLICH nur das bißchen Leder anhabe? Er grummelt, murmelt, sie sehe das doch, ihm wär's egal, solange ER nicht so'n Zeugs tragen müsste.
Das Berühren der Figüren ...: 17. Juni, Stufe 2 der Bierleichen nimmt die Hälfte des Bürgersteiges ein. Drei Jungs haben sich ineinander, umeinander, untereinander, übereinander gelegt (oder sind es vier?) und bekommen kein klares Wort heraus. Aber immerhin sind sie noch in der Lage, einem der Dahingerafften an der Hose, den Knöpfen und dem Innenleben der Hose herumzuspielen. Frage von links: "Meinst Du, die spielen dem an der Nudel herum?" Antwort überflüssig, lasst Taten sprechen. Wie im Tiergarten im übrigen auch, die Büsche wackeln, ab und an sieht man Kondome fliegen, manchmal grunzt es - und ganz selten fällt was aus den Büschen auf den Weg.
Nasty bits: Auf dem Rückweg zur Bahn ziehen noch immer vereinzelt Unverdrossene als "Zug" über den 17. Juni. Manche Perlen werden von großen Wagen, viel Lärm und zuckenden Hüften überschattet: Vier Köche (oder wenigstens Als-ob-Köche) flanieren in Schürzen - hinten offen, drunter nix - umher und protestieren: Wenn mein Chef mich anmacht, werde ich heiß! oder Magst Du Löffelchen?
Hund und Herrchen: So mancher Hundeliebhaber nimmt auf Großveranstaltungen seinen Fiffi mit (der Berliner ist sowieso völlig hunde-närrisch). Und mancher Fiffi kann ganz gut darauf, es gibt genug zu schnüffeln und ab & an fällt auch mal eine Wurst ab. Ein Hund-Herrchen-Gespann war am Großen Stern an einem Bierwagen zu finden, beide ganz entspannt beim Bier; ich habe lange überlegt, wie der Hund es schafft, durch die Lederschnauze zu trinken, doch dann habe ich den Reißverschluss daran entdeckt. Santé.

Wo ist denn der Wowi?: Die Abschlusskundgebung am Großen Stern ist gut besucht, wobei ich nicht sagen kann, ob es an den Bierständen oder dem Programm lag. Der Moderator schmeißt eine Eloge nach der anderen auf den CSD und die "geilste Stadt" und das Publikum, das sich eher mäßig darüber freut. Dann kommt Wowereit, ganz zivil, ganz unauffällig, gibt sein politisches Statement, wird umarmt und geherzt und geht wieder. Und der Moderator freut sich eine Runde darüber, dass "der Wowi soooo gut riecht". Das Riesenkondom links von ihm wurde später noch gefüllt.



27 Juni 2007 um 11:10 Uhr Kommentare (0)


Wo is' der Somma hin?

Kalendarisch und nach den Jahreskreisfesten ist heute Sommerfang, längster Tag, kürzeste Nacht. Un' wat is'? Nix is'! Es regnet seit dem Mittag am laufenden Meter, es malmelt, kübelt, pinkelt sich aus. Bei lauschigen 18 Grad. Nasse Füße garantiert.
Lasst uns der trüben Zeit gehorchend klagen ...? Ne. Das Jahr war schön (bis jetzt) und wird nicht wiederkehren? Schon eher. Im April waren es über 25 Grad, im Mai hab ich mir nen Sonnenbrand geholt, der Juni war bis jetzt durchwachsen. Was soll die Jammerei? Wird schon. Nun müssen wir eben wieder ne Regenjacke, nen Pulli und für alle Fälle noch nen Regenschirm rausholen. Doof ist nur, dass es die nächsten Tage so bleiben soll ... Regen ... Wolken ... 18 bis 20 Grad ... ab und an mal nen Sonnenstrahl ... Da geht es dann nach dem Motto: Un wenn'de Mittwoch überlebs', ist Donnerstach. In dem Sinne fahre ich mal nach Berlin und hoffe auf "kontinentales Klima". Anders wäre auch blöd, der Karneval der Kulturen war schon etwas feucht, jetzt wollen wir wenigstens den CSD trockenen Fußes erleben. Mensch, mach hinne da!


21 Juni 2007 um 17:25 Uhr Kommentare (0)


Und Sie sind der Ehemann?

Drei Jahre habe ich in Querenburg gelebt - es ist für mich noch immer der bunteste, aktivste und lebendigste Stadtteil Bochums. Am Samstag war Stadtteilfest unter dem Motto "multikulli", das zweite seiner Art und passend zum 125. von Querenburg.
Ich wollte nur zur Post, als ich auf dem Rückweg in strömendem Regen am Weinstand der Nachbarin strandete, die für ihre Weine und ihren Laden mit dabei war. Ich habe meinen Favoriten aus ihrem Sortiment, einen französischen Landwein namens Corso, preiswert und lecker. So blieb ich dort - bis 20 Uhr. Ein älteres Ehepaar aus Querenburg verleitete mich zum ersten Wein - ein spanischer Rosé - und zum längeren Gespräch und so wurde es ein langer Tag. Der Veranstalter, der Vorsitzende des QKV (Querenburger Karnevalsverein) und Passanten waren immer wieder für ein Gespräch gut. Inklusive der fragenden Feststellung, ich sei der Ehemann der Inhaberin - natürlich nicht ohne gute Tipps. Mindestens dreimal wurde ich verheiratet.
Nach acht Uhr abends war ich daheim, mit dem zweiten Teil von Herr der Ringe wurde ich um zwei Uhr morgens auf der Couch wach, um neun Uhr fand ich mich vollbekleidet und mit einem wirklich fiesen Geschmack im Mund im Bett wieder. Es bleibt die Frage, wer die Thunfisch-Pizza gegessen hat, die Verpackung fand ich in meiner Küche ... Und der Corso und der Mercado sind wirklich sehr gut. Santé.

18 Juni 2007 um 00:25 Uhr Kommentare (0)


Der Gott des Gemetzels

stand heute Abend auf dem Programm im Schauspielhaus Bochum. Es war hervorragend; Reza schafft es immer wieder, die Grenzen der "Bürgerlichkeit" zu finden und aufzubrechen - und schon wird aus dem arrivierten Großhändler ein pöbelnder Choleriker, aus der Vermögensberaterin eine zynische, kotzende Demagogin. Doch nicht das Sujet als solches ist sehenswert, auch die Inszenierung und die prächtige Besetzung (Felix Vörtler, Imogen Kogge, Klaus Weiss, Ulli Maier) garantieren einen kömidiantischen Abend mit bitteren Anklängen.

Wo hört die Zivilisation auf, wo übernimmt der Gott des Gemetzels das Regiment? Ich glaube (mit Reza), dass in uns allen das "Tier" schlummert, das darauf wartet, geweckt zu werden, um gnadenlos loszuschlagen. Gutmenschentum, Intellekt und gesellschaftliche Tabus halten uns oft genug davon ab, doch wenn sie einmal überschritten sind ... Die Schwelle kann sehr schnell da sein, überschritten sein - aber ist die Bürgerlichkeit Fassade oder Schutzschild oder Rettungsanker oder primäre Realität? Auch wenn es die Autorin dem Zuschauer auf den ersten Blick einfach macht (und ihn zum herzlichen Lachen einlädt), auf den zweiten Blick - und in der Nachbetrachtung - geht es tiefer. Und kann eine Menge Fragen aufwerfen.

Die Kritik sieht es so oder auch so und im privaten auch so.

Kulturelle, philosophische, literarische, klassische Abend ... mehr davon.



15 Juni 2007 um 01:05 Uhr Kommentare (0)


Und Leo DiCaprio spielt Golf

Beilage in der SZ, dicker als die Zeitung selber: Immobilien; auf dem Cover oben gen. Herr in Golfermontur beim Abschlag.

Man kann es nur noch falsch machen. Das Bioobst kommt aus der Ferne, wo es billiger angebaut werden kann, um den europäischen Bedarf an "Bio" zu decken. Ethanol, ein Treibstoff der Zukunft, aus Zuckerrohr wird mit billigsten Lohnarbeitern in Brasilien produziert, die für 10 Tonnen geschlagenes Zuckerrohr um die 4 EUR bekommen (Kommentar eines Technikers aus dem Labor der Hacienda: Früher ging's den Arbeitern noch schlechter, nur da hat keiner darüber berichtet). Die Kritik am Neoliberalismus ist widersinnig, parolenhaft und inhaltsleer. Und zu allem Überfluss haben Bundeswehr-Tornados auch noch Fotos von Demonstrantenlagern bei Heiligendamm gemacht.

Ich glaub, ich fang auch das Golfspielen an ...



14 Juni 2007 um 10:50 Uhr Kommentare (0)


Wochenzeitung vs. Tageszeitung

Es gibt immer wieder hübsche kleine Geschichten im Blätterwald, die erhellend sind für das bundesdeutsche Presseverständnis und Menschenbild.

Nehmen wir folgenden Fall: Ein dänischer Journalist schreibt für eine große deutsche Wochenzeitung einen Artikel über ein, nun ja, gewissermaßen heikles Thema mit dem schönen Titel: Das arme Arschloch des Mannes.
Kurz bevor die Beilage in den Druck geht, interveniert der Chefredakteur, der Artikel dürfe nicht erscheinen, denn er sei pornografisch. Eine Aufforderung an (zumal heterosexuelle) Männer, die Penetration ihres Anus zuzulassen - ganz so unkonventionell mochte man sich dann doch nicht präsentieren. Der Text musste von Tillmans kurzerhand gegen einen anderen von ihm bestellten Beitrag ausgetauscht werden, der im Heft keinen Platz mehr gefunden hatte. So die Tageszeitung.

Was passiert? Der Autor bietet seinen Text einer anderen Zeitung an, die ihn in der Beilage vom 09.06.07 veröffentlicht. Nicht ohne süffisanten Kommentar: Wir hingegen wollen die durch den Text und seine Zensierung aufgeworfenen Fragen mit unseren LeserInnen diskutieren. Ist die Anleitung, wie ein Mann ohne Stimulation seines Penis einen Orgasmus erleben kann - verbunden mit der These, dies könne gar dem Weltfrieden dienen -, tatsächlich pornografisch und in einer Zeitung fehl am Platz? Oder handelt es sich um ein lebensweltliches Thema, das vorgestellt werden sollte?

Wie es geschah
Wie genau das mit der Stimulation ist



10 Juni 2007 um 16:50 Uhr Kommentare (0)


Barbarische Stadt 2, die Zweite

Was ein Münchner einmal anfängt, das vergisst er auch nicht so schnell. Claudius Seidl - Namensgeber dieses Blogs - hat weitere Geschichten aus der barbarischen Stadt gefunden. Auszüge hier und natürlich hier:
[...] da war antikapitalistische Relevanz im schwarzen Rollkragenpullover gefragt, kein gebräunter Profi im Nadelstreifenanzug, der flott die lieben Leute von Dahlheim begrüßt und dann noch einen "Dschoke" draufsetzt

10 Juni 2007 um 15:55 Uhr Kommentare (0)


Was man alles nicht kennt

Da fahre ich mal in die Provinz (der Provinzler darf mich jetzt mit Mist bewerfen), und ich entdecke wirklich Wunderbares. Von Bocholt aus nach Rees an den Niederrhein (wunderschöne Promenade), von da aus nach Anholt, wo der Eintritt in den Schlosspark 4 EUR kostet, aber sich lohnt. Und zum Abschluss des Tages ins 1-25, wo es vorzügliches Essen, reiche und gute Weinauswahl, persönlichen Service und nettes Ambiente gibt. Ich fahr wieder hin ... da geht noch was!



09 Juni 2007 um 01:14 Uhr Kommentare (0)


Nun schauen Sie doch nicht so traurig!

Bochum, 06.06.07, 08:30 Wir befinden uns in einem Amt, genauer: In einer dienstleistungs- und kundenorientierten Superbehörde. Der Behörde Deutschlands, die sich eher nach einer Versicherung anhört und den Muff der 1000 Jahre loswerden will: Agentur für Arbeit. Oder wie es in den noch immer standardisierten, ohne Unterschrift gültigen und mit Rechts- und Rechtsbehelfsbelehrung versehenen Schreiben heisst: Ihre örtliche Agentur für Arbeit. Das klingt dann fast schon jovial ...
Vor mir sitzt Frau G., ihres Zeichens Hauptbetreuerin des Arbeitssuchenden mit drohender Arbeitslosigkeit, und tippt wild, konzentriert und engagiert auf ihrer Tastatur, während sie raffinierte Fragen stellt - Warum sprechen die französisch? - ein Musterbild an Arbeitsamkeit. Doch ich will gerecht sein: Frau G. nimmt sich statt der avisierten 45 min. sogar 100 min. Zeit für mich, geht mit mir Optionen, Wünsche und Möglichkeiten durch, scheint teilweise interessiert, verbringt ihren Urlaub gerne in der Vendée und hat zwei Kinder. Zum Ende des Erstberatungsgesprächs (In Zukunft haben wir nicht mehr so viel Zeit!) verfasst sie ihren AV-Bericht, das muss sein, ich darf zuhören, nicken und das ganze gegenzeichnen.
Wir stellen fest: Ich sollte in meinem erlernten Beruf bleiben (auch wenn ich das defintiv nicht will und werde), aber ich kann mich alternativ auch woanders umsehen; ich muss mich bewerben; ich muss das alles dokumentieren; es ist toll, dass ich nach Berlin gehe (Gehen Sie! Bis zum 01.08. am besten.); ich bin jung genug, die Fehler, die ich gemacht habe, als ich noch jünger war, zu korrigieren; ich könnte noch mal studieren. Nun schauen Sie doch nicht so traurig, sagt sie mütterlich (obwohl ich eher müde denn traurig bin, denn einen Kaffee ließ sie sich nicht entlocken), das wird schon alles so, wie sie es sich vorstellen ... So haben wir ein Gentleman's-Lady's-Agreement. Ich lasse ihr ihre Berichte und dokumentiere alles fein, sie lässt mich in Ruhe. Da haben wir beide gelacht ...


08 Juni 2007 um 00:10 Uhr Kommentare (0)


Krawall, Grüße & Bücher

Rostock, 03.06.07: Gestern waren es noch 950 Verletzte, heute sind es schon über 1.000 bei den Ausschreitungen der Demonstrationen gegen das G-8-Treffen in Heiligendamm. Ich hab's natürlich wieder "live" (also in der Glotze) verpasst, die Tageszeitung schilderte so: Schwarzvermummete Autonome fielen über einen einzelnen Polizeiwagen und den davor stehenden Polizisten her [Frage am Rande: Reicht das Wort autonom eigentlich schon, um von Schäubles immer wachenden Hunden beäugt zu werden?], danach folgte eben: Radau, Krawall, Ausschreitung. Als nachgeborener 68er komme ich irgendwie wie 68 vor - oder wenigstens wie 78 (das habe ich noch mitbekommen). Die Frage, ob "Staatsgewalt" Gegengewalt forciert und ob diese dann legitimiert ist, kann ich allerdings nicht beantworten. Immerhin weiß ich aber, dass es wirklich naiv war, an total friedliche Bienchen.Blümchen.Summsumm.Proteste zu glauben ...

Bochum, 04.06.07: Ich fahre auf der Unistr. Richtung NS7, da hupt es hinter mit - einmal, zweimal, Lichthupe. Ich gucke hin, ein schwarzer Skoda mit männlichem Fahrer hinter mir macht Theater. Was will es? Dreck, denke ich, es ist was mit'm Auto ... Da überholt mich der Wagen, hält neben mir, der Fahrer winkt wie ein Aufziehmännchen und gestikuliert nach hinten. Doppeldreck - der Auspuff? Reifen? geht mir durch den Kopf. Ich lasse das Fenster runter --- er lächelt und sagt Hallo. Ich habe keine Ahnung, wer das ist oder worum es geht, ziehe ein fragendes Gesicht und brummel Hi. Er gestikuliert wieder wild nach hinten --- Hallo Bookcrosser! Nach ein, zwei Sekunden, in denen wirklich doof geguckt haben muss, habe ich die Lösung: Er meint den "I brake for wild books"-Aufkleber an der Stoßstange und ist selber